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SCHWÜRBITZ

Schwürbitzer Theatergruppe begeistert ihr Publikum

Schwürbitzer Theatergruppe begeistert ihr Publikum
„Gekutzt“ (geküsst) wurde am laufenden Band bei diesem wunderbaren Theaterstück. In dieser Szene forderte „Lillyputziweibi“ einen Gutenmorgenkuss von „Papschiburli“. Foto: Stefan Motschenbacher

Am vergangenen Wochenende gingen die 37. Schwürbitzer Theatertage zu Ende. Fünf ausverkaufte Vorstellungen mit „Alois“ zeigte die Theatergruppe um Regisseurin Sabine Wich und Vorsitzende Ulla Engelmann und das Publikum war von jeder Vorstellung fasziniert.

Schwürbitzer Theatergruppe begeistert ihr Publikum
„Alkohol ist auch eine Form von Emanzipation!“. Afra hat Rachegelüste.

Durch den Umzug auf die Göritze zum befreundeten Schützenverein musste der Bautrupp mit technischem Leiter Markus Dumproff eine „Gewaltleistung“ vollbringen. Schließlich war der Saal bis dahin für sportliche Aktivitäten der Schützen und interne Feierlichkeiten genutzt worden, aber bisher auf keinen Fall theatertauglich. Der Versuch gelang, und der ein oder die andere Besucher(in) meinte, dass es so aussehe, als sei der Schützensaal für Bühne und Besucherplätze gemacht.

Was mag in dieser Nacht wohl passiert sein?

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Überrascht: Der „Brunnerbauer“ bei der Begrüßung. Foto: Stefan Motschenbacher

Doch nun zum Stück. „Alois, wo warst du heute Nacht?“ verriet schon im Titel, dass es wohl um eine spezielle Nacht ging. Alois, fabelhaft verkörpert von Julius Fischer, konnte danach nicht mehr so recht rekapitulieren, wo er sie verbracht haben könnte. Zusammen mit dem „Brunnerbauern“, hervorragend gespielt von Rüdiger Pohl, „erwachte“ er mit der Sehnsucht zu erfahren, was denn wohl „in der Stadt“ passiert war, in der sie sich in der Nacht zuvor „eine gehörige Schlagseite“ angetrunken hatten.

Den „Brunner“ hatte seine Frau Afra (Christine Würstlein) nicht ins Bett gelassen, sodass er schlaftrunken beim Alois erschien. Im Laufe des ersten Aktes „kitzelte“ Cilli (Karin Kreusel), die Gattin von Alois, heraus, warum der Herr des Hauses nicht aus den Federn kam und dann auch noch mit Kopfumschlag herumlief. „Es ging um die Fleischpreise“, so viel wisse er noch, beteuerte der Arme. Doch Cilli, von Afra informiert, hakte nach. „Ja, solche Viecher von Lillyputziweibimenscherln haben ihre Preise!“ warf sie dem Ausflügler vor.

Wie geht es denn dem „Papschiburli“?

Diese „Lilly“ war das spezielle Problem, wurde sie doch nach dem Stadtausflug kurzerhand mit nach Hause genommen und im Fremdenzimmer untergebracht. Der Alois fiel aus allen Wolken, als sich die Zimmertür öffnete und die leicht bekleidete vermeintliche Bardame (Annika Engelmann) aus dem „Roten Kater“ sich nach dem Befinden von „Papschiburli“ erkundigte.

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Alles andere als ein Theaterkuss. Bessy hat ihren Toni wieder. Foto: Stefan Motschenbacher

Vehement forderte sie ihren Guten-Morgen-Kuss. „Donnerkeil, die is ja narrisch wie a Katz im März“, bemerkte der Hausherr, bevor er der Forderung nachkam. Wie bekommt man diese Sache wieder hin, war die Frage, noch dazu, wo doch Besuch erwartet wird. Angekündigt hatte sich der studierte Sohn Toni, fabelhaft dargestellt von Julian Fleischmann, samt neuer Frau Bessy (Andreja Bolaric) aus Kanada, für die auch das Fremdenzimmer reserviert war. Zusammen mit dem Brunnerbauern wollte Alois die Lilly loswerden, doch es kam natürlich anders.

Wenn die Bardame zur Schwiegertochter mutiert

Schwürbitzer Theatergruppe begeistert ihr Publikum
Lagebesprechung mit Söhnen und Schwiegertöchtern. Der Alois ist in Not. Foto: Stefan Motschenbacher

Sohn Toni, dessen Bruder Martl (Stefan Ehrsam) vergeblich am Bahnhof auf den Besuch gewartet hatte, kam mit dem neuen Auto und vorerst alleine. Als nun Lilly aus dem Gästezimmer kam und mit dem Sohn zusammen traf, wurde der Hausherrin und dem Sohn weisgemacht, dass dies die neue Schwiegertochter sei. Diese versuchte sich sofort am kanadischen Akzent – „Er muss mir immer geben srie Schugger“ – und sorgte so für Verwirrung und seitens der Zuschauer für Heiterkeit. Sohn Toni aber, der die Situation gar nicht richtig einschätzen konnte, wurde von seinem Vater mit Kuchen und Kaffee „zugeschüttet“ und so mundtot gemacht.

Unglaubliche Verwicklungen, die mit viel Lachen und Applaus quittiert wurden. Das Publikum war begeistert. Auch kleinere Rollen würzten das Theaterspiel. So sang Magd Urschl (Barbara Backert) im Vorbeigehen das Lied von der Lilly Marleen, was den Bauern in Rage brachte. „Noch a mol, wenn mich der Bauer so anfährt, bin ich auf der Gewerkschaft!“, betonte sie nach dem Gesangsverbot, das sie allerdings nicht einhielt.

Was der Knecht unter Einkaufen versteht

Knecht Florian (Manfred König) sollte Wein und Bier einkaufen für die Willkommensparty. Eingekauft hatte aber auch er sich einen anständigen Rausch. Er attestierte, dass „dä Wei ven Hüttner“ hervorragend sei.

Bäuerin Afra, lautstark und authentisch dargestellt von Christine Würstlein, steigerte sich im Laufe des Stücks in ihre Rachegelüste und Rolle hinein. Ausgerüstet mit ihrem „verlängerten Arm“, einem massiven Baseball-Schläger, schwor sie, Gatten und Nachbarn die Leviten zu lesen. Damit dies auch richtig gelinge, sprach sie bei Nachbarin Cilli dem Schnaps zu und hatte am Ende auch einen Rausch und Sehnsucht nach einem Bett.

Wenn die Bäuerin den Bauern über die Bühne jagt

Das Fremdenzimmer, in dem sich mittlerweile der Brunner niedergelassen hatte, kam vermeintlich richtig, und so trafen schließlich Bäuerin und Bauer zusammen. In Unterwäsche fegte der in Ungnade Gefallene am Ende des Stücks über die Bühne, gefolgt von der schreienden Gattin, und der Vorhang fiel vor begeisterten Zuschauern.

Schwürbitzer Theatergruppe begeistert ihr Publikum
Chefin Ulla Engelmann bedankte sich bei Spielern, Bauarbeitern, Publikum, Banken, Firmen und den Schützen. Fünf mal ausverkauftes Haus und eine wunderbare Bühne. Foto: Stefan Motschenbacher

Vorsitzende Ulla Engelmann bedankte sich vor jeder Aufführung für die Treue der Fans und die Unterstützung durch die Gemeinde, die Schwürbitzer Banken, den Chef des Antikhandels Würstlein und die Hilfe des Schützenvereins, ohne die das Motto der Theatergruppe Schwürbitz „Bei uns ist immer Theater!“ in diesem Jahr fast nicht hätte realisiert werden können. Ein Dank galt auch Friseurin Christine Währisch-Hopfenmüller sowie den Maskenbildnerinnen Andrea Fleischmann, die auch als Souffleuse Dienst tat, und ihrer Schwiegertochter Andreja Bolaric.

Theater-Show-Fasching im Februar auch auf der Göritze

Die Theatergruppe hat mit den Schützen vereinbart, dass der traditionelle Theater-Show-Fasching im Februar auch auf der Göritze stattfinden wird. Dieser Umstand ermöglicht den Schützen wiederum, nach Langem wieder einen zünftigen Rosenmontagrummel anzubieten. Die Zusammenarbeit erscheint für beide Vereine fruchtbar.

Die Kinder- und Jugendgruppe der Theatergruppe gestaltet den ökumenischen Seniorennachmittag am Sonntag, 8. Dezember, mit. Die Theatergruppe ist in gewohnter Form am Weihnachtsmarkt am Sonntag, 15. Dezember, beteiligt.

Von Stefan Motschenbacher

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