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HOCHSTADT / MARKTZEULN

Sportfischer nehmen keine neuen Mitglieder mehr auf

Die Sportfischer Hochstadt-Marktzeuln nehmen bis 2025 keine neuen Mitglieder mehr auf: Der Druck auf den Fischbestand ist zu groß. Foto: A3419 Stefan Puchner (dpa)

Bei der Jahresversammlung der Sportfischer teilte Vorsitzender Dieter Geyer mit, dass der Vorstand einen sofortigen Mitgliederstopp bis einschließlich 31. Dezember 2025 beschlossen hat. Ausgenommen sind Jugendliche bis 14 Jahre.

Geyer erklärte den Mitgliedern, wie stark der Fischbestand unter Druck geraten ist – bedingt durch das Artensterben, die Hitze und die Trockenheit sowie Arzneimittelrückstände im Wasser. Deshalb könne das Kontingent an Jahreskarten nicht erhöht werden. Die Jahreskarten für 2020 seien sofort vergriffen gewesen. Dies habe zu dem Vorstandsbeschluss geführt.

Zu viele Arzneimittelrückstände in Flüssen und Seen

Besonders ausführlich ging der Vorsitzende auf das Problem von Arznei- beziehungsweise Medikamentenrückständen in Flüssen und Seen ein. In Deutschland würden jährlich etwa 30 000 Tonnen Arzneimittel verabreicht. Die Wirkstoffe könnten über die Einleitungen der Kläranlage in die Gewässer gelangen.

Tatsächlich würden Reste von Medikamenten inzwischen nahezu flächendeckend und ganzjährig in Fließgewässern, aber auch in Boden- und Grundwasserproben nachgewiesen. Insgesamt gehe es um mehr als 150 verschiedene Wirkstoffe. Als Beispiel griff Geyer Diclofenac heraus, das, rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich, in Form von Salben in Millionen Haushalten regelmäßig Verwendung findet. Der Stoff gelange beim Duschen von der Haut ins Abwasser. Er schade Fischen, Amphibien und Vögeln.

Regiomed-Klinikum behandelt Abwasser nicht separat

Dieter Geyer forderte Maßnahmen zur Minimierung dieser Einträge an der Quelle, etwa durch die separate Behandlung von Krankenhausabwässern. Im Juli 2018 wurde das Green Hospital in Lichtenfels eröffnet. Damals betonte der bayerische Gesundheits- und Umweltminister, dass das neue Krankenhaus einen Brückenschlag zwischen den Themen Gesundheit und Umwelt bilde.

Am 20. Januar dieses Jahres erfragte Geyer im Landratsamt, ob im Regiomed-Klinikum Krankenhausabwasser separat behandelt wird, und erhielt eine negative Antwort. Mit Test-Kläranlagen in kleintechnischem Maßstab seien bereits Versuche gemacht worden, Arzneimittel direkt am Krankenhaus aus dem Abwasser zu entfernen. Die Ergebnisse zeigten, dass dies technisch machbar, aber mit hohem Kostenaufwand verbunden ist. Die Eliminierung der Arzneimittelrückstände durch die vierte Klärstufe bei kommunalen Kläranlagen sei in der Regel effektiver, da hier auch Rückstände, die aus anderen Einleitungsorten kommen, eliminiert werden könnten.

„Es ist schlichtweg ein Skandal! Bitte nicht vergessen: Wir essen die Fische.“
Dieter Geyer, Vorsitzender der Sportfischer

Der Vorsitzende der Sportfischer: „Es gibt bei uns noch keine einzige Kläranlage im Landkreis mit Reinigungsstufe 4!“ Durch Wanderfische wie den Aal der Arzneimittelrückstände höchstwahrscheinlich auch aufnimmt, seien auch die Hochstadter von diesem Problem betroffen. Durch Hochwasser kämen Schadstoffe aus dem Main von oberhalb, etwa aus den drei Kliniken in Bayreuth, Wirsberg und Kulmbach dazu. Geyer kritisierte, dass die Landwirte immer mehr Auflagen bekommen, in Bayern aber bei Klinikneubauten keine separate Behandlung von Krankenhausabwässern vorgeschrieben ist, vom Kläranlagenausbau ganz zu schweigen. „Es ist schlichtweg ein Skandal! Bitte nicht vergessen: Wir essen die Fische.“

Artensterben und Sauerstoffmangel: Die Fische verhungern

Die Tiere stehen aber nicht nur deshalb unter Druck: Das Artensterben hat mittlerweile dramatische Auswirkungen auf die Fische in den Flüssen und Seen, da Insekten die wichtigste Nahrung bilden, führte der Vorsitzende aus. Vor allem Salmoniden, wie die Äsche oder die Bachforelle, fänden immer weniger bis fast keine natürliche Nahrung mehr.

Dazu kommt, dass das wärmer werdende Wasser weniger Sauerstoff aufnimmt, erklärte Geyer. Die Fische filterten dann sehr viel mehr Wasser durch ihre Kiemen, um so an mehr Sauerstoff zu gelangen. Dadurch hätten sie Stress, der immer größer werde, je weniger Sauerstoff sie haben. Und je mehr sie sich bewegen, umso mehr Sauerstoff bräuchten sie. Ein Teufelskreis: Der Kreislauf der Fische laufe auf Hochtouren und brauche immens viel Energie, und die könnten sie nur erzeugen, wenn sie viel fressen. Durch das Insektensterben gebe es aber weniger Futter. Die Folge: Fische verhungern.

Mit dem Verbot der Wasserentnahme ist zu rechnen

Sportfischer nehmen keine neuen Mitglieder mehr auf
Langjährige Mitglieder der Sportfischer ehrte Vorsitzender Dieter Geyer (li.). Foto: Werner Hauber

Die Trockenjahre seit 2014 hätten zudem zusammen mit der generell verringerten Grundwasserneubildung zu einem Rückgang des Grundwassers geführt. Die Niederschläge im Dezember und Januar reichten für eine Entspannung der Situation nicht aus. Der Vorsitzende verwies dazu auf aktuelle Daten der Messstelle Weidnitz. Auch der Hochstadter Baggersee werde unter anderem von Grundwasser gespeist. Geyer prophezeite, dass es auch heuer zu Wasserentnahmeverboten kommen wird.

2019 vor allem viele Waller und Weißfische gefangen

Für seine Rede erhielt der Vorsitzender Dieter Geyer langen Applaus, und viele blickten sehr nachdenklich drein. 2. Vorsitzender Thomas Wagner berichtete dann vom Seefest Highlight für den Verein. 2. Jugendleiter Frank Kellner verlas den Jahresbericht der 14-köpfigen Jugendgruppe. Schatzmeister Lothar Kuschel trug seinen sehr übersichtlichen Kassenbericht vor. Zum Angelkönig wurde Thorsten Wendel gekürt, zur 1. Ritterin Michaela Huber und zum 2. Ritter Peter Krause.

Gewässerwart Michael Geyer erläuterte den Betrieb der Umwälzpumpe, die ihren Strom aus der neu angeschafften Solaranlage bezieht. Die Investition in diese Anlage, die nicht ins Netz einspeist, kostete den Verein 30 000 Euro.

Die Fangergebnisse 2019 konnten sich sehen lassen. Auffallend ist, dass mehr Waller gefangen wurden. Auch nahm der Weißfischbestand enorm zu, was auf die fast ganzjährigen Umwälzung des Sees zurückzuführen ist. (red)

Ehrungen

Für zehn Jahre Mitgliedschaft: Kim Backert, Nico Friedlein, Stefan Holland, Alexander Kretz, Sascha Manzer, Jakob Rommel, Lucas Schmidt, Thomas Schnapp, Michael Skupin, Johannes Teuber, Stefan Ultsch, Klaus Wendler, Domonik Will und Frank Wittman. Für 25. Jahre: Albin Kaubert und Michael Geyer.

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