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REUNDORF

Reundorfer Theatertage: Geschlechterkampf bei der Feuerwehr

Lange Gesichter bei den Männern der Reundorfer Feuerwehr, die mit Ina Scharf (Melanie Franke) eine junge Kommandantin vor die Nase gesetzt bekommen haben. Foto: Gerda Völk

„Wenn man so 20 bis 30 Feuerwehrautos hat, dann kann man eines schon verleihen. Aber wir haben nur eines.“ Bastian Müller, seit ewigen Zeiten Feuerwehranwärter bei der Reundorfer Wehr, versteht die Welt nicht mehr. Eigentlich müssten sie zum Einsatz ausrücken, aber ihr einziges Löschfahrzeug dient einem Landwirt aus dem Dorf als Zugmaschine. Wenn das der Kreisbrandrat wüsste und seine Katastrophenschutzbeauftragte, dann stünde massiver Ärger ins Feuerwehrhaus.

Noch können (v. li.) Harry Zünder (Andre Roder), Horst Biesenecker (Markus Fischer) und Bastian Müller (Jan Haffner) ihr Bier genießen. Foto: Gerda Völk

Mit der feurigen und spritzigen Feuerwehrsatire „Der Grillclub mit dem roten Auto“ starteten am Freitag die diesjährigen Theatertage. Mit dem Vierakter von Carsten Lögering wurde die Maintalhalle in Reundorf wieder einmal zur großen Theaterbühne. Seit Mai hatte die „Maapiraten“-Theatergruppe „Lach a moll“ fleißig geprobt, das Bühnenbild erstellt und auch sonst jede Menge Arbeit in ein Theatervergnügen investiert, das beim Publikum bestens ankam. Ein Hinweis vorneweg: „Was Sie heute sehen, hat mit der Reundorfer Feuerwehr rein gar nichts zu tun“, erklärte Klauß Fischer, Vorsitzender der „Maapiraten“ schmunzelnd.

„Was Sie heute sehen, hat mit der Reundorfer Feuerwehr rein gar nichts zu tun.“
Klauß Fischer, Vorsitzender der „Maapiraten“

Nachdem Kommandant Schmierlapp das Zeitliche segnete, gehörten zur nunmehr führungslosen Truppe Horst Biesenecker (Markus Fischer), Harry Zünder (Andre Roder) und Bastian Müller (Jan Haffner). Oberlöschmeister Horst Biesenecker erklärt sich kurzerhand zum neuen Kommandanten der Wehr. Da taucht Dorfpolizist Otti Becker (Christian Schedel) auf der Bildfläche auf. Die Polizei hat das Feuerwehrauto geblitzt, mit Harry Zünder am Steuer. Allerdings nicht beim Einsatz, sondern bei der Besorgung von 20 Kästen Bier (der Kasten zu 8,88 Euro, da muss man doch zugreifen).

Nicht das erste Mal, denn Harry ist nicht nur Getränkewart, sondern auch dafür zuständig, dass immer ein ordentliches Stück Fleisch auf dem Grill liegt. Außer Bier trinken und Fleisch grillen bringt die Truppe nichts auf die Reihe. Dorfpolizist Otti Becker sollte noch mehrmals auftauchen und immer einen ordentlichen Reibach machen, dafür, dass er Blitzer-Fotos verschwinden lässt.

Kein Alkohol, kein Fleisch, und dann noch eine Frau

Mit dem Auftauchen des Kreisbrandrats Alfons Spritz (Edmund Welsch) und seiner leicht lispelnden Mitarbeiterin aus dem Katastrophenschutz, Ilse Wills (Manuela Fischer), droht dem Schlendrian ein baldiges Ende. Foto: Gerda Völk

Als Kreisbrandrat Alfons Spritz (Edmund Welsch) und seine leicht lispelnde Mitarbeiterin aus dem Katastrophenschutz, Ilse Wills (Manuela Fischer), feststellen, dass diese Situation „slimm, slimm, slimm“ ist (also sehr schlimm), hat der Spaß ein Ende. „Die Feuerwehr ist eine einzige Schand'“, schimpft der Kreisbrandrat und droht mit der Auflösung der Truppe. Mit Ina Scharf (Melanie Franke) wird eine neue, junge Feuerwehrkommandantin eingesetzt, die zu allen Überfluss auch noch Vegetarierin ist und den Alkohol meidet. Ein Kulturschock für die Männer, die Frauen bisher nur zum Putzen des Feuerwehrhauses und nach Grillfeten brauchten.

Mogelpackung: Die Bierflasche versteckt sich in einer Milchtüte. So umgehen die Männer das strikte Alkoholverbot. Foto: Gerda Völk

Jedenfalls räumt die Kommandantin den Laden erst mal richtig auf. Statt mit Bier und Schnaps wird der Kühlschrank mit Saft und Wasser gefüllt, und die Grillecke wird zur Pausenecke. Erst, als Ina Scharf auch noch die Ehefrauen von Horst und Harry, Helga (Susanne Seubert) und Frieda (Sabine Göbel), in die Feuerwehr aufnimmt, rebellieren die Männer. Es kommt zum Wettkampf, bei der die Dorfratschen Hilde Drunk (Christine Dinkel) als Schiedsrichterin fungieren soll.

Vergnügliche Zerreißprobe für die Feuerwehrmänner

Lange Gesichter bei den Männern der Reundorfer Feuerwehr, die mit Ina Scharf (Melanie Franke) eine junge Kommandantin vor die Nase gesetzt bekommen haben. Foto: Gerda Völk

Bei der Feuerwehrolympiade geht es um Geschicklichkeit, Ausdauer, Konzentration, Koordination, Wissen, Kraft und Teamwork. Der Geschlechterkampf im dritten Akt gestaltet sich als Zerreißprobe für die Männer, für die Zuschauer wird es ein Angriff auf ihre Lachmuskeln. Es geht Schlag auf Schlag, eine furiose Szene jagt die nächste. Auch, wenn es zunächst so ausschaut, als ob die Unparteiische bestechlich wäre, greift Hilde Drunk doch hart durch.

Wer wird aus dem Geschlechterkampf wohl als Sieger hervorgehen? Foto: Gerda Völk

Am Ende muss sie ins Dorf gehen und vom Ausgang des Wettkampfs berichten. Ob allerdings Räucheraal und Spanferkel zu den lebenden Tieren zählen, darf bezweifelt werden. Über jeden Zweifel erhaben sind dagegen die Leistungen der Schauspieler, die grandios spielten. Ein unbeschwertes Theatervergnügen, für das das begeisterte Publikum kräftig applaudierte.

Für die kommenden Aufführungen der „Reundorfer Theatertage 2019“ gibt es leider keine Karten mehr, da schon ausverkauft.

Von Gerda Völk

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