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MICHELAU

Gemeinderat will ein Seniorentaxi für Michelau

Gemeinderat will ein Seniorentaxi für Michelau
In der Gemeinde Altenkunstadt gibt es bereits seit 2016 einen Bürgerbus – hier Bürgermeister Robert Hümmer, als er bei der Jungfernfahrt die ersten Passagiere begrüßte. Die Gemeinde Michelau möchte zumindest vorübergehend ein vergleichbares Angebot schaffen. Foto: Stephan Stöckel

Ein Seniorentaxi soll kommen – darin sind sich die Fraktionen einig. Bei der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend wurde allerdings das im Mai vorgestellte Konzept als zu teuer verworfen: „Die Preise haben sich mittlerweile verdoppelt“, erklärte Bürgermeister Jochen Weber. Er machte dafür die Inflation und den Ukraine-Krieg verantwortlich.

Das Angebot soll es Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, ermöglichen, Supermärkte, Ärzte oder öffentliche Einrichtungen zu erreichen. Gedacht ist es für Bürgerinnen und Bürger ab 75 Jahren oder mit mindestens 50 Prozent Behinderung. Mit seiner Hilfe soll die Zeit überbrückt werden, bis der Öffentliche Nahverkehr neu ausgeschrieben wird: Im Zuge der Neuplanung des ÖPNV hat die Gemeinde bereits eine Haltestelle bei den Supermärkten in der Neuenseer Straße beantragt, die dann vier- bis fünfmal am Tag angefahren werden soll.

Eine Fahrt von Lettenreuth nach Michelau und zurück: 20 Euro

Nächstes Jahr soll es so weit sein. Vorgesehen war ursprünglich, bis dahin einen Fahrdienst in Zusammenarbeit mit einem Taxi-Unternehmen einzurichten. Für die Fahrten sollte ein günstiger Festpreis gezahlt werden; die Gemeinde wollte zusammen mit den Supermärkten am Ortsrand den Rest der Kosten übernehmen. Zusätzlich sollten Stiftungen und weitere mögliche Sponsoren angefragt werden. Das Taxiunternehmen Franke aus Lichtenfels wäre an dem Auftrag interessiert.

Aber nun sind die Preise explodiert, wie SPD-/JSB-Fraktionssprecher Andreas Robisch verdeutlichte: Demnach müsste ein Fahrgast für die Strecke von Lettenreuth nach Michelau und zurück 20 Euro berappen – der Zuschuss der Gemeinde wäre da schon einberechnet. Das führte zu einem Umdenken bei den Gemeinderäten. Zum einen sollen nun doch Bürgerinnen und Bürger für einen ehrenamtlichen Einsatz als Fahrer motiviert werden. Dies hatte der Bürgermeister in der Maisitzung noch abgelehnt.

Erste Variante: eine Kooperation mit Redwitz

Zum anderen soll die Verwaltung nun drei Möglichkeiten prüfen: Erstens wäre eine Kooperation mit Redwitz möglich. Die Marktgemeinde führt ebenfalls einen Shuttle-Service ein. Ihr Fahrzeug könnte Michelau einmal pro Woche für 40 Euro anmieten. Allerdings könne die Umsetzung noch etwas dauern, da das Projekt in Redwitz noch in den Kinderschuhen stecke, merkte Weber dazu an.

Zweite Variante: die Nutzung eines Bauhof-Fahrzeugs

Als zweite Möglichkeit stellte er in den Raum, für einen Tag in der Woche einen Sprinter des Bauhofes zu nutzen. Das wäre die Variante, die die CSU-/JU-Fraktion bevorzugen würde, da sie ihrer Meinung nach am einfachsten umzusetzen wäre. Dazu sollte, so Fraktionssprecherin Judith May, die Verwaltung einen entsprechenden Aufruf veröffentlichen, dass sich Freiwillige melden sollen. Ein Personenbeförderungsschein wäre für ein solches Ehrenamt nicht erforderlich. May regte auch eine Zusammenarbeit mit den Aktiven Bürgern an. Projektstart sollte im Herbst sein.

Dritte Variante: eine Kooperation mit dem BRK-Fahrdienst

Eine dritte Alternative brachte Andreas Robisch ins Spiel: Er hat Rücksprache mit Frank Gerstner gehalten, dem Leiter des BRK-Mehrgenerationenhauses. Demnach wäre auch eine Kooperation mit dem Fahrdienst des Roten Kreuzes denkbar. Für die SPD-/JSB-Fraktion beantragte er deshalb, eine Zusammenarbeit mit dem BRK oder die Beteiligung an bereits bestehenden Projekten zu prüfen. Er regte außerdem an, über die Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs zu nachzudenken. Für letzteres machte sich Roland Braun (SPD) stark.

Er erinnerte daran, dass die Gemeinde schon einmal einen Bus zur Nutzung für die Vereine vorgehalten habe. Finanziert worden sei das Angebot über Sponsoring und eine Nutzungsgebühr. Dirk Fischer (CSU) verwies darauf, dass Vereine jederzeit einen Neun-Mann-Bus beim Landratsamt ausleihen könnten. Und Bürgermeister Weber erklärte, dass das Angebot eingestellt wurde, weil es sich nicht rechnete. Die Verwaltung soll aber noch einmal prüfen, was die Vereine damals dafür gezahlt hätten.

Es geht um ein Angebot für ein halbes Jahr

Für die Freien Wähler sprach sich Lutz Weisser gegen die Anschaffung eines Fahrzeugs aus. Schließlich handele es sich um ein Angebot, das nur für ein halbes Jahr eingerichtet wird. Er und Andrea Hoch befürworteten eine Kooperation mit Redwitz. Damit wäre die Gemeinde am flexibelsten. Zusammengefasst hat die Verwaltung also nun den Auftrag, eine Kooperation mit Redwitz oder dem BRK sowie eine mögliche Nutzung eines Bauhof-Fahrzeugs zu prüfen. Nun kommt es auch darauf an, ob sich Bürgerinnen und Bürger bereit finden, den ehrenamtlichen Fahrdienst zu übernehmen.

„Das ist der richtige Weg. Wir finden das gut und werden alle mitgehen.“
Jürgen Spitzenberger, SPD, zur kostenlosen Schülerbeförderung

Neben der Beförderung von Senioren war auch die Beförderung von Schülerinnen und Schülern Thema der Sitzung: Der Gemeinderat beschloss, auch für das kommende Schuljahr die Kosten für den Schulbus nach Burgkunstadt zu übernehmen. Das Angebot war vom damaligen Bürgermeister Dirk Rosenbauer 2020 angeregt worden, um allen Jungen und Mädchen den gleichen sicheren Schulweg zu ermöglichen.

Zweiter Bürgermeister Hans-Georg Borchert, selbst Lehrer an der Realschule Burgkunstadt, hatte vor der Beschlussfassung darauf hingewiesen, dass den Eltern eine positive Entscheidung sehr wichtig sei: „Ich bin von unseren Sekretärinnen mehrfach informiert worden, dass bereits bei den Anmeldungen für das kommende Schuljahr Eltern immer wieder nachgefragt haben, wie es denn um die Buskosten für die Michelauer Kinder steht.“

Gemeinderat will ein Seniorentaxi für Michelau
Auch im kommenden Jahr ermöglicht die Gemeinde Michelau den Jungen und Mädchen die Fahrt mit dem Schulbus nach Burgkunstadt.OT-Archiv/Christian Voll Foto: Foto:

Warum kam der Antrag nicht von der Verwaltung?

Darüber gab es im Gemeinderat auch keine Diskussionen; der Beschluss fiel einstimmig, auch wenn der Preis pro Kind von 74,50 auf 78 Euro im Monat gestiegen ist. Insgesamt zahlt Michelau damit etwa 25.000 Euro als freiwillige Leistung. „Das ist der richtige Weg. Wir finden das gut und werden alle mitgehen“, betonte denn auch Jürgen Spitzenberger (SPD) und würdigte Rosenbauers Initiative. Er wunderte sich aber darüber, dass der Antrag dazu von der CSU-Fraktion gestellt wurde und nicht von der Verwaltung.

Bürgermeister Weber erklärte dazu, dass es sich auch hier nur um ein Überbrückungsangebot handele: Es solle auslaufen, wenn 2023 der ÖPNV neu geregelt wird. Bis dahin müsse es jedes Jahr neu beantragt werden.

Aus dem Gemeinderat

• Bürgermeister Jochen Weber gab das Ergebnis einer Geschwindigkeitsmessung in der Sudetenstraße bekannt. Demnach wurden in der Tempo-30-Zone durchschnittlich 38 Kilometer pro Stunde gefahren.

• Der Bürgermeister trat Gerüchten von horrenden Preisen im neuen Baugebiet in Lettenreuth entgegen: Wie beschlossen koste der Quadratmeter dort 99 Euro.

• Der Bürgermeister bat alle diesjährigen Michelauer Schulabsolventen darum, sich unter rathaus@gemeinde-michelau.de zu melden. Die Gemeinde möchte auch heuer die Leistungen der Absolventen würdigen, darf sie aber aus Datenschutzgründen nicht von sich aus kontaktieren.

• Auf Nachfrage von Michael Stettner (JU) gab der Bürgermeister bekannt, dass in der Kalenderwoche 35 ein offener Bücherschrank aufgestellt wird. Die Finanzierung übernimmt der Lions Club. Lutz Weisser merkte an, dass die Freien Wähler dies auch schon zweimal beantragt hätten. Der Antrag müsse halt vom Richtigen kommen, kommentierte er.

• Andreas Robisch (JSB) gab bekannt, dass das Korbmuseum am 10. Juli ein Kinderfest veranstaltet.

• Der Gemeinderat Michelau hat für die nächsten fünf Jahre Thomas Sturm als Datenschutzbeauftragten und Dr. Markus Draeger als Informationssicherheitsbeauftragten der Gemeinde Michelau bestellt. Beide sind Mitarbeiter der Firma actago GmbH, die der Gemeinderat mit diesen Aufgaben betraut hat.

• Der Gemeinderat hat die Feststellung des Jahresabschlusses für die öffentliche Wasserversorgung der Gemeinde beschlossen. Der Jahresverlust von 44.780,29 Euro wird über den Haushalt ausgeglichen.

• In der nichtöffentlichen Maisitzung wurden beschlossen, dass die Johann-Puppert-Schule einen Kompakttraktor für 46.000 Euro erhält. Beauftragt wurde die Firma M. Stenglein GmbH in Waischenfeld.

• In der nichtöffentlichen Maisitzung wurden für die Generalsanierung der Johann-Puppert-Schule folgende Beschlüsse gefasst: Der Gemeinderat stimmte drei Nachtragsangeboten zu – von der Firma John GmbH, Hallstadt, über 15.000 Euro für die Außenanlagen, von der Firma Hirsch GmbH, München, über 17.000 Euro für Malerarbeiten und von der Firma Püls & Schuberth, Lichtenfels, über 80.000 Euro für die Elektroinstallation. Die Firma Wolf Telkom, Hallstadt, erhält den Auftrag über 55.000 Euro für die Netzwerkeinrichtung für aktive Komponenten wie Server, W-Lan-Access-Points, PCs oder Drucker.

• In der nichtöffentlichen Maisitzung stimmte der Gemeinderat stimmte zwei Nachtragsangeboten im Rahmen des Neubaus des Michelauer Schülerhorts zu – von der Firma Haga Metallbau, Hofheim, über 39.000 Euro für Leichtmetallbauarbeiten und von der Firma SAH Bau und Verputz GmbH, Coburg, über 31.000 Euro für Außenputzarbeiten.

• Den Auftrag für Dachabdichtungsarbeiten im Zuge der Dachsanierung der Michelauer Schulturnhalle erhielt die Firma Lohse Bedachungen GmbH, Nürnberg, für 160.000 Euro.

• Außerdem hat der Gemeinderat bei der Firma Helin Warnsystemtechnik GmbH, Pfarrkirchen, drei Sirenenanlagen für 49.000 Euro bestellt.

Standpunkt: War das notwendig?
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Standpunkt

War das notwendig?

Von Annette Körber
annette.koerber@obermain.de

Der Gemeinderat ist sich einig: Es ist eine gute Sache, allen Michelauer Jungen und Mädchen, die in Burgkunstadt zur Schule gehen, die kostenlose Beförderung mit dem Schulbus zu ermöglichen. Die Übernahme der Kosten auch im kommenden Schuljahr ist deshalb unstrittig. Umso merkwürdiger, dass der Antrag dazu nicht von der Verwaltung, sondern von der CSU-Fraktion kommt. Die Antwort des Bürgermeisters auf die Nachfrage von SPD-Mann Spitzenberger vermag nicht zu überzeugen: Er erklärt nur, warum der Beschluss des Gemeinderats jedes Jahr neu erforderlich ist. Da entsteht schnell der Verdacht, dass die CSU-Fraktion die Nähe zum Rathaus genutzt hat, um sich als besonders familienfreundlich zu profilieren – und das in einer Sache, in der sich eigentlich alle einig sind.

 

Von Annette Körber

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