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REDWITZ / EBNETH

Einwände gegen Rodung im Ebnether Wald

Einwände gegen Rodung im Ebnether Wald
Sie setzen sich für den Erhalt der wertvollen Ressource Wald ein: Der Redwitzer Gemeinderat Jochen Körner (SPD, links) und der Burgkunstadter Stadtrat Thomas Müller (Bürgerverein) sprechen sich klar gegen eine zweite Schneise durch den Ebnether Wald aus. Foto: Marion Nikol

Er beginnt in Redwitz und führt von dort aus in südöstlicher Richtung durch Oberfranken bis nach Schwandorf in der Oberpfalz. Die Rede ist vom Ostbayernring, einer 185 Kilometer langen Stromtrasse. Schon bald soll sie aufgrund der wachsenden Anforderungen an die bayerische Stromversorgung modernisiert werden.

Allerdings werfen die geplanten Maßnahmen nach wie vor Fragen bei den betroffenen Gemeinden im Landkreis Lichtenfels auf. Denn es handelt sich dabei um einen Ersatzneubau in Form einer 380/11-kV-Höchstspannungsleitung, wofür eine zweite Schneise durch den Ebnether Wald geschlagen werden soll. Sowohl Redwitz als auch Burgkunstadt sprechen sich gegen einen solchen Eingriff aus und plädieren für eine Waldüberspannung. Diese scheint jedoch durch den Vorhabenträger, die in Bayreuth ansässige Tennet GmbH, nur teilweise vorgesehen zu sein.

Tennet lehnt vollständige Waldüberspannung ab

Ganz konkret geht es um 22 000 Quadratmeter Wald, die für das Projekt in Ebneth gerodet werden müssten. Die Frage, warum für die Modernisierung des Ostbayernrings nicht die bereits vorhandene Trasse genutzt werden kann, begründet das Unternehmen unter anderem damit, dass die aktuellen Masttypen aufgrund ihrer technischen Voraussetzungen und ihres Alters statisch keine Spannungsumstellung mit neuen oder zusätzlichen Leiterseilen erlauben.

„Eine vollständige Überspannung ist durchaus technisch und auch kostenneutral möglich.“
Auszug aus einer Stellungnahme der Gemeinde Redwitz

Es braucht also eine zweite Trasse, die nördlich der alten verlaufen und den Wald lediglich im unteren Hangbereich überspannen soll. Im oberen Hangabschnitt ist laut aktueller Planung keine Überspannung, sondern eine Schneise geplant, die mit beträchtlichem Baumverlust einhergehen würde.

Einwände gegen Rodung im Ebnether Wald
Die aktuelle Schneise ist auf Satellitenbildern gut erkennbar, ebenso wie der betroffene Waldabschnitt. Diesen will der Vorhabenträger nicht vollständig, sondern lediglich im unteren Hangbereich überspannen, so dass eine zweite Schneise entstehen würde Foto: red

Um laut Tennet eine vollständige Waldüberspannung realisieren zu können, müsste einer der Masten deutlich höher als 100 Meter hoch werden, was eine Nachtkennzeichnung der Mastspitze und zusätzlich Beeinträchtigung nach sich ziehen würde. „Daher lehnt Tennet dies weiterhin ab“, so Markus Kretzler, Referent für Bürgerbeteiligung, und ergänzt: „Die letztliche Entscheidung hierüber liegt aber bei der Regierung von Oberfranken als verfahrensführende Behörde.“

Vorzeitiger Baustart für Juni beantragt

Wichtig zu wissen ist außerdem, dass das Planfeststellungsverfahren derzeit noch läuft und eigentlich erst im Juli das offizielle „Go“ für den Leitungsbau zu erwarten ist. Nun aber hat Tennet einen vorzeitigen Baubeginn beantragt und will bereits Anfang Juni mit vorbereitenden Maßnahmen starten – ein Vorhaben, das in Redwitz und Burgkunstadt nicht unbedingt auf Begeisterung stößt.

Die von Tennet geplanten Maßnahmen, die im Zuge des vorgezogenen Projektstarts durchgeführt werden sollen, sind zwar nach Angaben des Unternehmens reversibel, also vollständig rückbaubar. Doch es werden Stimmen aus dem Stadtrat sowohl in Burgkunstadt als auch Redwitz laut, die darin eine Vorentscheidung und damit auch eine Besiegelung der Waldrodung sehen.

„Selbst wenn Tennet ab dem Jahr 2025 die alte Trasse aufforstet, so gehen dennoch über zwei Hektar wertvoller Wald verloren.“
Thomas Müller, Burgkunstadter Stadtrat

So ist der Redwitzer Gemeinderat Jochen Körner (SPD) der Meinung, dass mit der Genehmigung des vorzeitigen Baubeginns Fakten geschaffen werden: „Die Genehmigungsbehörde darf nämlich einem solchen nur zustimmen, wenn die Prognose lautet, dass die endgültige Entscheidung zugunsten der Pläne für Tennet ausfallen wird. Das heißt konkret, dass einer neuen Schneise durch den Ebnether Wald zugestimmt wird. Und das obwohl sich die Gemeinde Redwitz und die Stadt Burgkunstadt dagegen ausgesprochen haben.“

Tatsächlich haben beide Gemeinden nun erneut ihre Einwendungen bei der Regierung von Oberfranken eingereicht. So beschloss der Redwitzer Gemeinderat erst vor Kurzem mehrheitlich, den vorzeitigen Baubeginn abzulehnen, da hiervon das Signal ausgehe, dass eine neue Schneise durch den Ebenther Wald gebaut wird, was die Gemeinde ablehne. Ebenfalls im Beschluss heißt es: „Eine vollständige Überspannung ist durchaus technisch und auch kostenneutral möglich. Eine neue Schneise stellt einen großen Eingriff in die Natur und ins Landschaftsbild dar und wird abgelehnt.“

Burgkunstadt befürchtet mehr Waldverlust als angenommen

Ein ähnliches Bild zeichnet sich in Burgkunstadt ab. Dort entschied der Stadtrat jüngst einstimmig, folgende Anregungen zum Vorhaben „Ostbayernring“ vorzubringen: „Grundsätzlich muss der Eingriff der neuen Trasse so verträglich wie nur irgendwie möglich für Mensch und Natur ausfallen. Daher möchten wir uns als betroffene Stadt klar gegen die weiterhin geplante Schneise durch den Ebnether Wald aussprechen. (…) Die Bedenken betreffen nicht nur die geplante Rodungsfläche, sondern auch den Streifen zwischen der alten und der neu geplanten Schneise. Dieser Streifen wird unserer Einschätzung nach durch den Eingriff stark leiden und im schlimmsten, aber sehr wahrscheinlichen Fall einem durch die Trasse begünstigten Schadensereignis zum Opfer fallen.“

Einwände gegen Rodung im Ebnether Wald
Der Blick von Ebneth aus: Wo jetzt noch hohe Bäume stehen, soll eine zweite Schneise rechts neben der bestehenden geschlagen werden. Wird der vorzeitige Baubeginn genehmigt, will Tennet hier bereits mit der Montage von Mast 11 beginnen, dessen Größe und Ausrichtung aber eigentlich davon abhängen, ob der Wald überspannt wird oder nicht. Foto: Marion Nikol

Auch Thomas Müller, der den Bürgerverein im Stadtrat Burgkunstadt vertritt, rechnet mit einem weitaus größeren Schaden für das betroffene Waldstück: „Die jetzige Schneise ist 85 Meter breit, die neue Schneise soll 60 Meter breit werden. Dazwischen würde ein 30 Meter breiter Waldstreifen stehen bleiben. Dieser wird jedoch meiner Ansicht nach in spätestens zehn Jahren nicht mehr existieren. Ob durch Sturm, die neue exponierte Lage, Sonnenbrand oder Borkenkäferbefall – jeder der sich mit Wald auskennt, geht davon aus, dass das Zwischenstück nicht überlebt und somit insgesamt mehr Wald auf der Strecke bleibt als uns bislang vom Vorhabenträger suggeriert wird. Bei der Bevölkerung stoßen die bisherigen Pläne für diesen Abschnitt der Trasse deshalb auf völliges Unverständnis.“

Aufforstung geplant, Kompensation fraglich

Tennet wiederum geht davon aus, „dass nach Abschluss des Projekts im Bereich zwischen den Masten 8 und 10 voraussichtlich mehr Wald vorhanden sein wird, als dies vor dem Bau des neuen Ostbayernrings der Fall war“, so Markus Kretzler. Der Grund: Der alte Ostbayernring soll nach Inbetriebnahme der neuen Trasse vollständig zurückgebaut und die Schneise vollständig aufgeforstet werden. Laut aktuellem Zeitplan ist der Rückbau bis zum Jahr 2026 vorgesehen, das ökologische Trassenmanagement und damit auch die Aufforstungsmaßnahmen sollen ein Jahr frühe, also 2025 starten.

Nadelwald mit über 80 Jahre alten Bäumen

Jochen Körner und Thomas Müller, die Mandatsträger aus Redwitz und Burgkunstadt, weisen in diesem Zusammenhang allerdings darauf hin, dass es sich bei dem Waldstück, das der neuen Trasse zum Opfer fallen würde, um Nadelwälder alter Ausprägung mit über 80 Jahre alten Bäumen handelt. „Selbst wenn Tennet ab dem Jahr 2025 die alte Trasse aufforstet, so gehen dennoch über zwei Hektar wertvoller Wald verloren. Das kompensiert sich durch die geplante Aufforstung doch erst in fünfzig Jahren,“ führt Thomas Müller an.

Er erhält Zuspruch von seinem Redwitzer Kollegen Jochen Körner, der sich abschließend mit einem Appell an alle Kommunalpolitiker wendet: „Ich kann Sie nur alle auffordern, sich stets vehement gegen eine Vernichtung von Wäldern und Zerstörung dieses kostbaren Ökosystems in unserem Landkreis auszusprechen.“

 

Von Marion Nikol

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