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MICHELAU

Michelauer Ortsdurchfahrt: Gefahrenstellen entschärfen

Hier geht's zu Fuß gar nicht weiter. Dritter Bürgermeister Jürgen Spitzenberger (SPD, re.) schlägt vor, in der Neuenseer Straße einen durchgängigen Gehsteig zu errichten. Die Abbiegespur in die Landwehrstraße würde dann zwangsläufig wegfallen, weil die Straße nicht mehr breit genug wäre. Roland Braun (li.) und Hubert Robisch von der SPD-Fraktion halten sie für verzichtbar: Lastwagenfahrer müssen für die Kurve eh so weit ausholen, dass sie auf die Abbiegespur ausweichen müssen.

Über Neuenseer Straße, Kirchplatz und Freiherr-vom-Stein-Straße verläuft die Lif 2 durch Michelau. Nicht nur Autos, sondern auch eine Menge Lastwagen schieben sich auf der kurvigen Ortsdurchfahrt aneinander vorbei. Für Fußgänger bleibt da nur wenig Platz. Sie hat Dritter Bürgermeister Jürgen Spitzenberger (SPD) im Auge: Er hat sich Gedanken gemacht, wie sich vor allem der enge Bereich zwischen der Einmündung der Schneyer Straße und der Kurve nach der Einmündung der Landwehrstraße sicherer gestalten lässt.

Sein Antrag war vergangene Woche Thema im Gemeinderat: Weil eine Kreisstraße betroffen ist, hatte Bürgermeister Helmut Fischer (CSU) ihn an das Landratsamt weitergeleitet. Landrat Christian Meißner hatte daraufhin angeboten, ein Verkehrsgutachten erstellen zu lassen. Dem stimmte der Gemeinderat zu, allerdings gegen den Willen des Bürgermeisters (siehe dazu den Artikel„Ich halte das für Unsinn“).

„Wenn man den Schwerlastverkehr nicht rausbekommt, sollte man was für die Fußgänger machen.“
Jürgen Spitzenberger, Dritter Bürgermeister

„Ich habe keinen Fachmann gefragt. Das sind erst mal nur Ideen“, stellte Jürgen Spitzenberger nun gegenüber dem Obermain-Tagblatt klar, dass er einfach eine Diskussion anstoßen wollte. Sein Ansatz: „Wenn man den Schwerlastverkehr nicht rausbekommt, sollte man was für die Fußgänger machen.“ Was sich von seinen Vorschlägen umsetzen lässt, soll nun das Gutachten klären. Wie viele Brummifahrer den Weg durch die Korbmachergemeinde nehmen, lässt sich schon in der einen Stunde erahnen, in der Spitzenberger vor Ort seine Vorschläge erläutert – zusammen mit Roland Braun und Hubert Robisch von der SPD-Fraktion, die ihn unterstützt. Dass die Durchfahrt von Marktzeuln für den Schwerlastverkehr gesperrt ist, macht sich in Michelau stark bemerkbar.

Los geht es bei der scharfen Kurve beim Geschäft Elektro Rosenbauer, die schwer einsehbar ist. Wer ortseinwärts fährt, kommt um die Kurve und hat gleich die Einmündung der Schneyer Straße vor sich. Und damit eventuell stehende Autos, deren Fahrer darauf warten, links abbiegen zu können. Ab hier hätte Spitzenberger deshalb gern Tempo 30.„Man kommt auch mit 40, 45 rum“, hat er ausprobiert. „Aber die Reaktionszeit ist dann eine ganz andere.“ Wenn es nach ihm ginge, würde die Geschwindigkeitsbegrenzung bis zum Kindergarten Sophienheim gelten, bei dem jetzt sowieso Tempo 30 eingeführt wird.

Es würde sich hier um ein Streckengebot handeln, nicht um eine Tempo-30-Zone, in der rechts vor links gelten müsste, stellt Gemeinderat und Polizist Robisch klar. Er hält die Einführung wegen der Gefahrenlage und aus Gründen der Verkehrssicherheit für gerechtfertigt. Wie schnell etwas passieren kann, habe der tragische Unfall am 23. August gezeigt. „Durch eine Begrenzung auf 30 Stundenkilometer würde sich der Anhalteweg eines Fahrzeugs halbieren“, veranschaulicht Robisch die Auswirkungen.

Das würde auch den Fußgängerüberweg in der Kurve bei der Kirche etwas sicherer machen. Hier wird der Schulweg über die Straße geführt, wie Markierungen auf dem Boden verdeutlichen. Allerdings ohne Zebrastreifen: „Man muss nicht halten“, betont Spitzenberger. Die drei Kommunalpolitiker sind froh, dass früh und mittags Schulweghelfer für Sicherheit sorgen.

Fußgängerüberweg einrichten

Von hier ist es nicht mehr weit bis zur Imbissbude, die auf der rechten Seite nach der Einmündung der Bachstraße und damit kurz nach der nächsten Kurve steht. Hier endet ortsauswärts der Gehsteig. Fußgänger müssen die Straße wechseln. Und das an einer unübersichtlichen Stelle. Alle tun das nicht, selbst Bewohner des Seniorenheims gehen mit ihren Rollatoren auf der Straße weiter, haben die drei SPD-ler schon beobachtet. Spitzenberger schlägt vor, den Gehsteig um die Imbissbude herum weiterzuführen. Dadurch käme es zu einer Engstelle, die die Sozialdemokraten aber für verkraftbar halten. Sie finden, dass ein ordentlich gekennzeichneter Fußgängerüberweg eingerichtet werden sollte. Würde der Gehsteig nicht an der Imbissbude enden, könnte die Querung auch ein Stück weiter hinten geschaffen werden, zum Beispiel da, wo der Fußweg von der Bücherwelt Pfaff kommend einmündet. An dieser Stelle ist die Straße in beide Richtungen gut zu überblicken.

Im weiteren Verlauf müsste die Abbiegespur in die Landwehrstraße weichen, denn durch den Bau eines Gehsteigs würde der Platz dafür nicht mehr ausreichen. Verzichtbar, finden die drei, schließlich ist es eh die einzige in der ganzen Ortsdurchfahrt. Überall sonst müssen Verkehrsteilnehmer warten, wenn sie abbiegen wollen. Und jetzt ist die Situation auch nicht besser: Wenn jemand abbiegen will, dessen Fahrzeug etwas breiter ist, kommen diejenigen, die geradeaus fahren wollen, nicht vorbei.

Und es folgt gleich die nächste große Kurve, um deren Innenseite nur ein schmaler Gehsteig führt. Fällt die Abbiegespur weg, können Lasterfahrer weiter ausholen. Es komme hier nämlich durchaus vor, dass sie bei Gegenverkehr auf den Gehsteig ausweichen, erklärt Braun. Er fände es deshalb gut, wenn der Fußgängerweg zumindest durch ordentliche Bordsteine abgegrenzt würde. Spitzenberger schlägt außerdem eine Leitplanke als Absicherung zur Straße hin vor. „Das ist hier eine Gefahrenstelle, über die wir uns Gedanken machen müssen. Und die hab' ich mir gemacht“, betont der Dritte Bürgermeister.

 

 

„Ich halte das für Unsinn“

Was Bürgermeister Fischer zu den Vorschlägen sagt

 

Bürgermeister Helmut Fischer machte schon in der Gemeinderatssitzung deutlich, dass er Jürgen Spitzenbergers Vorschläge ablehnt. Dies bekräftigte er gegenüber dem Obermain-Tagblatt: „Ich halte das für Unsinn.“ Um in der Neuenseer Straße auf der rechten Seite ortsauswärts einen Gehsteig anzulegen, müsste wegen der vorgeschriebenen Mindestbreite von einem Meter die Kreisstraße entsprechend verengt werden. Angesichts des starken Lastwagenverkehrs in der eh schon schmalen Straße hält Fischer das für unmöglich. Problematisch findet er außerdem, dass der Gehsteig gegenüber dem Gebäude der Firma Andreas Schardt direkt vor dem Firmenparkplatz mit sechs bis acht Autos vorbeiführen würde. Und die Begrenzung der Geschwindigkeit auf 30 Stundenkilometer sei unnötig, da man aufgrund der vielen Kurven sowieso nicht viel schneller fahren könne.

„Da ist 70 Jahre lang nie etwas passiert“, betonte der Bürgermeister. Im August allerdings ereignete sich nun ein tödlicher Unfall. In Fischers Augen war der auch dem Umstand geschuldet, dass der Achtjährige nicht in der Korbmachergemeinde aufgewachsen sei: „Ein Michelauer Kind wäre da nicht entlanggefahren“, meint er.

 

Standpunkt

Von öffentlichem Interesse

Von Annette Körber
annette.koerber@obermain.de

Bürgermeister Helmut Fischer ist der Ansicht, wir würden ein Thema künstlich aufblasen, das eigentlich besser in die unterste Schublade verbannt werden sollte. Das kann er natürlich so sehen. Im Gemeinderat waren allerdings alle außer ihm dafür, Jürgen Spitzenbergers Vorschläge von einem Fachmann prüfen zu lassen. Da haben die Michelauer auch ein Recht darauf zu erfahren, was Spitzenberger ausgearbeitet hat. So sehen wir das jedenfalls.
Zumal der Dritte Bürgermeister ja auch kein Sturkopf ist, der meint, alle seine Ideen eins zu eins durchdrücken zu müssen. Ganz im Gegenteil: Ihm ist sehr wohl bewusst, dass die Realisierung nicht einfach werden dürfte. Aber darum geht es ihm auch nicht. Spitzenberger möchte einfach eine Diskussion in Gang bringen. Vielleicht werden dabei ja auch noch andere, womöglich bessere Lösungen gefunden.
Denn auch wenn in der Michelauer Ortsdurchfahrt 70 Jahre lang nichts passiert ist, dürfte eines unbestritten sein: Sie ist eng, kurvig, stark befahren und damit nicht ungefährlich – nicht nur für Kinder oder Senioren. Da ist es auch ein vernünftiges Anliegen, die Sicherheit für Fußgänger in diesem Bereich zu verbessern. Darüber sollte man reden, und zwar ohne gleich alles als Unsinn abzutun.

 

 

Der Gehsteig auf der rechten Seite der Neuenseer Straße ortsauswärts ist so schmal, dass Jürgen Spitzenberger vorschlägt, ihn mit einer Leitplanke abzusichern. Roland Braun fände es sinnvoll, zumindest einen Gehsteig mit ordentlichem Bordstein zu errichten. Foto: Annette Körber
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Von Annette Körber

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