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MARKTGRAITZ

Keine Fraktion hat in Marktgraitz mehr die Mehrheit

Dass die SPD wieder im Gemeinderat vertreten ist, findet Bürgermeister Jochen Partheymüller (FW/BB) gut für die Demokratie. Foto: Till Mayer

In Marktgraitz gibt es ein Comeback einer Traditionspartei. Die SPD ist wieder im Gremium vertreten. Gleich mit zwei Sitzen zieht sie wieder in das kommunale Parlament ein. CSU und Freie Wähler/Bürgerblock verlieren paritätisch je einen Sitz an die Sozialdemokraten, die aus dem Stand 13,0 Prozent holen. Die CSU sinkt von 48,6 Prozent (2014) auf 42,6 Prozent und Freie Wähler/Bürgerblock (FW/BB) von 51,4 Prozent auf 44,4 Prozent. FW/BB, die Wählergruppierung, der auch der wiedergewählte Erste Bürgermeister Jochen Partheymüller angehört, bleibt stärkste Fraktion, verliert aber ihre Mehrheit – auch wenn die Stimme des Gemeindeoberhauptes dazu gezählt wird.

Partheymüller sieht den Mehrheitsverlust am Telefon eher entspannt. „Für die Demokratie ist eine dritte Kraft im Gemeinderat sicherlich gut. Ich freu mich, dass die Traditionspartei SPD wieder im Gremium vertreten ist.“ Der Verlust der Mehrheit scheint den Bürgermeister nicht schwer zu treffen: „Wir hatten unsere Mehrheit nie ausgespielt. Der Marktgraitzer Gemeinderat lebt von guter Zusammenarbeit. Und so soll es bleiben.“ Achim Gagel, der zwölf Jahre für FW/BB im Gremium saß, hat sein Mandat verloren. „Das bedauere ich natürlich sehr“, erklärte Partheymüller gegenüber dieser Redaktion. In bester Stimmung ist Nathalie Grammon, als bei ihr der Anruf der Redaktion eingeht. „Ich bin völlig platt. Wir Sozialdemokraten hatten auf einen Sitz gehofft, jetzt sind es sogar zwei“, sagt sie. Damit ist auch das Ende der Vakanz der SPD im Gemeinderat gekommen. Zusammen mit Stefan Stumpf wird sie bald im Kommunalparlament Platz nehmen.

„Als ich die Ergebnisse gegen 22 Uhr erfahren habe, konnte ich es kaum glauben.“
Nathalie Grammon, SPD

„Als ich die Ergebnisse gegen 22 Uhr erfahren habe, konnte ich es kaum glauben. Ich habe mich riesig gefreut“, erklärt sie. Die frischgewählte Gemeinderätin war auch als Außenseiterin bei der Bürgermeisterwahl angetreten. Zehn Prozent war ihre Zielmarke, die sie mit 9,9 Prozent hauchdünn verfehlte. Ohne die Sozialdemokraten hat keine der beiden großen Fraktionen eine Mehrheit im Gremium. „Wir setzen auf gute Zusammenarbeit und Kompromisse“, erklärt Nathalie Grammon. Die Sozialdemokraten sind nun mit ihren zwei Sitzen das Zünglein an der Wage. Beibehalten will Grammon auf jeden Fall die SPD-Stammtische. Ein Fernziel gibt es auch: Die Wiederbelebung des SPD-Ortsvereins. Bisher gehören die Marktgraitzer zu Redwitz. Dass der politische Mitbewerber Freie Wähler/Bürgerblock mit Einberechnung der Stimme des Bürgermeisters seine Mehrheit im Gemeinderat verloren hat, sieht Tanja Beier (CSU) natürlich positiv. „Schlecht finde ich es nicht“, erklärte sie am Telefon gegenüber dieser Redaktion. Knapp war die Christsoziale Union daran gescheitert, den Amtsinhaber in die Stichwahl zu zwingen.

„Jetzt ist es natürlich wichtig, wie sich die SPD positioniert.“
Tanja Beier, CSU

Dass Mitstreiterin Christa Schlawne nun nur Nachrückerin ist, das schmerzt die Kommunalpolitikerin natürlich sehr. Dass Kerstin Röling als Newcomerin das Vertrauen der Wähler fand, sieht sie als positiv an. „Jetzt ist es natürlich wichtig, wie sich die SPD positioniert“, erklärt Tanja Beier. Der Marktgraitzer Gemeinderat ist eher als ein Ort der Kooperation als ein Schlangennest bekannt. Die Karten sind neu gemischt. Eines versprechen alle drei Vertreterinnen und der Vertreter: Auch im neuen Gremium soll die Zusammenarbeit Priorität haben.

Tabellen mit der Aufschlüsselung der Ergebnisse nach Kandidaten und Stimmbezirken gibt es in den nächsten Tagen.

Der neue Gemeinderat

CSU: Richard Geßlein, Tanja Beier, Uwe Bornschlegel, Georg Bülling und Kerstin Röling. SPD: Nathalie Grammon und Stefan Stumpf. Freie Wähler Bürgerblock: Jochen Partheymüller, Jörg Partheymüller, Sascha Partheymüller, Anton Hügerich und Matthias Partheymüller.
 

Von Till Mayer

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