MICHELAU

Im Reich der günstigen Kameras

Reger Handel herrschte bei der Fotobörse in Michelau.

„Schönwettertage sind schlechte Börsentage“, diese Binsenweisheit wurde durch die Fotobörse am Sonntag in der Michelauer Angerturnhalle klar widerlegt. Im Gegenteil, der Veranstalter, der Film- und Fotoclub Michelau, freute sich am Ende über eine Rekordbörse. Die Tische der Händler waren schon Wochen vorher vermietet. Vor allem in den Vormittagsstunden drängten ganze Besucherscharen in die Halle.

Der erste richtige Frühlingstag mit Sonnenschein und milden Temperaturen bremste die Schnäppchenjagd nicht. Eine positive Bilanz zog man auch im Deutschen Korbmuseum. Dort präsentiert der rührige Michelauer Verein aktuell mehr als 50 ausgewählte Bilder in der Sonderausstellung „Der Michelauer Fotoclub stellt sich vor“. Um den auswärtigen Fotofreunden Gelegenheit zum Besuch dieser Ausstellung zu geben, hatte das Museum extra am Nachmittag von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

Das Angebot wurde gut genutzt. Noch sinnvoller wäre wohl eine Öffnung bereits am Vormittag bis in die frühen Nachmittagsstunden hinein gewesen. Denn in dieser Zeit war der die Zahl der Fotofreunde in der Korbmachergemeinde am größten.

Ausgezeichneter Ruf

Seit über 20 Jahren genießt die Michelauer Fotobörse einen ausgezeichneten Ruf. Es kommen Anbieter aus ganz Deutschland von Frankfurt bis Halle an der Saale nach Michelau. Aus der näheren Umgebung hatten Händler aus Bamberg, Schweinfurt, Kronach und Stadtsteinach ihr Kommen zugesagt.

Kistenweise schleppten die ihre Schätze in die Halle – in der Hoffnung auf viele Kaufinteressenten. Im Angebot waren rare Sammlerstücke. Alte Plattenkameras, legendäre Fotoapparate mit Balgenauszug und funkelnden Objektiven namhafter Hersteller. Doch diese historischen Fotoapparate sind „nur“ Ausstellungsobjekte für die Vitrine oder den Wohnzimmerschrank.

Eine Zwischenstellung zwischen den modernen Digitalkameras und den historischen Fotoapparaten nehmen die analogen Kameras aus der Zeit zwischen 1950 und der Jahrtausendwende ein. Sie überschwemmen aktuell den Markt. Die meisten Fotografen sind längst ins digitale Zeitalter umgestiegen oder verstorben und es ist ein mühsames Geschäft, will man heute eine analoge Spiegelreflexkamera verkaufen. Die Preise sind im Keller, die Nachfrage gering und sehr selektiv.

Pure, präzise Mechanik, Wertarbeit und feinste Verarbeitung zeichnen die renommierten Marken noch heute aus. Aber die digitale Fotografie hat ihr Renommee ausgelöscht - denn für sie braucht man Filme. Die kosten Geld und man muss sie entwickeln lassen. Nur noch besondere Modelle finden ihre Liebhaber aber nur, wenn sie sich im Top-Zustand befinden. Das gilt vor allem für Kameras angesehener Traditionsfirmen wie Leitz in Wetzlar und Hasselblad aus Schweden.

Wer also als Besitzer einer analogen Pentax-, Canon- oder Nikonkamera diese gern als Privatperson verkauft hätte tat sich schwer. Zwar waren die Michelauer Fotofreunde gerne beratend tätig. Doch die meisten Händler winkten ab und verweisen auf Kisten mit der Aufschrift „Jedes Gehäuse für zehn Euro.“

Dabei sind viele der Händler, wie Uli Möller aus Bamberg, selbst Sammler und Liebhaber. Er war am Sonntag bereits zum 15. Mal in Michelau dabei. Ganz ohne Idealismus geht es auch für ihn nicht, denn leben könnte er nicht vom Verkauf seiner Fotogeräte. Für ihn steht die persönliche Begegnung bei derartigen Börsen im Vordergrund. Man kennt sich, trifft sich immer wieder und tauscht sich aus. Als Händler ist er im Gegensatz zu manchen anderen „Profis“ nur in der Region aktiv. Als Sammler interessiert er sich vor allem für Miniaturkameras, deren Technik ihn fasziniert.

Die Atmosphäre in Michelau empfindet er als sehr angenehm. Sicher gibt es Fotobörsen in Großstädten bei denen der Umsatz höher ist. Aber das gilt auch für die Unkosten. Gebrauchte Kameras kauft er von Privatpersonen nur, wenn er eine reale Chance sieht, diese auch wieder verkaufen zu können. Oder wenn sie für ihn als Sammler interessant sind.

Explosionsartige Entwicklung

Und so dominieren weiterhin die analogen Kameras den Gebrauchtmarkt, obwohl seit etwas mehr als 20 Jahren digital fotografiert wird. Und im Zuge einer explosionsartigen Entwicklung auf dem Digitalsektor inzwischen längst viele der ersten Digitalkameras auch wieder verkauft wurden.

Doch die musste man auf der Michelauer Fotobörse ganz gezielt suchen. Die einzelnen Händler hatten nur Einzelstücke im Angebot. Glücklich konnte sich also derjenige schätzen, der kurz vor Ende des Börsentages noch eine bestens erhaltene 5D Mark II für runde 500 Euro kaufen konnte. Noch vor wenigen Jahren hat die Vollformatkamera über 2500 Euro gekostet. Der Preisverfall ist auch auf dem Digitalen Sektor längst angekommen.