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MICHELAU

Historisch niedriger Schuldenstand in der Gemeinde Michelau

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Noch sind die fetten Jahre nicht vorbei – aber bald: Ende 2019 werden die allgemeinen Rücklagen von knapp fünf Millionen auf 623 000 Euro zusammengeschmolzen sein. Heuer sorgen sie noch dafür, dass Michelau keine Kredite aufnehmen muss. Aber Kämmerer Gerd Bergmann bereitete die Gemeinderäte in der Haushaltssitzung am Mittwochabend darauf vor, dass sich das 2020 wahrscheinlich ändern wird. Das liegt an den Projekten, die die Kommune in den kommenden Jahren zu stemmen hat.

Davon ist die Sanierung der Johann-Puppert-Schule der größte Brocken. Dazu kommen die neuen Horte, die in Michelau und Schwürbitz gebaut werden, die Mainbrücke in Schwürbitz, die ersetzt werden soll, und der Erwerb von Grundstücken für Baugebiete. Einiges davon schlägt 2019 schon zu Buche. Im Finanzplan für 2020 bis 22 sind weitere rund 8,7 Millionen Euro für besagte Investitionen veranschlagt. Und dafür wird sich die Gemeinde verschulden müssen. Der Kämmerer rechnet mit etwa 1,4 Millionen Euro im kommenden Jahr.

„Ich freue mich, dass wir wieder einen solchen Haushalt präsentieren können.“
Helmut Fischer, Bürgermeister

Allerdings wird dieser neue Kredit dann von einem historisch niedrigen Schuldenstand aus aufgenommen: Für Ende 2019 sind 2,7 Millionen Euro veranschlagt. Das sind 423 Euro pro Kopf – laut Bergmann der niedrigste Stand seit knapp 20 Jahren.

Der Gesamthaushalt umfasst in diesem Jahr 17 399 500 Euro. Das sind über drei Millionen weniger als 2018, wieder „Normalmaß“, wie Bergmann sagt. Das liegt daran, dass die Ausgaben im Verwaltungshaushalt reduziert wurden und im Vorjahr weniger Geld aus der Rücklage gebraucht wurde als erwartet.

Der Verwaltungshaushalt hat ein Volumen von 10 879 500 Euro. Michelau kann sich über eine um 640 000 Euro gestiegene Schlüsselzuweisung in Höhe von 733 000 Euro freuen. Im Gegenzug sinkt die Kreisumlage um rund 900 000 Euro auf 2 870 000 Euro. Die Hebesätze bei den Grund- und Gewerbesteuern bleiben gleich. Bei der Gewerbesteuer kalkuliert der Kämmerer heuer vorsichtig mit zwei Millionen Euro, rund 500 000 weniger als 2018.

Fast fünf Millionen Euro stehen für Investitionen zu Verfügung

Im Vorjahr hatte Michelau noch rund 800 000 Euro mehr Gewerbesteuer eingenommen als erwartet – insgesamt etwa 3,3 Millionen Euro. Deshalb hatte weniger Geld aus dem Vermögenshaushalt zugeführt werden müssen. Mit den Mehreinnahmen aus Bauplatzverkäufen und einigen nicht beziehungsweise nicht vollständig ausgeführten Investitionen summiert sich der Überschuss auf zwei Millionen Euro. So ergibt sich die Rücklage in Höhe von fast fünf Millionen Euro, die heuer für Investitionen zur Verfügung steht.

Damit kann das Defizit von 473 300 Euro im Verwaltungshaushalt ausgeglichen werden, das trotz der positiven Effekte entsteht. Es ist allerdings gewaltig gesunken: 2018 betrug es noch über zwei Millionen.

Auch das Volumen des Vermögenshaushalts fällt heuer kleiner aus, und zwar um etwa 1,3 Millionen: Es umfasst 6 520 000 Euro. Die größten Posten unter den Ausgaben bilden auch heuer schon die Johann-Puppert-Schule (geplante Sanierung 2 500 000 Euro, Möbel, Lernmittel, digitales Klassenzimmer 59 000 Euro und Glasfaseranschluss 28 000 Euro) und die Neubauten der Horte in Michelau (700 000 Euro) und Schwürbitz (800 000 Euro).

340 000 Euro für die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED

Dazu kommen 340 000 Euro für die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, 191 500 Euro für die Breitbandverkabelung, 150 000 Euro für die Sanierung des Reinwasserbehälters, 78 000 Euro für den Umbau des Sophienheims in Michelau, 70 000 Euro für die Beleuchtung des Geh- und Radwegs zwischen Michelau und Schney und 65 000 Euro für die Sanierung der Herz-Jesu-Kirche in Schwürbitz. Für diese Projekte gibt es zum Teil aber auch Zuschüsse.

Der dickste Brocken unter den Investitionsprojekten der kommenden Jahre in Michelau: die Sanierung der Johann-Puppert-Schule. Foto: Annette Körber

Bürgermeister Helmut Fischer zeigte sich zufrieden mit dem vorgelegten Zahlenwerk: Alle Ausgaben seien gedeckt, alle im Gemeinderat beschlossenen Projekte berücksichtigt. „Ich freue mich, dass wir wieder einen solchen Haushalt präsentieren können.“ Dem Kämmerer stärkte er für seine vorsichtige Herangehensweise den Rücken. Mit Stolz hob er nicht nur die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED und die Beleuchtung des Radwegs zwischen Michelau und Schney hervor, sondern auch die zehnprozentigen Zuschüsse, die die Korbmachergemeinde für kirchliche Projekte gewährt. Das sei nicht selbstverständlich. Auch CSU-Fraktionsvorsitzende Judith May freute sich, einen „doch noch sehr positiven Haushalt“ vorgestellt zu bekommen. „Wir sind uns bewusst, dass das in den kommenden Jahren nicht mehr so sein wird“, ergänzte sie. Ein Lob für den Kämmerer gab's auch von SPD-Fraktionsvorsitzendem Roland Braun und Andrea Hoch von den Freien Wählern. Braun wünscht sich für die Zukunft mehr Geld für den Straßenunterhalt. Letztlich wurde der Haushalt einstimmig genehmigt.

Auf einen Blick

• Der Gemeinderat stimmte dem Bauantrag für den neuen Hort in Michelau zu. Er soll zweistöckig werden, Platz für 100 Kinder bieten und vor der Schule entstehen.

• Auch den Bauantrag für die Container, in die die Schüler der Johann-Puppert-Schule während der Sanierung ausweichen müssen, genehmigten die Räte. Die Container müssen zu Beginn des neuen Schuljahres stehen.

• Den Auftrag für die Sanierungs- und Unterhaltungsmaßnahmen innerörtlicher Straßen hat der Gemeinderat in der vorigen nichtöffentlichen Sitzung der Firma Raab aus Ebensfeld erteilt – zum Angebotspreis von 194 000 Euro. Los geht es in Oberreuth am Ortsende Richtung Trübenbach. Bürgermeister Helmut Fischer informierte darüber, dass sich Bürger über den schlechten Zustand der Ortsverbindungsstraße Oberreuth – Trübenbach beschwert haben. Allerdings ende der Landkreis an der Ortsgrenze von Oberreuth. „Die Straße ist in einem katastrophalen Zustand“, bestätigte Fischer. Aber weder die Gemeinde noch der Landkreis seien zuständig. Der Bürgermeister der Nachbargemeinde wiederum überlege, die Straße komplett sperren zu lassen.

• Der Rudufersee ist als „EU-Badegewässer“ ausgezeichnet worden. Ausschlaggebend dafür waren laut Bürgermeister Fischer die Wasserqualität und das ganze Umfeld.

• Jochen Weber (JB) regte eine durchgezogene Mittellinie auf der Straße zwischen Michelau und Schwürbitz an. Ihm sei es schon öfter passiert, dass ihm bei der Kurve bei Michelau ein Auto auf seiner Spur entgegengekommen sei, weil der Fahrer bei tief stehender Sonne seine Fahrbahn nicht mehr gesehen habe. Bürgermeister Fischer erwiderte, dass innerorts kein Mittelstreifen vorgesehen sei. Aufgrund der gefährlichen Situation hielte Weber hier eine Ausnahme für gerechtfertigt.

• Judith May (CSU) beantragte einen Wickeltisch für das Kulturhaus in Neuensee, da dort die meisten Feste im Ort stattfinden und sich auch die „Neuenseer Wühlmäuse“ treffen.

• Simone Naumann (SPD) erinnerte an die schlechte Beleuchtung des Bushäuschens in Schwürbitz. Laut Fischer kommt dort noch eine neue Lampe hin, aber erst, wenn die Umstellung auf LED insgesamt abgeschlossen ist.

Von Annette Körber

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