MARKTGRAITZ

Lesertelefon: Wo täglich der Verkehrsfluss kollabiert

Und wieder kollabiert der Fließverkehr: Wenn sich zwei Laster oder breitere Autos im engen Marktgraitzer Ortskern ...

Harald Panzer und seine Frau wohnen im historischen Ortskern von Marktgraitz, in einem Haus aus dem 19. Jahrhundert, direkt an der Hauptstraße – und mitten in einer der Engstellen. „Leider wird in unserem Dorf der Verkehr immer mehr, und es wird auch immer öfter viel zu schnell gefahren“, klagt er am OT-Lesertelefon. Das sei für das Ehepaar mittlerweile lebensgefährlich, denn aufgrund von Schwerbehinderungen können sie nicht mehr so schnell laufen.

Wenn Panzer das Haus verlassen will, muss er dies über eine betonierte Treppe tun und steht dann – nach der letzten Stufe – direkt auf der Kreisstraße LIF 26. Einen Gehsteig gibt es hier nicht. „Bevor wir das Haus kauften, war hier einer. Aber der wurde zugunsten der Straße geopfert“, erinnert sich der Graitzer. „Für uns ist die Situation hochgefährlich geworden, seit der Verkehr immer mehr zunimmt. Wir können nur langsam laufen, warten teilweise zehn Minuten lang, bis wir uns endlich trauen, auf die andere Straßenseite zu laufen.“ Besonders arg sei der Verkehr werktags von 6 bis 9 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr.

„Wieso darf Marktzeuln die Durchfahrt für Laster sperren, wir aber nicht?“
Harald Panzer, Marktgraitz

Der Verkehr, der vor seinem Haus vorbeirauscht, ist nicht nur ein Risiko für ihn als Fußgänger, sondern vor allem auch laut. Besonders die Laster, die bergauf in Richtung Ortsmitte fahren, sind unüberhörbar. Oft mischt sich in das dumpfe Röhren der Dieselmotoren ein gellendes Bremsenquietschen. Die Marktgraitzer Ortsdurchfahrt ist nämlich sehr eng, allzu oft herrscht hier Stop-and-go-Verkehr. Dann weichen Autofahrer und auch Brummilenker gerne mal auf die Gehwege aus. Und wenn die Schwerlasttransporter wieder anfahren, vibrieren bei den Anwohnern die Fensterscheiben.

Die Dachrinne am Haus abgefahren

Dass der Kanaldeckel vor seinem Haus arg klappert, was er schon vor einem Jahr bemängelt habe und woran noch immer nichts getan sei, verstärke das Problem, so OT-Leser Harald Panzer. Und neben ihm und seiner Gattin sei auch sein Wohnhaus durch den Verkehr durchaus in Gefahr.

„Zur Straße hin steht ein Richtungsabweiser, ein Warnschild, das aber regelmäßig angefahren und zerbeult wird“, schildert er. „Kürzlich wurde es ausgetauscht und ist schon wieder zerdellt. Mir wurde sogar schon eine Dachrinne abgefahren. Alles in allem gingen die Schäden in die Zehntausende.“ Sein Haus bekommt durch den Schwerlastverkehr auch schon Risse. Es ist laut Panzers Aussage eines der ältesten Häuser im Ort. Und der Lasterverkehr nehme immer mehr zu. Kämen dann auch noch die breiten Schleppergespanne entgegen, gehe teilweise gar nichts mehr.

„Wieso darf Marktzeuln die Durchfahrt für Laster sperren, wir aber nicht?“, fragt sich Harald Panzer. „Auch bei uns gibt es historische Häuser.“ Alternativ schlägt er eine Ampelschaltung vor, um den Verkehr jeweils nur einspurig durch den Ortskern zu lassen. Die Polizei Lichtenfels hat übrigens in diesem Jahr erst einen Unfall in Marktgraitz verzeichnet, im Vorjahr auch nur zwei.

Inoffizielle Umleitungsstrecke

„Die Kreisstraße durch Marktgraitz ist momentan besonders belastet. Gesperrt ist bereits seit längerem die Staatsstraße 2191 in der Ortsdurchfahrt Marktzeuln und seit 2. August unglücklicherweise auch noch die Staatsstraße 2200 zwischen Beikheim und Theisenort“, antwortet Zweiter Bürgermeister Georg Bülling auf Anfrage dieser Redaktion. „Zwar hat das zuständige Staatliche Bauamt Bamberg in beiden Fällen eine weiträumige Umleitung über die B 173 und die Staatsstraße 2208 von Redwitz bis Beikheim ausgeschildert, ortskundige Autofahrer und zunehmend auch der Schwerlastverkehr wollen diese lange Strecke aber vermeiden und nutzen die Abkürzung durch Marktgraitz.“

„Notfalls ist auch der

Landkreis Lichtenfels aufgerufen, dem beispielsweise mit einer

Tonnagenbeschränkung

entgegenzuwirken.“

Georg Bülling, Zweiter Bürgermeister

Obwohl der Verkehr wegen der Ferien- und Urlaubszeit geringer ist als sonst, komme es dennoch wegen der beiden genannten Vollsperrungen zu den Stoßzeiten am Morgen und am Abend zu starkem Verkehrsaufkommen in Marktgraitz. Der amtierende Rathauschef bestätigt Panzers Eindruck: „Die teils enge Ortsdurchfahrt wird dadurch überlastet, und es kommt zu langen Rückstaus und gefährlichen Situationen, insbesondere wenn sich zwei Laster in den Engstellen begegnen.“

Schon im Jahr 2015 angeregt

Der Markt Marktgraitz appelliert deshalb an die Verkehrsteilnehmer, die Ortsdurchfahrt nicht als Umleitungsstrecke zu nutzen. „Notfalls ist auch der Landkreis Lichtenfels aufgerufen, dem beispielsweise mit einer Tonnagenbeschränkung entgegenzuwirken“, so Bülling. „Diese hat der Markt Marktgraitz im Übrigen bereits mit Schreiben vom 12. November 2015 beim Landkreis Lichtenfels beantragt.“ Eben, um die genannten gefährlichen Situationen in den Engstellen zu entspannen und auch zum Schutz der von Harald Panzer genannten historischen Bausubstanz.

Der Landkreis hat laut Bülling Verkehrszählungen angekündigt, „diese waren aber in den vergangenen Jahren kaum repräsentativ möglich, da wegen Vollsperrungen, beispielsweise derzeit wegen der Sanierung der Rodachbrücke, auf der Staatsstraße in Redwitz kein normaler Verkehrsfluss gegeben war.“

Der Markt Marktgraitz werde aber weiter daran arbeiten, verspricht Bülling. Wegen des vom OT-Leser bemängelnden, klappernden Kanaldeckels hat der Zweite Bürgermeister derweil den Bauhof beauftragt.

Am Ortsrand unweit der Rodach: eine der Engstellen in Marktgraitz.
Wenn Harald Panzer die Treppe vor seinem Hauseingang nimmt, steht er direkt auf der Kreisstraße LIF 26.
Lesertelefon: Der Kran steht wieder sicher
_