aktualisiert:

MARKTGRAITZ

Festliches Singen in Marktgraitz für die Gottesmutter

Festliches Singen in Marktgraitz für die Gottesmutter
Die Kemmärä Kuckkuck bei ihrem Auftritt beim konzertanten Mariensingen in Marktgraitz. Foto: Roland Dietz

Ein Mariensingen in der katholischen Pfarrkirche in Marktgraitz ist für die vielen Besucher immer etwas Besonderes. Dennoch sind die Veranstaltungen in ihrer Form unterschiedlich. Ist es im Wonnemonat Mai so, dass der Frühling in den Texten eine Rolle spielt, fallen der Gesang und das Musizieren im Marienmonat Oktober eher konzertant, ruhig und getragen aus.

Der Oktober gilt traditionell als „Marienmonat“. Das geht zurück auf den 7. Oktober 1571. An diesem Tag hatten die christlichen Mittelmeermächte mit Spanien an der Spitze und organisiert von Papst Pius V. in der Seeschlacht bei Lepanto einen Sieg über das Osmanische Reich errungen. Der Papst ordnete darauf an, dass dieser Tag als „Fest der seligen Jungfrau Maria“ zu feiern sei.

Dank, Bitten und das Vorbringen von Anliegen an die Gottesmutter

Der heute übliche Rosenkranz hatte sich bereits im 15. Jahrhundert aus alten Mariengebeten entwickelt, als sie in den Feiern im Oktober mit eingebracht wurden. Immer weniger Menschen können allerdings heute etwas mit dieser Gebetsform anfangen. Dabei kann sie tief in die christliche Spiritualität hineinführen. Diese Art des Gebetes und musikalischer Gesänge hat für viele Gläubige die Bedeutung von Dank, Bitten und dem Vorbringen von Anliegen bei der Gottesmutter.

Festliches Singen in Marktgraitz für die Gottesmutter
Der Maarienaltar mit einem Kranz aus weißen und roten Rosen. Foto: Roland Dietz

Dies stand auch beim Mariensingen in Marktgraitz im Mittelpunkt. Der Marienaltar war mit einem Rosenkranz aus weißen und roten Rosen festlich geschmückt. Das Singen und Beten zu Maria bezeichnete Dekan Lars Rebhan als nach wie vor spirituelle Bindung zur Gottesmutter. „Dabei wäre es gerade am Missions-Sonntag schön, wenn alle eine Begegnung zum Glauben durch Maria finden“, sagte er.

Anwesende wurden in das Singen einbezogen

Und es wurde eine wunderschöne Stunde, die allen – ob Besuchern oder Sängern beziehungsweise Musikern – viel Freude bereitete. Organisiert hatte sie Heinrich Gesslein mit seiner Familie und der Volksliedergruppe Kemmärä Kuckuck. Dabei wurden gleich zu Beginn mit dem fränkischen Marienlied „Oh himmlische Frau Königin“ die Besucher zum Mitsingen animiert. Wie ein großer Chor intonierten sie das Lied und die Textpassage: „Wir geben dir in deine Hand die Heimat unser Frankenland.“ Und der Grüßauer Marienruf „Muttergottes, wir rufen zu dir“ zog sich wie ein andächtiger Faden durch das ganze Singen, da ihn die Besucher nach fast jeder Gesangspassage anstimmten.

Festliches Singen in Marktgraitz für die Gottesmutter
Der „Graatzer Dreigesang“ absolvierte seinen Auftritt in der Marktgraitzer Pfarrkirche zu viert. Foto: Roland Dietz

Der „Graatzer Dreigesang“ der zu viert auftrat, begann mit dem Lied „Oh Maria sei gegrüßt“ mit einem schönen, anmutigen mehrstimmigen Gesang. Beim Beitrag „Königin der Herrlichkeit“ waren schön ineinander laufende Stimmen zu erleben.

Vor dem geistigen Auge erscheint Maria

Sehr beachtet wurde auch „Maria im Garten“, was teils in Deutsch teils in Latein sehr fein erklang. Ein gesangliches Erlebnis war der Beitrag „Hör, oh Mutter, dies Gebet“. Von einem eher ruhigen und leisen Vers-Teil steigerte sich der Chorgesang mit einem Crescendo, so dass im Refrain der Kirchenraum klangvoll gefüllt wurde.

Sehr bildlich war auch im Gesang das Lied „Es blühen drei Rosen auf einem Zweig“. Vor dem geistigen Auge erscheint dabei Maria mit dem Kinde auf dem Arm und Zepter und Krone. Der nächste Beitrag „Oh, blicke mild hernieder“ brachte in sehr gekonnter, mehrstimmiger Art und Weise den Lobpreis Mariens als Schützerin des Frankenlandes zu Gehör. Sehr demütig trugen die Kemmärä Kuckuck „Hier vor deinem Bilde“ vor, in dem um den Segen der Gottesmutter mit Innigkeit gebetet wird. Bei „Zu dir, oh Maria“ fungierte Marion Töppke sehr effektiv als Vorsängerin der einzelnen Strophen.

Festliches Singen in Marktgraitz für die Gottesmutter
Die Kemmärä Kuckkuck bei ihrem Auftritt beim konzertanten Mariensingen in Marktgraitz. Foto: Roland Dietz

Der Wallfahrtsort Bornhofen liegt am Mittelrhein. Für die dortige Bornhofener Schiffswallfahrt dichtete Guido Görres 1842 das Lied „Geleite durch die Wellen das Schifflein treu und mild“, das sehr stimmungsvoll und leicht beschwingt erklang. Sehr gefühlvoll, ja sogar andächtig interpretierten die sieben Sängerinnen und Musiker der Kemmärä Kuckuck das bekannte „Ave, Glöcklein, läute still“ mit sehr poetischem Text.

Sehr modern war das Abschlusslied „Dem Leben vertrauen“ der Gesangsformation aus dem Raum Bamberg. Beim abschließenden bekannten Marienlied „Segne du, Maria“ stimmten auch die Besucher nochmals mit ein.

Insgesamt war es einmal mehr ein wunderbares Erlebnis für alle Besucher. Da alle Akteure auf eine Gage verzichtet haben, kommt der Reinerlös des Singens in der Höhe von 640 Euro den Flutopfern im Ahrtal zu Gute.

Von Roland Dietz

Weitere Artikel