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KÜPS

Entkernung an der Küpser Schloss-Remise schreitet voran

Entkernung an der Küpser Schloss-Remise schreitet voran
Machen sich ein Bild von den Umbauarbeiten: (v. li: Bürgermeister Bernd Rebhan (Mitte), Tragwerksplaner Johann Müller (re.) und Firmenchef Stefan Pfadenhauer Foto: Christian Ebertsch

Seit kurzem gehen die Rückbauarbeiten an der Remise des Oberen Schlosses in Küps in eine neue Runde. Bei einem Baustellentermin mit dem zuständigen Statiker Johann Müller vom Büro für angewandte Denkmalpflege aus Stettfeld konnte Bürgermeister Bernd Rebhan die Entkernungsarbeiten, die von der Baufirma Bauservice Pfadenhauer aus Wilhelmsthal vorgenommen werden, mit Firmenchef Stefan Pfadenhauer, in Augenschein nehmen.

Die aktuellen Arbeiten stellen den Rückbau sämtlicher neuzeitlicher Wand- und Installationseinbauten im Nebengebäude des Oberen Schlosses dar. Gerade in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war Wohnraum Mangelware. Dies führte dazu, dass insbesondere in den ehemaligen Stallräumlichkeiten des Erdgeschosses der Remise, die später als Kontor der Firma Gagel und Schemenau – die das Gebäude ehemals besaßen – genutzt wurden, diverse Unterteilungen vorgenommen wurden, um Platz für Wohnungssuchende zu schaffen.

Stuckverzierte Decken im ersten Stock

Auch im ersten Stock des Anbaues, der seine stuckverzierten Decken noch behalten hat, wurden weitere Einbauten vorgenommen – auch sie müssen weichen. Insgesamt soll bis Mitte Januar die komplette alte Bausubstanz, des Anfang des 18. Jahrhunderts entstandenen Gebäudetrakts, wieder freigelegt werden, um so die notwendigen Sanierungsarbeiten im kommenden Jahr besser abschätzen und angehen zu können. Nachdem im Frühjahr der neuzeitliche Garagentrakt bereits abgebrochen werden konnte, geht nunmehr die zweite Runde der Abbrucharbeiten ihrem Ende entgegen.

Mit rund 22 000 Euro schlagen die Arbeiten zu Buche. Das Obere Schloss hat seit Ende 2018 eine neue Eigentümerin. Im Rahmen der Grundstücküberschreibung konnten sich der Markt Küps und die neue Schlossherrin darauf verständigen, dass im Anbau des Gebäudes eine öffentliche Nutzung erfolgen kann. Hierzu wurde der Marktgemeinde ein 30-jähriges Nutzungsrecht eingeräumt. Möglich ist die Durchführung des mit rund einer Million Euro bezifferten Projekts nur durch die massive Unterstützung im Rahmen der Förderoffensive Nordostbayern zur Leerstandsbeseitigung der Bayerischen Staatsregierung, die das Vorhaben mit 90 Prozent fördert.

Vom neuzeitlichen Garagenvorbau befreit

Entkernung an der Küpser Schloss-Remise schreitet voran
Ein Bild von Carl Siegmund Philipp von Redwitz, der Bauherr des Schlosses. Foto: Christian Ebertsch

Als im Frühjahr die Remise von ihrem neuzeitlichen Garagenvorbau befreit wurde, gab der Abriss erstmals den Blick auf eindrucksvolle Holzsäulen preis. Dies war zuletzt vor rund 100 Jahren der Fall, denn damals wurde der Vorbau zu Lagerzwecken errichtet. Zwei der ehemals drei Säulen sind noch erhalten, wobei die ehemals mittlere mit interessanten Inschriften aufwartet: Dort ist die Jahreszahl 1721 zu erkennen, welche uns auf die Erbauungszeit verweist. Zudem sind noch die Initialen C.S.P.v.R. angeführt. Sie erinnern an den Bauherrn und Auftraggeber: Carl Sigmund Philipp von Redwitz. Dieser wurde 1687 geboren und war verheiratet mit Dorothea Eleonora von Künßberg-Hain, die mit nur 30 Jahren just in dem Jahr starb, als die Remise erbaut wurde und die Herrschaft Küps in den Besitz von Carl Sigmund Philipp von Redwitz kam.

Ein heute noch im Mainfränkischen Museum vorhandener Bauplan aus jenen Tagen eröffnet uns, dass das Erdgeschoss der Remise aus einer großen Halle bestand, welche als Pferdestallung diente. Im ersten Stock waren vier mit Stuckdecken verzierte Räume eingerichtet, die man wohl als Gästezimmer nutzte. Noch heute kann anhand der Stuckverläufe die ursprüngliche Zimmereinteilung abgelesen werden.

Die Räume sollen im Rahmen aktueller Sanierungsarbeiten wieder in ihrer ursprünglichen Aufteilung hergestellt werden und danach ein Museum beherbergen.

Kommen wir wieder auf den Bauherrn zu sprechen: Keineswegs war die Remise sein einziges Bauprojekt. Er war es, der für das ehemals Hintere Schloss, nachdem es im zweiten Markgrafenkrieg weitestgehend zerstört wurde und nach 1600 nur zaghaft wieder aufgebaut war, ab 1730 die Bauperiode einleitete die dem heutigen Bestand sein Aussehen verlieh. Seither wird es als Neues Schloss bezeichnet.

Er war es auch, der für Küps das erste, heute noch im Staatsarchiv zu Bamberg einsehbare, Urbarium aufstellen ließ - ein Verzeichnis über Besitzrechte der Grundherrschaft und zu erbringende Leistungen ihrer Grunduntertanen - dies war im Jahr 1734. Auch das Verhältnis zur am Ort lebenden jüdischen Bevölkerung regelte er grundlegend. So überließ er beispielsweise mittels Urkunde vom 21. Januar 1721, zehn Tage nach dem Tod seiner eigenen Ehefrau, dem Küpser Juden Leb Samuel, stellvertretend für die Küpser Judenschaft, das „Tropfhaus“ am jüdischen Friedhof (Tahara-Haus), als erbliches Zinslehen.

Beeindruckender Epitaph im Gotteshaus

Entkernung an der Küpser Schloss-Remise schreitet voran
Erhaltenswert: eine kunstvolle Holzsäule von 1720. Foto: Christian Ebertsch

Als auch er im Jahr des Herrn 1742 starb, wurde er in der Kirche beigesetzt. Sein Epitaph gehört zu den schönsten des Gotteshauses: „Hier ruht in Gott der Reichsfrey hochwohlgebohrene Herr Carl Sigmund Philipp von Redwitz, Herr auf Küps, Theisenort. Ihrer Röm. Kayser. Maj. Würcklicher Rath, Hochfürstl. Sächsisch Hildburghausischer geheimbter Rath und ober Jägermeister des hochfürstl. brandenburg bayreuthischen Rothen Adlerordens Ritter und der ohnmittelbar Reichsbefreyten Ritterschaft Landes zu Francken hoch Löb. Orts Gebürg hocherbetener Ritterhauptmann gebohren den 29. July 1687 gestorben den 9ten Novemb 1742.“

Die Inschrift ist überdacht von einer baldachinartigen Decke mit zwei flankierenden Totenköpfen. Oberhalb links sitzt ein trauernder Genius; rechts steht eine Sanduhr mit Leuchter und geknickter Kerze - beides Sinnbilder des verronnenen Lebens. Darüber mittig als Krönung: das Redwitz`sche Wappen.

Unter der Inschrift finden wir die Totenmaske des Carl Sigmund Philipp von Redwitz, die auf einer Sense ruht, welche sich mit einer nach unten gekehrten Fackel kreuzt - Sinnbilder des Todes. Auf beiden Seiten ist das Denkmal von Ahnenwappen umsäumt - links die väterlichen, rechts die mütterlichen Ahnen. (red)

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