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LICHTENFELS

Kostbare Momente mit Shoko Kawasaki in Lichtenfels

Kostbare Momente mit Shoko Kawasaki in Lichtenfels
Die Pianistin Shoko Kawasaki bei ihrem gefühlvollen Klavierkonzert. Foto: Karin Sträßner

Die herbstlichen Sonnenstrahlen spiegelten sich im paillettenbesetzten Kleid von Shoko Kawasaki. Ihre zarten Finger ließ sie geschickt über die Tasten des Klavieres gleiten und entlockte diesem wunderbare Klänge von Meistern der Romantik. Chopin und Liszt standen auf dem Programm von „Weltklassik am Klavier“ am Sonntagabend in der ehemaligen Synagoge in Lichtenfels.

Die Pianistin Shoko Kawasaki spielte sich mit ihrem unglaublichen Talent in die Herzen der Zuhörer. Mit den Etüden op 25 von Chopin ließ sie die ganze Klangschönheit aufblitzen und erhob das Werk durch die Vergänglichkeit des Augenblicks in das Reich der Unvergänglichkeit. Hingebungsvoll unterstrich sie die kostbaren Momente jedes einzelnen der zwölf Stücke. So waren sowohl das klassikerprobte Publikum als auch Neueinsteiger begeistert.

Dramatisch und fröhlich-leicht, vor allem aber unendlich gefühlvoll

Mit unendlich viel Gefühl von dramatischen wie auch fröhlich-leichten Passagen verstand es die Pianistin, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen. Mucksmäuschenstill war es. Nur die sphärischen Klänge des Klaviers erfüllten den Raum mit Leben. Schöne, flüchtige Klaviertöne wurden zur Phrase. Die Phrasen bildeten die Musik. Die Musik ist eine schöne flüchtige Zeit.

Die Seele wurde von dem gefühlvollen Spiel der begabten Japanerin frei. In eine andere Zeit versetzt. In die der großen Komponisten Anfang des 19. Jahrhunderts.

Kostbare Momente mit Shoko Kawasaki in Lichtenfels
Shoko Kawasaki genießt nach ihrem wundervollen Auftritt den frenetischen Applaus des Publikums. Foto: Karin Sträßner

Auch bei der h-Moll-Sonate von Liszt ließ die Künstlerin keine Wünsche offen. Das Stück dauerte 30 Minuten. Ohne Unterbrechung. „Es ist kein Sport“, wie Shoko Kawasaki betonte. Dennoch verlange die Sonate einiges vom Pianisten. „Die Sonate ist wie das Leben eines Menschen: philosophisch und dramatisch!“, erklärte sie. Shoko Kawasaki verstand es auch hier perfekt, dies in Klang auszudrücken. Wenn man sich in die wunderbare Musik von Liszt vertieft, kann man die Vergänglichkeit der schönen Momente und der dramatischen Visionen erfühlen. Die Zeit verging leider viel zu schnell.

„Die Sonate ist wie das Leben eines Menschen: philosophisch und dramatisch!“
Shoko Kawasaki, Pianistin

Trotz der engagierten Veranstalter und dem außergewöhnlichen Talent der Künstlerin blieben einige Plätze frei. Dies bedauerte auch eine Besucherin: „Es ist sehr schade, dass das tolle Programm nicht besser angenommen wird. Dann darf sich auch keiner beschweren, wenn in Lichtenfels nichts los ist!“ Die Zuhörer waren durchwegs begeistert. „Es ist schon wunderbar! Man sitzt so nah dran wie bei einem Hauskonzert“, freute sich eine Dame aus dem Publikum. Sonst spielt Shoko Kawasaki vor wesentlich mehr Zuhörern.

Frenetischer Beifall für ein tolles Konzert

Kein Wunder, dass sie mit frenetischem Beifall belohnt wurde. Als Zugabe spielte sie den sehr romantischen „Liebestraum“ von Franz Liszt.

Roberto Bauer bedankte sich bei der „Powerfrau“ für das tolle Konzert mit wunderschönen Momenten. Shoko Kawasaki nannte er eine Bereicherung. Außerdem wies er auf künftige Veranstaltungen der Konzertreihe „Weltklassik am Klavier“ hin.

Kostbare Momente mit Shoko Kawasaki in Lichtenfels
Eine Rose aus der Korbstadt Lichtenfels von Roberto Bauer als Dankeschön für die Pianistin. Foto: Karin Sträßner

Shoko Kawasaki begann bereits im zarten Alter von drei Jahren mit dem Klavierspielen. Heute ist sie eine renommierte, international konzertierende Pianistin und promovierte Musikwissenschaftlerin.

Die Japanerin ist Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe, wie dem „Ennio Porrino“ oder der „Massarosa International Piano Competition“.

Viele ihrer Auftritte wurden für das Fernsehen oder Radio aufgezeichnet. 2017 erschien ihr hoch gelobtes Soloalbum „Visions“.

 

Von Karin Sträßner

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