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REDWITZ

Gesundheitsministerin Melanie Huml in Redwitz

Gesundheitsministerin Melanie Huml in Redwitz
Bürgermeisterkanditat Christian Zorn (CSU), diebayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml, MdL (CSU), Dr. Steffen Coburger (AWO Sozialzentrum), Bürgermeister Christian Mrosek (CSU) und MdB Emmi Zeulner (v.li.). Foto: Karin Sträßner

„Die Bratwürste sind gut in Redwitz!“ So wollte Bürgermeister Christian Mrosek (CSU) Hausärzte zum Eröffnen einer Praxis in seiner Gemeinde bewegen. Auf Einladung von Bürgermeisterkanditaten Christian Zorn (CSU) war Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) ins AWO-Sozialzentrum Redwitz gekommen.

Um die längerfristige Versorgung von Patienten auf dem Land zu gewährleisten, habe man in Bayern die „Landarztquote“ eingeführt und rund 100 Studienplätze reserviert. Dies stelle eine Chance für Abiturienten dar, die ein nicht so gutes Abitur hätten, und sonst keine Möglichkeit sähen, Medizin zu studieren. Die Voraussetzungen sind ein Medizinertest, die Tätigkeit in einem Gesundheitsberuf, die Ausübung eines Ehrenamtes und ein Auswahlgespräch. Der künftige Medizinstudent müsse sich dafür zehn Jahre verpflichten, als Hausarzt in einer Region zu arbeiten, die medizinisch unterversorgt oder davon bedroht ist.

Bürgermeisterkanditat Christian Zorn findet die Anzahl der aktuell praktizierenden Hausärzte zwar in Ordnung, doch wolle er für die Zukunft vorsorgen. Schließlich würden zwei Hausärzte in absehbarer Zeit aufhören. Wie sich aber durch die anwesende Dr. Kaltenecker herausstellte, hätte ihre Tochter Interesse, die Praxis weiterzuführen. Zu einer besseren medizinischen Versorgung trage auch der „Medizincampus Bayreuth“ bei. In Zusammenarbeit mit der Universität Erlangen-Nürnberg könne künftig in Bayreuth ab dem fünften Semester Medizin studiert werden.

Die Digitalisierung soll jetzt helfen

Dies solle junge Ärzte in die Region bringen und unter anderem dank einer Niederlassungsförderung zum Bleiben ermuntern. Im Ministerium gäbe es auch ein Kommunalbüro, welches die Gemeinden beraten und unterstützen würde. Die Digitalisierung steigere die Effektivität der medizinischen Versorgung. In Wallenfels gäbe es bereits ein Seniorenheim, welches an hausärztliche Praxen angeschlossen sei. So könne der Patient per Videoschalte mit dem Hausarzt sprechen. Diesem läge dann bereits die elektronische Krankenakte vor.

Gleiche Chancen für alle

Melanie Huml betonte, dass der Mediziner den Patienten trotzdem kennen müsse. Die Telemedizin solle die herkömmlichen Arztbesuche nicht komplett ersetzen, aber unterstützen. Dies spare dem Arzt Fahrtzeit, die er dann für den nächsten Patienten sinnvoll nutzen könne. Die Gesundheitsministerin ging auch auf die Chancengleichheit in Bayern ein. Sowohl in den Ballungsräumen, als auch auf dem Land müssen die gleichen Bedingungen (beispielsweise Infrastruktur mit schnellem Internet) geschaffen werden. Huml bekräftige, dass nicht alles gleich sein müsse, aber die Chancen überall gleichwertig sein müssen.

Ein Sommerfest für Azubis in der Pflege

Gesundheitsministerin Melanie Huml in Redwitz
Gesundheitsministerin Melanie Huml (Mitte) im Gespräch mit Bürgermeisterkandidat Christian Zorn (CSU) und Emmi Zeulner (CSU). Foto: Karin Sträßner

Die vom Bund eingeführte generalistische Pflegeausbildung werde zwar oft kritisch gesehen. Die Gesundheitsministerin meinte jedoch, dass ein Auszubildender, der sich für die Krankenpflege interessiere, eventuell dann doch in der Altenpflege bleiben würde. Viele Männer seien etwa über den Zivildienst in der Pflege gelandet. Sie wandte sich auch ausdrücklich an die Kommunen. Sie sollen die Pflegekräfte wertschätzen. Sie empfahl dem möglichen künftigen Bürgermeister beispielsweise durch ein Sommerfest für Azubis in der Pflege einen Anreiz zu schaffen. Es gäbe auch ein Förderprogramm für sozialen Nahraum. So solle das Seniorenheim eine Stätte der Begegnung sein. Dies stelle einen Mehrwert für die gesamte Kommune dar.

Christian Zorn erläuterte kurz die geographischen und wirtschaftlichen Details von Redwitz. Ein Anliegen von ihm ist, dass sich alle Bürger in Redwitz wohlfühlen und stolz sagen können: „Das ist meine Heimat, da lebe ich gerne!“ Das AWO-Sozialzentrum Redwitz wurde 1976 mit Geld aus einer Erbschaft des ehemaligen Einwohners Herrn Weberpals, gegründet. Dr. Steffen Coburger vom AWO-Sozialzentrum ist stolz auf das moderne Sozialzentrum. Sein Haus biete Wohngruppen, Tagespflege, ambulanten Pflegedienst und einen offenen Mittagstisch. Sein Ziel ist es, die vollstationäre Pflege zu vermeiden oder wenigstens hinauszuzögern. Mit den 100 Mitarbeitern stelle sein Haus sieben Prozent der Arbeitsplätze in Redwitz. Schade fände er, dass durch immer höhere Eigenanteile das Armutsrisiko für ältere Menschen steige.

Eine Koordinationsstelle für Senioren an

Dr. Kaltenecker regte eine Koordinationsstelle für Senioren an. Emmi Zeulner , MdB (CSU), erläuterte, dass ein sogenanntes „Case- und Caremanagement“ (individuelle Beratung und Begleitung sowie Strukturentwicklung und Vernetzung ) eine Perspektive sein muss. Melanie Huml erläuterte auch, dass, wenn in einem Altenheim etwas schieflaufe, dies nicht für alle Heime gälte. Sie meinte auch, dass es in der Pflegeversicherung einen Bundeszuschuss geben müsse (im Gegensatz zur Renten- und Krankenversicherung). Sie setze sich auch für wenigstens eine Übernachtungsmöglichkeit in der Woche bei der Tagespflege ein.

Von Karin Sträßner

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