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MANNSGEREUTH

Einmal längs durch Deutschland als Lebensaufgabe

Einmal längs durch Deutschland als Lebensaufgabe
Auf endlosen Weiten führt der Wanderweg E1 durch den Kraichgau. Foto: Heinz Fischer

Fast 30 Jahre ist es her, da hatten ein paar wanderfreudige junge Burschen aus Mannsgereuth und Umgebung die Idee, Deutschland von Norden nach Süden auf dem Europa-Wanderweg „E1“ zu durchqueren. Das große Abenteuer begann an der dänischen Grenze bei Flensburg. Seitdem wird Jahr für Jahr eine Etappe mit drei bis vier Tagesmärschen absolviert.

Hamburg, Hameln, das Sauerland, Koblenz, Frankfurt und der Odenwald waren einige von vielen Stationen auf dem Weg durch die Republik.

Heuer nun, alle Akteure schon im reiferen Alter, stand die Tour durch den Kraichgau beziehungsweise die Kurpfalz an. Diesmal gab es zwei Absagen aus terminlichen und gesundheitlichen Gründen, so dass man sich zu viert unter Leitung von Organisator und Streckenplaner Roland Oppel auf den Weg machte.

Vom Neckarufer bei Heidelberg startete das Wanderer-Quartett zur ersten Tagesetappe. Diese erwies sich gleich als die Schwierigste, ging es doch vom Stand aus unmittelbar satte 370 Höhenmeter hinauf in den Kraichgau. Zwischenstopp war der Bärenbrunnen bei Gaiberg, dessem Wasser gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt wird, gleichwohl die Kommune ausdrücklich darauf hinweist, dass dies kein Trinkwasser sei. Gauangelloch lautete das Tagesziel, gut 13 Kilometer hatte man bis dahin zurückgelegt.

An den süßen Trauben für die Spätlese genascht

Durch lichte Laubwälder und endlose Maisfelder ging es am nächsten Tag bei herrlichem Frühherbst-Wetter. Dieses sollte den vier Freunden auch die nächsten Tage erhalten bleiben. Bei den ersten Weinbergen standen noch einige Stöcke mit zuckersüßen Früchten für die Spätlese. Klar, dass hier keiner widerstehen konnte und die eine oder andere Traube genascht wurde. Abends kam man nach 16 Kilomeetern im kleinen Städtchen Mühlhausen an.

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Weinberge entlang der Strecke verführen zum Traubennaschen. Foto: red

Der dritte Tag führte die kleine Gruppe wieder durch Wald und Feld nach Östringen. Hier kamen die Wanderer am Brunnen der Schwefelquelle vorbei. Allein der äußerst strenge Geruch des Heilwassers nach faulen Eiern hinderte sie an der Verkostung. „Hoffentlich wird davon kein Bier gebraut“, befürchtete Wanderfreund Rainer Knaak. Eine Einkehr in Östringen zerstreute diese Bedenken. Der Weg ging weiter bis zum Tagesziel Odenheim, ein 3700-Seelen-Dorf im Landkreis Karlsruhe mit einer wunderschönen Kirche und einem ebenso bemerkenswerten Rathaus. Weitere 15 Kilometer waren geschafft.

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Am Bärenbrunnen bei Gaiberg: (v. li.) Rainer Knaak, Roland Oppel, Peter Lang und Heinz Fischer. Foto: red

Endziel Gochsheim nach fast 60 Kilometern erreicht

Der letzte Wandertag: Abermals von Weinbergen flankiert führte die Route weiter durch den Kraichgau über Münzesheim nach Gochsheim. Charakteristisch diesmal die eigentümlich geformten, für den Kraichgau aber typischen Hohlwege, die die Wanderer durchschritten. Gochsheim, mit seinen engen Gassen und schönen Fachwerkhäusern wurde durchquert. Nachdem weitere 14 Kilometer absolviert waren, hatte man nicht ganz sechzig Kilometer geschafft.

Im nächsten Jahr soll es dann in Gochsheim weitergehen in Richtung Pforzheim und dann über die schwäbische Alb. Spätestens im Jahr 2026 wollen die Wanderfreunde dann am Endziel sein, an der Schweizer Grenze bei Konstanz. Eine Lebensaufgabe für die Truppe aus Mannsgereuth – im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Von Heinz Fischer

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