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OBERSDORF

Schiedsrichter Schlesinger will Bürgermeister werden

Fußballer, Trainer, Schiedsrichter, Vereinsvorsitzender: Bei SPD-Bürgermeisterkandidat Joachim Schlesinger aus Obersdorf dreht sich vieles um „König Fußball“. Foto: Markus Drossel

Das runde Leder ist seine große Leidenschaft, das Kicken hat weite Teile seines Lebens geprägt – und tut es noch immer. Joachim Schlesinger aus dem Hochstadter Ortsteil Obersdorf ist ein Fußballer durch und durch. Als „der Flohe“, benannt nach dem einstigen Mittelfeldstrategen des 1. FC Köln, ist der 51-Jährige weithin bekannt: früher als aktiver Kicker, noch immer als Schiedsrichter und als langjähriger 2. Vorsitzender der SpVgg Obersdorf. Seit sechs Jahren sitzt Schlesinger zudem im Gemeinderat. Für die kommende Legislaturperiode bewirbt er sich für die SPD gar um den Chefsessel.

Dass „Flohe“ Fußballer werden würde, war durch seine Familie vorbestimmt. Sein ganzes Fußballerleben trat sein Vater für die SpVgg Obersdorf gegen den Ball. Auch der Filius begann die Karriere dort, durchlief im Heimatort alle Jugendmannschaften (und bekam dort vom Vorsitzenden den besonderen Spitznamen) und lief auch im Herrenteam mit auf, ehe er mit 30 Lenzen für sechs Jahre Spielertrainer beim VfB Rothwind und bei der SG Roth-Main wurde. Später streifte er das Trikot wieder für Obersdorf über. Schlesinger war auf dem Grün „der echte Zehner“, also der Ballverteiler, der Stratege, der Macher. Zu seiner sportlichen Vita kommen zahlreiche Jahre als SpVgg-Jugendtrainer, von den G- bis zu den B-Junioren. Und seit 2014 der Vizevorsitz bei „seiner“ Spielvereinigung.

Früher in der Landesliga und in der Oberliga Hessen Spiele geleitet

„Ja, ich bin ein Fußballnarr“, gibt er unumwunden zu. Dazu gehört nicht nur, dass er glühender Verehrer des FC Bayern München ist und möglichst kein Bundesliga-Spiel des Rekordmeisters verpasst. Seit 35 Jahren gibt er als Schiedsrichter den Ton auf dem Platz an, war als Mann an der Seitenlinie sogar in der Landesliga sowie der Oberliga Hessen tätig. „Wichtig ist, von Anfang an das Spiel im Griff zu haben“, rät der erfahrene Spielleiter. Über 1000 Spiele hat er schon als Unparteiischer geführt. „Aber es gibt nicht nur ,den Schiedsrichter‘, sondern immer ein Schiedsrichtergespann. Als Schiedsrichter muss man teamfähig sein.“

Ein Herz und eine Seele: Joachim Schlesinger und seine Frau Daniela. Foto: red

Seine drei Kinder schafften es, „König Fußball“ den Stellenwert in seinem Leben streitig zu machen. Seit es die Tochter und die beiden Söhne gibt, mittlerweile allesamt erwachsen, tritt er zumindest etwas kürzer, ist als Schiedsrichter nur noch ein- bis zweimal die Woche aktiv. Stolz ist er, dass Filius Fabian mittlerweile selbst zur Pfeife greift. Und dass alle drei zumindest zeitweise Fußball gespielt haben. Sohn Markus beispielsweise ist Stammspieler in der ersten Garde der SpVgg. Wie der Vater früher auch.

Seit 35 Jahren ist Schlesinger darüber hinaus bei der Feuerwehr aktiv, spielte früher beim heimischen TTC Tischtennis, ist Mitglied in der Soldatenkameradschaft, bringt sich im Kapellenbauverein ein – und geht oftmals Sonntag nach dem Kirchenbesuch zum Schnauz-Stammtisch. Karteln am Sonntag, das ist so recht nach seinem Geschmack.

Als Unterstützung für den Einzelkämpfer im Gemeinderat

Joachim Schlesinger im Einsatz als Schiedsrichter beim Beachsoccer in Isling. Foto: privat

Es war sein Schulkollege Timo Natterer, der ihn vor sechs Jahren für die offene Gemeinderatsliste der SPD gewann. „Er war bis dato Einzelkämpfer und auf der Suche nach Unterstützung“, sagt Schlesinger. Dank seiner Bekanntheit schaffte es „Flohe“ auf Anhieb ins Gremium. Was Schlesinger, der seit zwei Jahren SPD-Mitglied ist, in der vergangenen Periode besonders gefiel: „Das angenehme, konstruktive Miteinander. Da war es egal, wer von welcher Partei war.“ Diesen Zusammenhalt würde er gerne beibehalten. Und als Bürgermeister gerne noch fördern. „Ich bin ein offener, ehrlicher und umgänglicher Mensch, der viele Ideen hat und vor allem im Team agieren möchte“, sagt er.

„Als Thomas Kneipp sagte, dass er nicht wieder antreten würde als Bürgermeister, ging ich zu unserem SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Harald Zeulner und brachte mich selbst ins Spiel. Weil ich das ein oder andere verändern möchte.“ Vor allem will Schlesinger für mehr Transparenz sorgen. „Viel zu viel wird im Gemeinderat leider in nichtöffentlicher Sitzung beraten. Das würde ich anders machen. Ich stehe für Offenheit, denn die Bürger müssen viel mehr erfahren.“ Dazu gehören für den 51-Jährigen auch regelmäßige Bürgerversammlungen und Bürgergespräche. „Man muss den Bürgern zuhören und sie anhören. Natürlich kann man es aber nie allen recht machen. Aber je mehr man auf die Leute zugeht, desto mehr kommt zurück.“

Mit Fingerspitzengefühl und Willensstärke

Auch die Sanierung der teils maroden Straßen und Gehwege in Hochstadt und den Gemeindeteilen ist dem Obersdorfer ein Anliegen. „Dieses Thema ist allzu lange vernachlässigt worden, mit dem Hinweis auf fehlendes Geld.“ Bei der Ortsumgehung ist sein Ziel, die Belastung für Bürger und Landwirtschaft so gering wie möglich zu halten. Fingerspitzengefühl und Willensstärke: Das hat sich „der Flohe“ auf die Fahnen geschrieben.

Joachim Schlesinger engagiert sich gern als Schiedsrichter, hier beim Beachsoccer in Isling. Foto: privat

Joachim Schlesinger ist gelernter Textilmaschinenmechaniker und war 30 Jahre als Musterbauer und Betriebsleiter in einem heimischen Schaumstoffunternehmen tätig. Als die Firma für immer ihre Tore schloss, wechselte der 51-Jährige„als Allrounder“ zu einer Hochstadter Firma für Beschläge und Werkzeuge. Vorbilder hat Schlesinger keine, zumindest nicht in der Politik. Nach etwas Überlegen nennt er seinen Vater als Vorbild. Warum? Weil auch er Fußballer und Schiedsrichter war. Und weil er sich durchsetzen konnte.

Weil die Bürgermeisterwahl eine Persönlichkeitswahl ist

Seine Chancen, am 15. März den Chefsessel des Rathauses übernehmen zu dürfen, sieht Joachim Schlesinger verhalten optimistisch. „Natürlich ist Hochstadt seit jeher von der CSU geprägt. Aber eine Kommunalwahl sollte keine Parteien-, sondern eine Persönlichkeitswahl sein. Das gilt für den Gemeinderat im Allgemeinen und für den Bürgermeister im Speziellen.“ Und Schlesinger würde nur allzu gerne im Mai die erste Gemeinderatssitzung des neuen Rates leiten.

Zur Person

• Geburtstag: 27. Juli 1968

• Erlernter Beruf: Textilmaschinenmechaniker

• Partei: seit zwei Jahren in der SPD

• Politik: Seit 2014 Gemeinderat in Hochstadt

• Hobbys: Fußball, Schiedsrichter, Wandern, Schnauzkarten

Von Markus Drossel

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