MICHELAU

Gewässer-Nachbarschaftstag: Pro Kubikmeter Wasser ein Pfund Feinstaub

Wasserberaterin Gesche Petersen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg stellte an Hand einer ...

Wer kennt sie nicht, die Bilder von Starkregenereignissen in deren Folge sich braune Schlammmassen durch die Straßen der Ortschaften wälzten. Verschlammte Bäche beinträchtigen nicht nur die Lebensräume für Fische und Kleinlebewesen, sondern bereiten auch den Gemeinden zunehmend Probleme, weil sie den Unterhaltungsaufwand erhöhen.

„Der Oberboden gehört auf den Acker und nicht in die Ortschaft rein“, erklärt Siegmund Katholing, Berater für die Gewässernachbarschaft im Landkreis. Bereits zum zweiten Mal fand der Gewässer-Nachbarschaftstag in der Korbmachergemeinde statt. Das Thema diesmal: „Zu viel Feinmaterial in den Gewässern. Was kann die Gemeinde tun?“.

Gewässer dritter Ordnung liegen im Verantwortungsbereich der Gemeinden. In Bayern sind das rund 90 000 Kilometer Bäche und Gräben, im Landkreis Lichtenfels gehören 581 Kilometer in diese Kategorie. Walter Näher, Landespfleger beim Wasserwirtschaftsamt Kronach überrascht mit der Auskunft, dass sich bei einem Hochwasserereignis pro Kubikmeter Wasser ein Pfund Feinstaub befindet.

Nicht nur die Landwirte sind Schuld

Die Gründe für einen unerwünschten Schlammeintrag seien vielfältig, und nicht nur die Landwirtschaft sei daran schuld. Neben einem Rückgang von Speicher- und Rückhalteflächen in der Landschaft gebe es heute weniger Rückhaltestrukturen wie Bäume oder Büsche. Einträge ins Gewässer gebe es nicht nur aus angrenzenden Flächen, sondern auch über Graben- und Drainagesysteme von weitentfernten Flächen. Auch die Begradigung von Gewässern habe dazu beigetragen. Hinzu kommen die häufigeren Starkregenereignisse.

Der Experte warnt vor einen kurzfristigen Aktionismus nach einem Schadensereignis. Nicht die Planung, sondern das Miteinander-Gestalten sollten im Mittelpunkt stehen. Erste Priorität habe ein Rückhalt am Entstehungsort, dann Maßnahmen in der Flur und als letzter Schritt Maßnahmen am Gewässer.

Daniel Spaderna vom Amt für Ländliche Entwicklung Bamberg, stellte die Initiative „boden:ständig“ vor. Die Initiative des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten verfolgt das Ziel, dass der wertvolle Boden mit seinen Nährstoffen dortbleiben soll, wo er den Landwirten langfristig mehr Nutzen bringt, nämlich auf dem Acker.

Initiative „boden:ständig“

Bei der Umsetzung setzt „boden:ständig“ auf Kooperation und Freiwilligkeit. Um den Bodenabtrag in der landwirtschaftlichen Fläche zu bremsen schlägt Daniel Spaderna eine bodenschonende Bewirtschaftungsform beispielsweise mit Zwischenfrüchten und Mulchsaat vor. Sowie eine Reihe von kleineren Maßnahmen, beginnend von der höchsten Stelle im Gelände, um das Wasser schon von Anfang an im Gelände zurückzuhalten, oder es zu mindestens abzubremsen, damit weniger Schlammeintrag in den Gewässern ankommt. Und sich die Schäden in Grenzen halten.

Regen-Simulationsanlage

Zwischen den Vorträgen konnten die Mitarbeiter aus den Gemeinden diskutieren, wie ihr Umgang in ihrem Bereich mit Feinmaterialeinträgen ins Gewässer ist und ihre Erfahrungen austauschen.

Ein Experiment am Nachmittag auf dem Hof der Familie Hofmann in Kösten zeigte eindrucksvoll, wie schnell ein ungeschützter Boden abgeschwemmt wird. Die Wasserberaterin Gesche Petersen vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg stellte an Hand einer Regen-Simulationsanlage die Bodenabträge auf verschiedenen Untergründen vor.

Gegenüber dem ungeschützten Boden füllten sich die bereitgestellten Auffangbehälter bei der Bepflanzung mit Zwischenfrüchten weniger schnell. Beim regionalen „boden:ständig“-Forum Oberfranken treffen sich am 27. November auf Kloster Banz die zuständigen Akteure.

„Gewässer dritter Ordnung“ stehen in Bayern im Verantwortungsbereich der Kommunen und Wasser- und Bodenverbände. Für diese Aufgabe wurde im Jahr 2002 der „Gewässer-Nachbarschaftstag“ ins Leben gerufen. Im Landkreis Lichtenfels fand er heuer unter der Leitung von Siegmund Katholing bereits zum 13. Mal statt.