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MICHELAU

Ein Film über „Auenkruedn“ und „Grüna Klüeß“

Das Gebiet um den Neuenseer Weiher kennt Werner Schilling (li.) wie seine Westentasche. Im Frühjahr ist er maßgeblich an der Rettung von Erdkröten beteiligt, wenn diese ihren Weg zu den Laichgewässern über die Straße suchen. Foto: Klaus Gagel

Von „Auenkrüedn“ und „Frasskrüedn“ handelt der Beitrag, den der Bayerische Rundfunk in diesem Tagen in der Korbmachergemeinde erstellt hat. Ein dreiköpfiges Fernsehteam ging dazu zwei Tage lang in Michelau und in Neuensee auf Spurensuche, um den legendären Auenkröten auf die Schliche zu kommen. Gesendet wird der Beitrag in der Reihe „Unter unserem Himmel“ Anfang September. Der genaue Sendetermin wird noch bekannt gegeben.

Doch was hat es mit den „Auenkruedn“ auf sich? Und was veranlasst ein Sendeteam aus München zu einem Trip in die „Pampa“, um merkwürdigen Fabelgestalten nachzuspüren?

„Ich hab die Birgit Kirster im Internet entdeckt mit den Auenkruedn und den Michlaarer Frasskruedn“, verrät Regisseur Paul Enghofer, dem der Michelauer Dialekt sichtlich Schwierigkeiten bereitet. „Das war der Grund, dass ich mich damit beschäftigt habe. Und da hab ich mir gedacht, wenn jemand so kreativ ist, und macht so viele Sachen, dann müss?n me in die Gegend fahren und aus ihrer Sicht a bisserl die Gegend kennenlernen.“

Mit viel Hingabe Keramikkunst getöpfert

In der Tat betreibt Birgit Kirster aus Michelau im Internet eine eigene Homepage unter www.auenkroeten.de. Dort stellt sie ihre Werke vor. Mit viel Hingabe fertigt sie Keramikkunst und Gartendeko. Ihre Lieblingsobjekte sind dabei die Auenkröten, Fantasielebewesen mit runden Körpern. Deren Lieblingsspeise sind die „Grüna Klüeß“ der „Michelaare Frasskrüedn“.

Interessiert beobachtet der Regisseur Paul Enghofer wie Birgit Kister eines ihrer Töpferstücke glasiert. Foto: KAG

Viele dieser bauchigen Gestalten bevölkern neben anderen Dekostücken den kleinen Garten zwischen Wohnhaus und Mühlbach, und im feuchtwarmen Klima fühlen sich die Auenkröten sichtlich wohl.

Was die Beziehung zwischen Auenkrüedn und Frasskrüedn anbelangt, hat sich Birgit Kirster eine Fabel ausgedacht, die das nicht ganz unproblematische Verhältnis zwischen den beiden Krötenarten beleuchtet: Das riesige Auenkkrüednreich erstreckte sich einst von den Gaabweihern bis hin zum Neuenseer Weiher. Schon bald hatten die „Auenkrüedn“ herausgefunden, dass es in Michelau viele Gaststätten gab. Dort wurden an Fest- und Feiertagen die „Grüna Klüeß“ gekocht.

Diebische „Auenkrüedn“

Nachdem die Kutschenwirtin einmal einen Klüß-Teller zum Abkühlen aufs Fensterbrett gestellt hatte, entdeckte diesen der gefräßige Hamas (ein Vertreter der „Auenkrüedn“). Von da an machten sich die „Auenkrüedn“ jeden Sonntag auf den Weg, um Klöße zu stibitzen. Die Folgen waren offensichtlich, die Kröten wurden kugelrund und immer gefräßiger.

Die leckeren „Grüna Klüess“ aus der Region trugen entscheidend zum Konflikt zwischen den „Auenkrüetn“ und den „Michlaare Fraßkrüeten“ bei. Foto: KAG

Das konnten sich die Einwohner von Michelau nicht länger gefallen lassen. Mit Ratschen und Trommeln vertrieben sie die „Auenkrüedn“ in die Wälder. Nur noch im Frühling kommen die „Auenkrüedn“ zur Paarung und zum Laichen an die Weiher. Sie waren es auch, die den Michelauern den Namen „Michlaare Frasskrüedn“ verpassten.

Um das alles in einem sendereifen Beitrag einzubetten, stattet das Team um den Regiseur Paul Enghofer, mit Kirsten Lüttjohann (Ton) und Kameramann Stefan Held zunächst Birgit Kirster in ihrer Wohnung und ihrem Garten einen Besuch ab. Eifrig wurde dabei gedreht, auch mit Birgit Kirster an der Töpferscheibe.

Zum Beitrag gehörten auch die berühmten Grüna Klüeß“ und der Neuenseer Weiher. Was für ein Glück, dass am Wochenende in Neuensee das Dorffest stattfand. Da gab es natürlich auch neben vielen Köstlichkeiten die Grünen Klöße. Auch ein geeigneter Panoramapunkt mit Blick über den Neuenseer Weiher war schnell gefunden.

Auf der Suche nach den Kröten

Etwas schwieriger gestaltete sich da schon die Suche nach echten lebenden Kröten. Als Fachmann hatte man für diese Aufgabe den Vorsitzenden des Neuenseer Obst- und Gartenbauvereins, Werner Schilling, gewonnen. Doch die Suche im Wäldchen oberhalb des Neuenseer Weiher blieb erfolglos.

Eine ganze Auenkrötengesellschaft bevölkert den Garten von Birgit Kirster. Foto: KAG

Doch Werner Schilling hatte vorgesorgt. Er wusste wo Erdkröten immer wieder in eine „Falle“ geraten. Treppen, die nach unten zu Felsenkellern führen, werden für Kröten nicht selten zur Todesfalle. Die Tiere fallen nach unten, kommen aber die Stufen nicht mehr hoch, soweit sie nicht von Menschen aus ihrer misslichen Lage befreit werden.

Dadurch konnte man dem Fernsehteam sogar zwei lebende Erdkröten präsentieren wodurch das Trio aus „Auenkrüeden“, „Frasskrüeden“ und Erdkröten komplett war.

Auch die leckeren „Grüna Klüeß“ aus der Region sollten dem Fernsehzuschauer nicht vorenthalten werden. Und da bot sich die Essensausgabe auf dem Dorffest geradezu an. Da gingen die Spezialitäten nämlich gleich reihenweise über den Ladentisch.

 

Von Klaus Gagel

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