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REDWITZ

Karin Braun aus Redwitz und die Kraft der Kräuter

Karin Braun aus Redwitz und die Kraft der Kräuter
Am Hutweidsee in Redwitz findet Karin Braun Ruhe und kann Kraft für ihre vielen Kurse tanken. Foto: Tim Birkner

„Es war einmal ein Mädchen, das durch Wald und Wiese lief und nach Kräutern und Blumen suchte“, so fängt ihre Geschichte an. „Hier schnaufe ich durch“, sagt Karin Braun auf der alten Bank am Redwitzer Hutweidsee. Auf dem Weg zum Wasser findet sie Beifuß, dreht die Blätter um, damit man ihre silbrige Unterseite sehen kann. „Das mache ich mit Kindern gerne, zum Beispiel im Ferienprogramm“, erzählt sie. Dann zupfen sie gemeinsam Beifuß für den winterlichen Gänsebraten. Sie isst mit den Kindern Gänseblümchen – oder sie kocht Löwenzahn-Marmelade mit ihnen ein. „Mit Kindern muss es einfach und schnell gehen. Und sie brauchen etwas, was sie mit nach Hause nehmen können.“

Karin Braun nimmt von überall etwas mit nach Hause. Seien es Gedanken, Anregungen oder wieder einmal Grünzeug. Nach dem Beifuß greift sie in ein Brennnessel-Gebüsch. Sie weiß, wie man sie halten muss, damit sie nicht brennen. Die Kräuterfrau aus Redwitz zeigt die Brennnessel-Samen und die Rezepte für Küche oder Medizinschrank sprudeln nur so aus ihr heraus: „Sie schmecken nussartig und passen zum Beispiel in meine Kräuterbutter.“

Mit Bärlauch und Brennnesseln fing es an

Mit Bärlauch und Brennnesseln hat alles angefangen, als sie noch keine ausgebildete Kräuterkundige war, als sie noch in einer Arztpraxis gearbeitet hat, weil ihre Eltern verlangt hatten, dass sie sich „eine anständige Arbeit“ suchen solle. Als Kind schon suchte sie Kräuter, die auf Karten abgebildet waren – seit fünf Jahren ist sie nicht nur zurückgekehrt zu ihrer alten Leidenschaft, sie lebt auch von dem Wissen als Kräuterfrau.

Dafür gibt sie verschiedene Kurse: an der Umweltstation in Weismain, bei der Volkshochschule. Oder sie hält Vorträge bei Obst- und Gartenbauvereinen. „Viele meiner Teilnehmerinnen bringen sich in die Kurse ein, erzählen von ihren Hausrezepten“, sagt Braun. Eine Bäuerin verriet ihr: „Ich hätte nie gedacht, dass ich von einer Jüngeren noch etwas lernen kann.“ Doch, sie konnte es. Und die Kräuterfrau selbst lernt auch jedes Mal selbst dazu. Zum Beispiel wenn eine ehemalige Teilnehmerin in der Tür steht und Haferschlehe vorbeibringt.

Mit Gründlichkeit ans Werk

Dann muss sie selbst erst überlegen, was sie daraus macht. Nachdenken, kombinieren und vor allem viel ausprobieren – so geht Karin Braun vor. Ihr medizinisches Vorwissen und die dazugehörige Gründlichkeit helfen ihr dabei. Jedes Glas ist etikettiert, jeder Versuch dokumentiert.

„Ich trete der Natur heute noch viel dankbarer entgegen, als ich es früher getan habe“, sagt sie. Braun hat ein Auge auf das, was gleich um die Ecke wächst – man könnte sie in ein Gebüsch schubsen und sie käme mit einer ganzen Mahlzeit wieder raus. „Was da ist, wird verarbeitet“, so handelt sie.

Und wenn gerade ein Löwenzahn-Jahr ist und das vermeintliche Unkraut besonders gut und üppig wächst, dann legt sie die Stengel ein, kocht Marmelade aus den Blättern oder säubert und trocknet die Wurzeln, um sie zu mahlen. Das Pulver kann man dann wie einen Kaffee aufbrühen.

Oder sie kocht „Babbelstöck“-Suppe, wie der Löwenzahn von den Alten auch genannt wird. Vorneweg gibt es selbstge-machte Kräuterbutter: mit gehackten Brennnessel-Blättern, Malvenblüten und Kapuzienerkresse. Es kommt rein, was gerade da ist. Farbig, vitaminreich und gesund.

„Wir wollten alles neu

machen – das wäre genau falsch gewesen. Wir müssen der Natur Zeit geben, dann beschenkt sie uns.“

Karin Braun, Kräuterfrau

Mit Tee, Sirup und Kräutern stärkt sie ihr eigenes Immunsystem und zeigt allen, die es wissen möchten, wie sie das selbst tun können. „Die Engelwurz hat zum Beispiel eine starke Heilwirkung“, sagt sie. Oder sie mischt Thymian oder Latschenkiefer in Öle. Sie macht hier und da „mal schnell einen Auszug“ oder legt Weißdorn in Alkohol ein. „Eigentlich produziere ich für die Zeit, in der es nichts gibt.“

Doch wer mit ihr unterwegs ist, merkt, dass Karin Braun eigentlich immer etwas findet. „Dafür muss man die Natur in Ruhe lassen und eine gute Beobachterin sein.“ Auch das hat sie erst gelernt.

Ihr Mann sollte den neuen Garten umpflügen, während sie auf einer Wochenend-Fortbildung war. „Wir wollten alles neu machen – das wäre genau falsch gewesen. Wir müssen der Natur Zeit geben, dann beschenkt sie uns.“ Also rief Braun noch von ihrem Kurs aus zu Hause an und stoppte ihren Mann. Sie hatten weniger Arbeit – und mehr und vielfältigere Ernte. „Alles ist so geblieben, wie es war, wir haben Schafgarbe und Bärenklau und viele andere Kräuter jetzt in unserem Garten. Ich kann nur raten: Bitte keinen Rasen mähen. Dann wächst auch was.“

Auch die Öle, Pasten und Salben brauchen ihre Zeit. „Spitzwegerich schichte ich in ein sauberes Glas und übergieße ihn mit gutem Olivenöl“, sagt sie. Dann zieht er vier bis sechs Wochen. „Ich seihe ihn dann durch einen Kaffeefilter ab und verfestige ihn mit Bienenwachs.“ Fertig ist die Salbe.

Auch das Wissen wächst und gedeiht

Mit jeden neuen Kraut, mit jeder neuen Begegnung ist ihr Wissen gewachsen. Die Kräuterfrau gibt dieses Wissen in vielen Kursen weiter. Die neuesten sind „natürliche Körperpflege“ - hier geht es um selbst hergestellte Seifen und Shampoos – oder „Kochen mit Rote Bete“. Diesen Kurs bietet sie bei einer Selbsthilfegruppe an. Die Kraft der Natur dem Menschen zugänglich machen. Mit altem Wissen und Kräutern, die gleich vor der Türe wachsen, den Menschen stärken. Das ist ihr täglicher Antrieb. In dem Märchen, mit dem sie sich in Gruppen gerne vorstellt, endet das so: „...und die weise Kräuterfrau erzählt und kocht auch heute noch zufrieden.“

Karin Braun aus Redwitz und die Kraft der Kräuter
Irgendwo zwischen Franzosenkraut und Rosen zieht Karin Braun eine Gelbe Beete aus der Erde. Foto: Tim Birkner
Karin Braun aus Redwitz und die Kraft der Kräuter
In Karins Gärtla darf alles wachsen. Wer weiß wie, kann auch fast alles verarbeiten. Foto: Tim Birkner
Karin Braun aus Redwitz und die Kraft der Kräuter
Beifuß kommt mit in die Weihnachtsgans. Karin Braun lässt ihn gerne auch von Kindergruppen sammeln. Foto: Tim Birkner

Von Tim Birkner

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