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MICHELAU

Das Michelauer Storchen-Drama spitzt sich zu

Ein Bild des Jammers bietet der Storch auf dem Schornstein des Anwesens am Michelauer Kirchplatz. Obwohl der Hausbesitzer das Nest abgeräumt und ein Blechdach angebracht hat, will er den Nistplatz nicht aufgeben. Foto: Gerhard Herrmann

Kaum hatte das Storchenpaar auf dem Schornstein des Anwesens Kirchplatz 3 in Michelau sein Nest notdürftig wieder repariert, räumte es der Besitzer am Mittwochabend wieder ab. Diesmal mit Genehmigung der Höheren Naturschutzbehörde. Außerdem hat er ein Dach auf dem Schlot angebracht, um die Vögel vom Nestbau abzuhalten. Die Empörung der Storchenfreunde darüber ist groß.

Einen traurigen Anblick bietet der Storch, der auf dem Blechdach des Schlots sitzt und versucht, Äste unter das Blech zu schieben. Unermüdlich bringt er neues Nistmaterial, obwohl der verbliebene Platz auf dem Schlot dafür viel zu klein ist. Bereits in der Nacht habe das Storchenpaar dort gesessen, um ihren Nistplatz zu bewachen, berichtet eine Vogelfreundin.

Ein Blechdach soll die Vögel vom Nisten abhalten

„Die Vögel tun mir so leid“, sagt Kathi Böhmer. Sie versteht nicht, wieso die Höhere Naturschutzbehörde der Regierung von Oberfranken die Räumung des Nests genehmigen konnte. Sie hat eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den zuständigen Beamten erhoben, weil die Behörde vor der Räumung nicht überprüft habe, ob das Nest mit Eiern belegt war. Eine angeforderte Stellungnahme der Regierung war bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten.

Auch die Polizei hatten die Storchenfreunde am Mittwochabend alarmiert, als sie sahen, dass der Hausbesitzer den Kamin von einer Hebebühne aus bearbeitete. Den Beamten waren jedoch die Hände gebunden, da ihm die Höhere Naturschutzbehörde eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung erteilt hatte, wie das Landratsamt bestätigte. „In dem Schreiben wurde dem Eigentümer geraten, neue Horstbauten auf dem Kamin durch geeignete Maßnahmen, beispielsweise ein Metalldach, zu verhindern. Eine Genehmigung ist hierfür nicht erforderlich“, schreibt Pressesprecher Andreas Grosch dazu. Eine Auflage, einen Ersatz für den Horst zu schaffen, enthalte der Bescheid nicht.

Sogar die Korbmacher-Skulptur scheint mitleidsvoll auf das verwaiste Storchennest zu blicken. Foto: Gerhard Herrmann

Genau das fordern die Storchenfreunde jedoch. Enttäuscht sind sie darüber, dass Bürgermeister Helmut Fischer ihre Bitte ablehnt, auf dem Dach des Rathauses oder im Umfeld eine alternative Nistmöglichkeit einzurichten. Ein jüngst errichteter Horst auf dem Dach des Vereinsheims der Hundesportler haben die Vögel nicht angenommen. „Am Rathaus wird es keine Veränderungen geben, solange ich Bürgermeister bin“, erklärte Helmut Fischer auf Anfrage. Nach der langwierigen Diskussion um den Anbau sei ein ansprechendes Gebäude mit zwei Flachdächern entstanden, das weder durch Nistgelegenheiten noch durch Masten für Nester in der Nähe beeinträchtigt werden solle. Deswegen müsse auch der FC Michelau mit den Aufbauten für das Zolltorfest einen Abstand von zehn Metern vom Rathaus einhalten. „Was ist mit der Fahne auf dem Rathausdach, wenn sie die Störche stört oder mit Beschädigungen?“, fragt Fischer.

„Wir bräuchten dringend eine andere Nistgelegenheit in der Nähe“, appelliert Marion Damm, Kreisvorsitzende des Landesbunds für Vogelschutz. Sie wäre bereit, kostenlos ein Storchennest zur Verfügung zu stellen, das auf einem Flachdach installiert werden kann. Denkbar wäre es auch, auf dem Kamin des Anwesens über dem neu installierten Blechdach eine Vorrichtung für ein Nest anzubringen, meint sie. Dann könnte der Kamin sogar befeuert werden, ohne die Vögel beim Nisten zu stören.

„Wir bräuchten dringend eine andere Nistgelegenheit in der Nähe.“
Marion Damm, Landesbund für Vogelschutz

Kritik übt sie auch an der Ausnahmegenehmigung der Regierung, die bei einer besonders geschützten Art wie dem Weißstorch unverständlich sei. „Es gibt Ausnahmefälle, wenn es aus bautechnischen Gründen erforderlich ist, aber das ist hier nicht der Fall“, betont sie. Zwingend sollten dann Ersatznistmöglichkeiten vorgeschrieben werden, fordert sie. Doch in jüngster Zeit falle die Höhere Naturschutzbehörden durch fast schon fahrlässige Bescheide auf, etwa bei der Beseitigung von Mehlschwalbennestern, wie am Dach der Turnerschaft Lichtenfels.

Ein Herz für die Störche zeigen dagegen Dekanin Stefanie Ott-Frühwald und die Verantwortlichen der Sparkasse, die mit ihren Gremien über alternative Nistmöglichkeiten beraten wollen. Dies müsste jedoch bald erfolgen, damit eine Brut noch erfolgreich sein kann. „Andere Gemeinden wollen den Storch, aber da bleibt er nicht oder siedelt sich nicht an. Und da, wo er sein möchte, wird er vertrieben beziehungsweise nicht geduldet – traurig“, meint eine Vogelfreundin dazu.

Mehr dazu unter: https://www.obermain.de/lokal/main-rodach-steinach/art2999,734461

https://www.obermain.de/lokal/main-rodach-steinach/art2999,736215

http://www.obermain.de/lokal/main-rodach-steinach/art2999,737850

 

Von Gerhard Herrmann

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