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MICHELAU

Diakonie sucht Grundstück für Seniorenheim in Michelau

Karin Pfadenhauer, Geschäftsführender Vorstand des Diakonischen Werks Kronach-Ludwigsstadt/Michelau (li.), und Dekanin Stefanie Ott-Frühwald im Garten des Katharina-von-Bora-Seniorenwohnhauses in Michelau. Sie suchen dringend ein Grundstück für einen Ersatzneubau des Hauses. Foto: Annette Körber

Eigentlich würden sie am liebsten bleiben. „Einfach noch einen Gebäuderiegel dran bauen, das wär's“, sagt Stefanie Ott-Frühwald und seufzt. Die Dekanin sitzt zusammen mit Karin Pfadenhauer im Katharina-von-Bora-Seniorenwohnhaus am Kaffeetisch. Pfadenhauer ist Geschäftsführende Vorständin des Diakonischen Werks der evangelisch-lutherischen Dekanatsbezirke Kronach-Ludwigstadt/Michelau. Die Diakonie sucht seit Jahren ein Grundstück für einen Ersatzneubau. Mittlerweile ist es dringend.

2011 trat die Ausführungsverordnung zum Pflegewohnqualitätsgesetz in Kraft. Das Katharina-von-Bora-Seniorenwohnhaus, das 1989 den Betrieb aufnahm, konnte den darin festgelegten Ansprüchen nicht genügen. Ab 2013 hat die Diakonie deshalb umfangreiche Baumaßnahmen umgesetzt: allein 430 000 Euro wurden für den Brandschutz ausgegeben; zudem wurden rollstuhlgerechte Einzelzimmer geschaffen. Aber das alles reichte nicht.

Im September 2017 erhielt die Diakonie einen Bescheid der Heimaufsicht. Demnach, so erklärt Karin Pfadenhauer, müsste das Katharina-von-Bora-Heim 75 Prozent der Zimmer als Einzel- und R-Zimmer vorhalten. R-Zimmer sind Zimmer für Rollstuhlfahrer und -fahrerinnen, die genügend Fläche zum Rangieren bieten müssen. Dafür reiche die Raumgröße nicht aus, erklärt Stefanie Ott-Frühwald. Und: Das Haus verfügt derzeit nur über etwa 50 Prozent der geforderten Einzelzimmer.

Einzelzimmer werden auch für Quarantänefälle benötigt

Die Pandemie habe noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie dringend diese gebraucht werden. Auch wenn es in dem Michelauer Heim bisher keinen einzigen Corona-Fall gegeben hat, wie die Dekanin voller Freude betont. Pfadenhauer lächelt. „Wir haben hier Top-Personal“, lobt sie. Mit diesen Beschäftigten möchte sie auch umziehen – wenn es denn endlich möglich ist.

Denn das bestehende Haus einfach ertüchtigen, wie es den Verantwortlichen am liebsten wäre, geht nicht, das hat sich nach eingehender Prüfung aller Fakten herausgestellt. Die Statik macht das nicht mit; der Platz reicht auch nicht. Also muss neu gebaut werden, aber wo?

„Wir brauchen 3500 bis 4500 Quadratmeter, um das Pflegewohnqualitätsgesetz umsetzen zu können“, erklärt Pfadenhauer. Einberechnet ist hierbei nicht nur, was für das Gebäude selbst benötigt wird, sondern auch Parkplätze, Brand- und Rettungswege und natürlich auch eine entsprechende Gartenanlage. Die Qualitätsansprüche seien hoch: „Wir wollen ein Heim bauen, in das wir selbst auch einziehen würden, wenn es mal so weit ist“, bekräftigt Pfadenhauer.

„Wir wollen ein Heim bauen, in das wir selbst auch einziehen würden, wenn es mal so weit ist.“

Karin Pfadenhauer, Vorstand des Diakonischen Werks

Wenn man mit den beiden Frauen spricht, wird eines klar: Eigentlich hängt ihr Herz am alten Haus. Es liege einfach ideal, neben dem Kindergarten und gegenüber dem Gemeindezentrum, dazwischen der Platz unter den Platanen, auf dem Gemeindefeste und Gottesdienste gefeiert werden. So werden die Bewohnerinnen und Bewohner ganz selbstverständlich ins Gemeindeleben eingebunden. „Oft ist so ein Heim oft separiert, jeder ist froh, dass er nichts damit zu tun hat. Hier in Michelau ist das anders“, erklärt Ott-Frühwald.

Kirche, Supermärkte, Ärzte, Apotheken sind fußläufig erreichbar. Und auf der anderen Seite der Neuenseer Straße liegt der Friedhof. Auch das ist ganz wichtig für die Bewohner und Bewohnerinnen des Hauses, die gern die Gräber lieber Angehöriger besuchen. Wenn nun schon ein neuer Standort gebraucht wird, so soll er doch in Michelau sein. „Wir wollen unbedingt hier bleiben“, betont die Dekanin. Nicht nur, weil viele Bewohnerinnen und Bewohner aus der Gemeinde kommen, sondern auch wegen der guten Infrastruktur und Topographie: In Michelau ist alles flach und damit auch für Menschen mit Rollator gut zu bewältigen.

Betreutes Wohnen und Tagespflege im alten Haus

Das Sommerfest des Katharina-von-Bora-Seniorenheims mit der Schwürbitzer Blasmusik hat schon Tradition und ist nur ein Beispiel dafür, wie gut das Heim ins gesellschaftliche Leben in Michelau integriert ist.

Das alte Haus soll auch nicht ungenutzt bleiben, ist es doch baulich gut in Schuss und technisch auf dem neuesten Stand, sagt Karin Pfadenhauer. Ideen gäbe es genug, etwa betreutes Wohnen und eine Tagespflege. Beides existiert in der Korbmachergemeinde noch nicht. Auch die Diakoniestation und die Beratungsstelle der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit könnten in dem Gebäude einziehen.

Auf der Suche nach einem Grundstück hat Pfadenhauer mittlerweile unzählige Gespräche mit potenziellen Verkäufern in Michelau geführt. „Dem Aufsichtsrat ist sehr bewusst, was der Vorstand hier schon seit Jahren leistet“, würdigt die Dekanin. Woran die Gespräche scheiterten, kann Karin Pfadenhauer schnell zusammenfassen: Das angebotene Grundstück war zu klein. Oder es lag im Gewerbegebiet, wo die Diakonie nicht bauen darf. Oder es war so bebaut, dass immense Abbruchkosten angefallen wären. Oder die Eigentümer wollten zum jetzigen Zeitpunkt nicht verkaufen.

Ott-Frühwald kann das schon verstehen angesichts der aktuellen Zinslage. Aber dafür bietet die Kommunalverwaltung eine Lösung: Wer nicht verkaufen, sondern tauschen möchte, kann von der Gemeinde Ausgleichsflächen bekommen. Denn auch Bürgermeister Jochen Weber liegt am Herzen, dass das Heim in Michelau bleibt. „Kampflos geben wir nicht auf“, sagt er.

„Normalerweise ist so ein Heim oft separiert, jeder ist froh, dass er nichts damit zu tun hat. Hier in Michelau ist das anders.“
Stefanie Ott-Frühwald, Dekanin

„Wenn jemand sagen täte, er hätte 4000 Quadratmeter Wiesenfläche in Michelau und würde sie gegen die gleiche Größe außerhalb tauschen – das wäre schön“, wünscht sich Weber. „Wer was weiß, soll sich bitte melden. Wir sind wirklich auf die Mithilfe der Leute angewiesen“, appelliert er an alle. Dem schließen sich Stefanie Ott-Frühwald und Karin Pfadenhauer an. Auch das ist für sie übrigens – neben dem guten Zusammenwirken von Kirche und Diakonie vor Ort – ein Argument für den Standort: die tatkräftige Unterstützung durch die Gemeinde Michelau.

„Wir haben nicht mehr viel Zeit“, merkt die Dekanin schließlich an: Bis September 2022 muss die Diakonie dem Landratsamt die Pläne für den Neubau vorlegen, bis 2027 muss das Haus fertig sein. Sollten sie also nicht bald ein brauchbares Grundstück finden, „sind wir wirklich gezwungen, andere Möglichkeiten außerhalb von Michelau zu prüfen“. Und dann hätte die Korbmachergemeinde kein eigenes Seniorenwohnheim mehr.

Von Annette Körber

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