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MICHELAU

Erster Stresstest für den Michelauer Bürgermeister: Corona

Die Verträge sind unterschrieben und die neuen Fahrkarten sind da: Die Schülerbeförderung per Bus für alle Michelauer Kinder, die nach Burgkunstadt müssen, ist Bürgermeister Dirk Rosenbauer ein Herzensanliegen. Foto: Annette Körber

Am 8. August waren es genau 100 Tage: So lange ist Dirk Rosenbauer nun schon Bürgermeister in der Korbmachergemeinde. Der Amtsantritt fiel mit dem ersten großen Stresstest zusammen – der Corona-Pandemie. Da kam dem 40-Jährigen zugute, dass er die Arbeit im Rathaus kannte. Als Zweiter Bürgermeister hatte er in der vorigen Legislaturperiode die Urlaubsvertretung für Helmut Fischer übernommen.

Rosenbauer schüttelt den Kopf, wenn er daran denkt, vor welche Herausforderungen die Staatsregierung die Kommunalverwaltungen während des Lockdowns stellte: Dienstags wurden auf den Pressekonferenzen die neuesten Maßnahmen verkündet, die am Montag danach gelten sollten. In den Rathäusern kamen aber erst Freitagnachmittag Informationen dazu an.

Nur Kegelbahnen und Kleinspielfeld sind noch geschlossen

Dass er in der Korbmachergemeinde erst einmal alles schließen musste, hat Rosenbauer sehr bedauert. Und er vermisst die „ganzen kleinen Festla“. Auf die hatte er sich gefreut. Umso wichtiger war es ihm, Lockerungen schnell umzusetzen. Mittlerweile sind nur noch die Kegelbahnen und das Kleinspielfeld geschlossen. Und das Hallenbad, aber das liegt an den Bauarbeiten bei der Schule nebenan.

Dafür ist das Baden im Rudufersee wieder erlaubt. „Das war richtig knackig“, bemerkt Rosenbauer. Schließlich dürfen sich nicht zu viele Badegäste auf der Liegewiese tummeln. Die Lösung: Ein Teil der Parkplätze wurde gesperrt. Weil Besucher daraufhin ihr Auto einfach an der Straße abstellten, reagierte die Gemeinde mit Parkverboten. Jetzt ist der Bürgermeister zufrieden: „Die Liegewiese ist schon sehr voll. Aber im Großen und Ganzen funktioniert's.“

„Wer einen Termin will, der kriegt ihn. Mir ist egal,

wer kommt, ich habe für jeden ein offenes Ohr.“

Dirk Rosenbauer, Michelauer Bürgermeister
Bürgermeister Dirk Rosenbauer vor einem der jüngeren Wahrzeichen Michelaus: Der Zunftbaum wurde vor 25 Jahren errichtet. Von der Dachterrasse des Rathauses aus hat man auch ihn im Blick. Foto: Annette Körber

Es mache viel Arbeit, den Badebetrieb zu ermöglichen. Es müsse viel öfter gereinigt und desinfiziert werden als in „normalen“ Jahren. Deshalb helfen heuer auch Mitarbeiter aus der Schule und dem Hallenbad aus. Umbesetzungen wie diese ermöglichten es, keinen der 55 Gemeindemitarbeiter in Kurzarbeit schicken zu müssen.

Dirk Rosenbauer hatte sehr genaue Vorstellungen davon, was er als Bürgermeister ändern wollte. Vieles davon lässt sich mit dem Stichwort „bessere Kommunikation“ betiteln. „Ich pflege keinen dominanten, sondern einen freundlich-informativen Führungsstil“, sagt der neue Bürgermeister über sich. Er ist per E-Mail immer erreichbar. Im Haus gibt es jetzt mehr Besprechungen; es fließen mehr Informationen.

Das Gleiche gilt für die Gemeinderäte, für die er ein „Ratsnetz“ hat einrichten lassen, eine Art Intranet. Einmal pro Woche stellt er hier einen Bericht ein, auch die nötigen Unterlagen für die Gemeinderatssitzungen sind hier zu finden. Zudem tauscht er sich mit den Fraktionsvorsitzenden und den anderen beiden Bürgermeistern in regelmäßigen Besprechungen aus. „Die Rückkopplung ist mir wichtig. Ich mache hier auch nicht alles richtig. Da hat mir der ein oder andere Hinweis schon sehr geholfen.“

Stolz ist Rosenbauer darauf, dass sein erstes Projekt vom Gremium einstimmig beschlossen wurde: Künftig dürfen alle Jungen und Mädchen der Gemeinde, die die Realschule Burgkunstadt besuchen, mit dem Bus fahren. Bisher galt dies nur für diejenigen, die mehr als drei Kilometer Fußweg zur Schule hatten. Alle anderen mussten den Zug nehmen.

Auch die Information der Bürger will Rosenbauer verbessern und würde dafür gern den Vorschlag der Freien Wähler aufgreifen, die Protokolle der öffentlichen Sitzungen auf die Homepage zu stellen. Momentan werde das noch in Hinblick auf den Datenschutz geprüft. Für die Gemeinde relevante Informationen würden aber dort und auf Facebook kommuniziert. „Es sitzen auch täglich Bürger hier“, erzählt das Gemeindeoberhaupt. Ihn freut das: „Genau dieser schnelle und unbürokratische Kontakt ist mir am wichtigsten.“ Eine Bürgersprechstunde bietet er nicht an. „Wer einen Termin will, der kriegt ihn. Mir ist egal, wer kommt, ich habe für jeden ein offenes Ohr.“

Optimistische Grundstimmung bei den Unternehmen

Auch den Kontakt zu den Unternehmern in der Gemeinde will der 40-Jährige pflegen. Eigentlich wollte er dazu einen großen runden Tisch einrichten. Corona grätschte dazwischen. Nun besucht er nacheinander die Unternehmer vor Ort und bringt einen beruhigenden Eindruck mit: Es herrsche eine optimistische Grundstimmung. Zwei Unternehmen hätten sich kürzlich in Michelau angesiedelt, eine größere Gewerbeansiedlung sei derzeit im Gespräch.

Zuversichtlich ist Rosenbauer auch, was die Zukunft der Johann-Puppert-Schule angeht. Im September wird es hier keine siebte Klasse geben. Nach weiteren Gesprächen mit der neuen Schulleitung, mit Schulamt, Schulverband und der Stadt Lichtenfels könne er aber sagen, dass der Wille da sei, Michelau als Schulstandort abzusichern.

Trotzdem habe er manche schlaflose Nacht. Drei Großprojekte muss Michelau stemmen, die Sanierung der Johann-Puppert-Schule und den Neubau der Horte in Michelau und Schwürbitz, und es ist jetzt schon klar, dass das mehr kosten wird als ursprünglich veranschlagt. „Wir hantieren mit Millionen, müssen aber gerade jetzt noch mit Preiserhöhungen rechnen“, seufzt der Bürgermeister.

Aus der BMX-Bahn soll ein Bikerpark werden

Auf der Dachterrasse des Rathauses. Von hier aus hat Bürgermeister Dirk Rosenbauer einen schönen Blick auf sein Wirkungsfeld. Foto: Annette Körber

Dazu komme, dass die Unternehmen in der aktuellen schwierigen Situation die Stundung der Gewerbesteuern beantragen können. „Das ist ein wichtiger Schritt, den ich begrüße. Aber wir liegen Stand heute schon um eine Million Euro zurück.“ Kein Wunder, dass er befürchtet, einiges streichen zu müssen, was für nächstes Jahr vorgesehen ist. Dazu zählen Verbesserungen für Vereine. Sie sollen höhere Zuschüsse für Großprojekte erhalten können, auch die Förderung der Jugendarbeit soll auf neue Füße gestellt werden. Dass das gekippt wird, will Rosenbauer unbedingt verhindern.

Zumindest ist ein Projekt in trockenen Tüchern, das von jungen Erwachsenen im Ort angestoßen wurde und nun auch von ihnen selbst geplant und umgesetzt wird – mit Unterstützung des Bauhofs und koordiniert von den beiden Jugendbeauftragten der Gemeinde: Aus der BMX-Bahn soll ein kleiner Bikerpark werden. Eine erste Infoveranstaltung ist für 22. August geplant; die Arbeiten sollen dann im Oktober starten.

 

Von Annette Körber

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