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LICHTENFELS

Gute Stube für Lichtenfels und Tor zum Stadtschloss

371624 Plaene
Der Innenhof der siegreichen Arbeit mit den sanft ansteigenden Treppen und Blick auf das Stadtschloss. Foto: Grafiken: Studio Gründer Kirfel

Der Architekturwettbewerb „Stadtbücherei am Marktplatz 10“ trat in die entscheidende Phase. Das Preisgericht tagte Donnerstag und die Bürger mussten nur bis Samstag warten, bis sie bei der Vernissage im Stadtschloss die Gewinner des Wettbewerbs und nähere Einzelheiten erfuhr.

Auch der Innenraum der Bibliothek ist beim Sieger-Entwurf ansteigend und bietet Sitzstufen zum gemütlichen Lesen. Foto: Alfred Thieret

Durch die mutige und vorausschauende Entscheidung der Vorgänger im Amt des Bürgermeisters (Dr. Bianca Fischer) und des Stadtrats, das Haus Marktplatz 10, das eine Schlüsselposition am Marktplatz einnimmt, zu erwerben, sei dieses Bauvorhaben mit einer Verbindung vom Marktplatz zum Stadtschloss erst möglich gewesen, hob Bürgermeister Andreas Hügerich hervor. Sein Dank galt Marek Stadthaus vom Büro Schirmer Architekten, der mit der Auslobung beauftragt war und den Fachpreisrichtern unter Vorsitz von Professor Stephan Häublein.

Ein Modell der siegreichen Arbeit zeigt einen Überblick über das gesamte Projekt mit Blick vom Marktplatz zum Stadtschloss. Foto: Studio Gründer Kirfel

Marek Stadthaus beglückwünschte die Stadt zu ihrer Entscheidung für einen Wettbewerb. Bei der europaweiten Ausschreibung hätten sich über 60 Architekten gemeldet und 15 Wettbewerbsbeiträge abgegeben, die im Stadtschloss zu sehen waren.

Professor Stephan Häublein, Architekt und Stadtplaner aus Kulmbach, sprach von einem außergewöhnlich guten Ergebnis des Wettbewerbs. Bei der spannende Aufgabe sei es wichtig gewesen, eine ansprechende Verbindung vom Marktplatz zum Stadtschloss zu schaffen, das Haus Marktplatz angemessen zu sanieren vor allem im Hinblick auf die Fassade sowie die Stadtbücherei und die Tourismusinformation in Einklang zu bringen. Hierzu könnten sicher noch Gespräche in Bezug auf eine Optimierung geführt werden.

Der mit 20 000 Euro dotierte erste Preis wurde dem Studio Gründer Kirfel aus Bedheim zugesprochen, das durch Florian Kirfel und Nikola van der Werf vertreten war. Der Entwurf beeindruckte durch seinen geometrisch klar entwickelten, lang gestreckten Bibliotheksbereich auf der Ostseite des Hofes. Um den Höhenunterschied zum Stadtschloss zu mindern, führt im Hof eine sanft ansteigende Treppe mit flachen, breiten Stufen bis zum ersten Obergeschoss. Am Ende des Hofs führt eine Treppe auf die Dachterrasse über dem Lesesaal und weiter bis zum Stadtschloss. Dadurch wird die hohe Stützwand räumlich überwunden. Jeweils drei Gehstufen sind zu einer Sitzstufe zusammengefasst, was vielfältige Nutzungen im Hof ermöglicht.

Toreinfahrt wieder in der Mitte der Fassade

Bei der Arbeit des zweiten Preisträgers sticht die große Treppe im Innenhof hervor. Foto: Alfred Thieret

Parallel dazu steigt auch der Innenraum treppenförmig an. Ein Dachgarten bietet Sitzgelegenheiten. Ein Aufzug steht für die Verwaltung zur Verfügung, während der Aufzug in der Bücherei zu den Öffnungszeiten zusätzlich als barrierefreie Verbindung zum Schloss dient. Durch die Treppenstufen ist allerdings keine Barrierefreiheit in der unteren Bibliotheksebene sowie im Innenhof gegeben. Dies gilt es im Vergabeverfahren zu optimieren. Im Bestand und bei der Fassade wird viel Holz verwendet. Von außen gliedert sich die Stadtbücherei in drei Baukörper, den historischen Bau am Marktplatz, den Lesesaal und ein Hinterhofhaus.

Dies bedeutet, dass die in der 1970-er Jahren für den damaligen Aldi-Markt asymmetrisch versetzte und vergrößerte Tordurchfahrt künftig wieder mittig im Gebäude sitzen wird. Auch die Proportionen des öffentlichen Durchgangs zum Stadtschloss werden auf eine verträgliche Größe zurückgenommen.

Der Wettbewerbsbeitrag der Architekten des dritten Preisträgers zeichnet sich ebenso wie die Arbeit des zweiten Preisträgers durch eine mächtige Treppe im Innenhof aus. Foto: Alfred Thieret

Der mit 11 000 Euro dotierte zweite. Preis ging an das Architekturbüro Baum-Kappler Architekten aus Nürnberg, dessen Entwurf laut Häublein dem des Siegers nur wenig nachstand. Der terrassierte Neubau fügt sich behutsam an das Bestandsgebäude an und bietet über eine Staffelung qualitätsvolle Außenbereiche, einen Innenhof und zwei Terrassen eine Lösung der Höhensituation. Die Fassadengestaltung des Bestandsgebäudes zum Marktplatz bleibt im Hinblick auf ihren historischen Charakter weitgehend erhalten. Ein öffentliches Café befindet sich im Neubau und ist zum Innenhof orientiert.

Über den mit 6500 Euro dotierten dritten Preis freuten sich die K.u.G.-Architekten aus München. Als sehr gut gelungen wurde der einladende, geradlinige Treppenaufgang empfunden, über den die sich über drei Etagen erstreckende Bibliothek erreichbar ist.

Café als Nahtstelle zwischen Bibliothek und Touristinfo

Das Bibliothekscafé bildet die Nahtstelle zwischen Touristinfo und Bibliothek. Die kontrovers diskutierte Klinkerfassade kann man mit einer Flechtstruktur in Verbindung bringen.

Die Ausstellung wird noch bis Sonntag, 20. Oktober, zu sehen sein.

 

thi

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