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MARKTGRAITZ

Marktgraitzer Kandidaten: Straßen nur mit Zuschuss sanieren

Die Bürgermeisterkandidaten streben eine Sanierung der maroden Steinachstraße an. Allerdings ist laut Rathauschef Jochen Partheymüller trotz Zuschüssen noch ein Eigenanteil von 1,5 Millionen Euro dafür fällig.Archivfoto: Roland Dietz Foto: Roland Dietz

Im Rahmen der Berichterstattung zur Kommunalwahl am 15. März stellt diese Redaktion den Bürgermeisterkandidatinnen Tanja Beier (CSU), Nathalie Grammon (SPD) sowie Amtsinhaber Jochen Partheymüller (BB-FW) sieben Fragen, mit welchen Lösungen sie in den kommenden sechs Jahren die Gemeinde gestalten wollen. Im zweiten Teil beantworten die Bewerber um das Bürgermeisteramt folgende Fragen:

• 1. Wie wollen Sie die Wirtschaftskraft ihrer Gemeinde stärken, mehr Arbeitsplätze schaffen und damit auch höhere Steuereinnahmen generieren?

• 2. Welche Infrastrukturmaßnahmen, wie Straßensanierungen, Breitbandausbau, Kita- oder Schulrenovierungen möchten Sie in den kommenden Jahren in Angriff nehmen?

Jochen Partheymüller (BB-FW)

Jochen Partheymüller (BB-FW). Foto: Red

• Zu 1: „Bei Steuereinnahmen denken die meisten zunächst an die Gewerbesteuer. Allerdings bleiben von der, von den Unternehmen gezahlten Gewerbeteuer, lediglich zirka 27 Prozent in der Gemeinde. Der Rest – rund 73 Prozent – wandert in staatliche Hände. Die Einkommenssteuerbeteiligung ist in Marktgraitz die Haupteinnahmequelle. Also ein Anteil auf die Steuer, die alle steuerpflichtigen Marktgraitzer auf ihr Einkommen zahlen müssen. In Marktgraitz liegt die Einkommensteuerbeteiligung bei aktuell 574 580 Euro im Jahr, während die Gewerbesteuerbeteiligung bei 192 811 Euro in Jahr liegt. Für eine Gemeinde wie Marktgraitz, die kaum Möglichkeiten hat, Gewerbegebiete auszuweisen, ist es also wichtig, die bestehenden Betriebe zu fördern, zu halten, leerstehende Gewerbebetriebe wieder zu aktivieren und gleichzeitig möglichst viele steuerzahlende Einwohner nach Marktgraitz zu bekommen.

Das heißt für uns konkret, dass wir unsere Infrastruktur und unseren Ort allgemein möglichst attraktiv für unsere Bürger gestalten, um so auch neue Zuzügler zu gewinnen.“

• Zu 2: „Beim Breitbandausbau sind wir sehr gut aufgestellt. Wir haben bereits seit 2010 schnelles Internet im gesamten Gemeindegebiet und haben seitdem jede lukrative Fördermöglichkeit genutzt, um dieses sehr gute Netz weiter auszubauen beziehungsweise noch schneller zu machen. Sobald hier wieder hohe Förderkonditionen über 80 Prozent abzugreifen sind, sind wir dabei. Unsere Kindertagestätte mit Kinderkrippe ist auf modernsten Stand und über den Schulverband, dem wir angehören, fördern wir unseren Schulstandort im benachbarten Redwitz. Auch bei den Straßensanierungen haben wir in den vergangenen 24 Jahren viel getan. Eine Sanierung der Steinachstraße inklusive neuem Kanal würde für uns trotz Förderung bei aktueller Förderkulisse einen Eigenanteil von zirka 1,5 Millionen Euro oder mehr bedeuten. Das ist uns zu viel. Hier warten wir nun auf eine Erhöhung der Förderkonditionen, um die anstehenden Straßensanierungen mit möglichst viel Fördergeld zu realisieren. Was zurzeit sehr gut gefördert wird, sind Maßnahmen zur Ortskernbelebung. Diese wollen wir nutzen, um unseren Marktplatz zu aktivieren und einen Dorfladen zu installieren.“

Tanja Beier (CSU):

• Zu 1: „Ich als Bürgermeisterin möchte unbürokratischer Ansprechpartner für Gewerbetreibende und Vermittler zwischen Eigentümer und Interessent leerstehenden Firmengebäuden sein. Außerdem haben wir noch die Möglichkeit weitere Gewerbe- und Industriefläche auszuweisen.“

Tanja Beier (CSU). Foto: Red

• Zu 2: „Straßensanierungen sind in naher Zukunft dringend erforderlich. Gerade unsere Johannesstraße, Keltenstraße und Steinachstraße sind in sehr schlechtem Zustand. Mit dem Breitbandausbau in Marktgraitz liegen wir mit an der Spitze im Landkreis. Wir haben bereits in fast allen Gebäuden eine Geschwindigkeit von 30Mbit. Jedoch wird die Zukunft der Ausbau mit Glasfaser in jedes Haus sein. Daher müssen wir auf geeignete Förderprogramme in den nächsten Jahren warten, um dies zu realisieren.“

Nathalie Grammon (SPD)

• Zu 1: „Die Zauberworte sind hier Werbung, Werbung und nochmals Werbung. Bald wird die B 173 vierspurig bis Redwitz ausgebaut sein. Das könnte ein attraktiver Standortvorteil sein. Der Anschluss an das Fernverkehrsnetz ist dann lediglich einen Kilometer von Marktgraitz entfernt. Man muss Unternehmen davon überzeugen, dass es sich in Marktgraitz und Umgebung gut arbeiten und leben lässt. Wir müssen auch über unseren Schatten springen und die vorhandene Infrastruktur in den umliegenden Gemeinden mit als Werbung für uns anbringen. Von Marktgraitz aus ist es zum Beispiel nicht weiter zum Einkausmarkt, den Ärzten, Zahnärzten und der Apotheke in Redwitz als von der Redwitzer Siedlung aus.“

Nathalie Grammon (SPD). Foto: Red

• Zu 2: „Trotz klammer Kassen in Marktgraitz müssen die Straßen mit Bedacht saniert werden. Es ist wie mit einem alten Gebäude. Wenn der Verfall einmal weit voran geschritten ist, wird eine Sanierung nur noch teurer. Das Breitbandnetz ist bereits gut ausgebaut, hier sehe ich keinen Handlungsbedarf. Das Vorhaben der einfachen Dorferneuerung kann ich nur voll unterstützen. Ein gutes Beispiel ist der Marktplatz von Redwitz. Als dort die Städtebauförderung anlief, haben sich einige Anlieger am Marktplatz entschlossen ihre Häuser zu verschönern. Das sollte auch in Marktgraitz möglich sein.“

Weitere Artikel zur Kommunalwahl gibt es unter www.obermain.de.

Von Steffen Huber

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