aktualisiert:

LICHTENFELS

Lichtenfels: Haus im Altstadtensemble in Flammen

In der Nacht von Sonntag auf Montag brannte es im Gebäude Marktplatz 4 in Lichtenfels. Foto: Frank Spitzenpfeil

Dieser Feuerwehreinsatz brachte die rund 170 Einsatzkräfte an ihr Limit: Am Sonntag brach kurz vor 23 Uhr im Fachwerkhaus am Marktplatz 4 und damit mitten im historischen Altstadtensemble ein Feuer aus.

Es entstand ein Schaden von mehreren hunderttausend Euro. Nur durch das schnelle und massive Vorgehen konnten die Feuerwehrler um Einsatzleiter Timm Vogler verhindern, dass die Flammen auf größere Teile der denkmalgeschützten Ringbebauung übergriffen.

Auf dem Marktplatz positionierte sich ein Großaufgebot an Feuerwehren aus dem Landkreis und sogar aus Ebersdorf bei Coburg. Foto: Frank Spitzenpfeil

„Wir hatten richtig, richtig Glück, denn es war richtig, richtig kritisch“: Dem Kreisbrandrat steckt der stundenlange, überaus fordernde Einsatz noch merklich in den Knochen, als er mit dieser Redaktion spricht. „Als wir ankamen, war der ganze Marktplatz verraucht.“

Entstanden war das Feuer wohl im Bereich der Küche des Restaurants im Erdgeschoss. „Zwischen den Häusern Marktplatz 4 und 6 gibt es einen halben Meter Platz. In diesem Bereich wird die Abluft aus dem Dunstabzug des Restaurants durch einen Edelstahlkamin nach oben geleitet. Und der brannte lichterloh.“

„Wir mussten so genannte fog nails einsetzen, die wir in die betroffenen Bereiche bohrten.“
Timm Vogler, Kreibrandrat

Die Disponenten der Integrierten Leitstelle und die Einsatzleitung hatten gleich ein massives Aufgebot an Feuerwehren in die historische Kernstadt beordert. Das war auch dringend nötig. Unter schwerem Atemschutz wurde das Feuer im Küchenbereich bekämpft. Die Flammen fraßen sich jedoch in die Fehlböden und mit Lehm und Stroh gefüllten Gefache des äußerlich verkleideten Fachwerkhauses.

Nur unter schwerem Atemschutz können die Feuerwehrleute das Brandobjekt betreten. Foto: Spitzenpfeil

„Es war schwer, an die Flammen heranzukommen. Wir mussten so genannte fog nails einsetzen, die wir in die betroffenen Bereiche bohrten“, so Vogler. Über diese Löschlanzen gelangte feiner Wassernebel an schwer zugängliche Orte. „Das Haus wurde aber leider innen komplett zerstört.“ Die große Schuttmulde, die die Einsatzleitung noch in der Nacht von einer Fachfirma orderte, war bald bestens gefüllt. Das Fatale: Das Gebäude war erst vor kurzer Zeit saniert worden, die Bewohnerin des hinten liegenden Zwischengeschosses war noch nicht lange eingezogen.

Auch das nebenstehende Fachwerkhaus Marktplatz 6, ebenfalls vor kurzem aufwendig saniert und in dem sich unter anderem ein Reisebüro befindet, wurde schwer beschädigt. Auch dort fraß sich der Brand aufgrund der Ständerbauweise in die Wand. Auch dort mussten Teile der Fassade aufgebrochen werden, um an die Glutnester zu kommen.

Lichtenfels: Haus im Altstadtensemble in Flammen
Vor dem Rathaus richtete sich die Einsatzleitung ein. Foto: Frank Spitzenpfeil

Glück im Unglück: Bei der Renovierung waren vorbeugende Brandschutzmaßnahmen getroffen worden, unter anderem war ein Brandschutzputz aufgetragen worden. Dennoch: Die Wohnung der Mieterin im ersten Obergeschoss, die erst vor wenigen Wochen eingezogen war, scheint nun aufgrund von Brandgeruch und Ruß unbewohnbar.

Sogar eine Drehleiter aus Ebersdorf bei Coburg war vor Ort

Lichtenfels: Haus im Altstadtensemble in Flammen
Brandfahnder der Kriminalpolizei machen sic vor Ort ein Bild von der Situation. Foto: Markus Drossel

Neben nahezu allen Feuerwehren aus dem Lichtenfelser Stadtgebiet waren auch Spezialkräfte aus Michelau und Altenkunstadt sowie die Drehleitermannschaft aus Ebersdorf bei Coburg vor Ort. Das Technische Hilfswerk um Johannes Stich unterstützte die Feuerwehren bei ihrem schweren Einsatz, der Rettungsdienst um Timo Herweg sicherte ab. Personen wurden nach ersten Erkenntnissen wohl nicht verletzt. Nach Angaben der Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG-SanEL) waren jedoch elf Betroffene zu betreuen.

Lichtenfels: Haus im Altstadtensemble in Flammen
Als die Feuerwehren eintrafen, brannte es im Bereich des Edelstahlkamins schon lichterloh. Foto: Markus Drossel

Die nasskalte Witterung machte den Einsatzkräften richtig zu schaffen. „Toll war, dass Zweite Bürgermeisterin Sabine Rießner das Rathaus zur Verfügung stellte, so dass sich die Leute immer wieder aufwärmen oder kurz hinsetzen konnten“, lobte der Kreisbrandrat. Die Rotkreuzler wiederum organisierte Getränke und in den frühen Morgenstunden auch belegte Brötchen, so dass die Retter bei Kräften blieben.

Lichtenfels: Haus im Altstadtensemble in Flammen
Teile der Luftungsanlage liegen im Nachbargarten. Foto: Markus Drossel

„Die letzten Feuerwehren haben wir gegen 4 Uhr beziehungsweise 4.30 Uhr nach Hause geschickt“, so Vogler. Alle, bis auf eine: „Ein Löschfahrzeug der Feuerwehr Lichtenfels übernahm die Brandsicherheitswache und blieb noch lange vor Ort.“ Am Morgen kamen dann auch die Brandfahnder der Kriminalpolizei, um die Ursache des Feuers zu ermitteln.

Timm Vogler denkt weiter: „Wir hatten Glück, dass noch kein Weihnachtsmarkt in Lichtenfels ist. So konnten wir uns auf dem Marktplatz breit aufstellen. Dieser Brand zeigt, wie wichtig Feuerwehrflächen und Feuerwehrzufahrten sind.“ Am Rande sei erwähnt, dass am Montagmorgen mit dem Aufbau der Märcheneisenbahn und des weihnachtlichen Budenstadt begonnen wurde.

Lichtenfels: Haus im Altstadtensemble in Flammen
Die Drehleiterbesatzung der Freiwilligen Feuerwehr Lichtenfels kämpft sich im Obergeschoss vor. Foto: Frank Spitzenpfeil
Lichtenfels: Haus im Altstadtensemble in Flammen
Ohne Pressluftatmer ging bei diesem Großeinsatz nahezu nichts. Foto: Frank Spitzenpfeil
Lichtenfels: Haus im Altstadtensemble in Flammen
Feuerwehrleute verlassen das Brandobjekt. Foto: Frank Spitzenpfeil
Lichtenfels: Haus im Altstadtensemble in Flammen
Mitten in der Lichtenfelser Innenstadt: Vor dem Brandobjekt steht eine große Schuttmulde. Foto: Markus Drossel

Von Markus Drossel

Weitere Artikel