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BAMBERG / COBURG

Theater: Klassiker und zeitgenössische Dramatik

Die Uraufführung des Stücks „Der Reichskanzler von Atlantis” erfolgt am Sonntag, 13. Oktober, im ETA-Hoffmann-Theater Bamberg. Im Bild zu sehen ist Schauspieler Oliver Niemeier. Foto: Peter Krauch

Fortschritt! Das ist das Motto, das sich das ETA-Hoffmann-Theater für die neue Spielzeit gegeben hat. Fortschritt in all seinen Facetten – technologisch, wissenschaftlich, gesellschaftspolitisch. In einer Geschwindigkeit, die den menschlichen Geist zu überholen scheint. Die Bamberger Theatermacher bemühen in ihrer Ankündigung so auch Goethes Zauberlehrling: „Die ich rief, die Geister, wird‘ ich nun nicht los.“

Das Team um Intendantin Sibylle Broll-Pape und Chefdramaturgen Remsi Al Khalisi präsentiert einen abwechslungsreichen Spielplan aus Klassikern und zeitgenössischer Dramatik. Es ist eine Spezialität des ETA-Hoffmann-Theaters, gesellschaftspolitische Fragen aufzugreifen und auf die Bühne zu bringen.

„Der Reichskanzler von Atlantis“

So etwa am 13. Oktober 2019 mit der Uraufführung des Theaterstücks von Björn SC Deigner „Der Reichskanzler von Atlantis“. Es ist eine böse Farce, in der das Absurde der Reichsbürgerszene zur Schau gestellt wird: Der Reichskanzler sitzt am Schreibtisch, er faxt Beschwerdepost, er hört Chopin, er führt sein Reich, während seine Frau Jutta ihm altdeutschen Apfelkuchen backt. Kraft für seine hoheitlichen Aufgaben schöpft der Reichskanzler aus dem Haar seiner Gattin. Sie kann die arische Urkraft Vriil aus dem All empfangen, ein weibliches Privileg, für das sie sich glücklich zu schätzen weiß.

Björn SC Deigner wurde 1983 in Heidelberg geboren. Er lebt und arbeitet in Berlin, ist Autor für Theater und Hörspiel sowie Sounddesigner und Komponist an verschiedenen deutschen Theatern. Umgesetzt wurde sein aktuelles Stück, das im Studio des ETA-Hoffmann-Theaters zur Aufführung gelangt, unter Regie von Brit Bartkowiak (39), die 2013 in der jährlichen Kritikerumfrage von der Fachzeitschrift Theater heute auf Platz zwei in der Kategorie Nachwuchsregisseur gewählt wurde. Sie arbeitet in der Spielzeit 2019/20 erstmalig auch in Bamberg.

„Faust 1 in 2“

Zwei Tage vor der Uraufführung, am 11. Oktober 2019, hat auf der Großen Bühne des Bamberger Theaters „Faust 1 in 2“ (Johann Wolfgang Goethe) Premiere. Hier führt Sibylle Broll-Pape Regie. In der Ankündigung heißt es unter anderem: „Faust 1 ist der Tragödie bekannterer, Faust 2 vielleicht der Tragödie brisanterer Teil, denn Goethe hat darin die Herausforderungen unserer Tage hellsichtig und dunkel zugleich vorgezeichnet: Krieg, Korruption, Naturzerstörung, Wirtschaftsturbulenzen. In dem überreichen Text lässt sich der Ausblick auf eine globale Beschleunigung aller Lebensbereiche, auf Big Data, Gentechnik und KI herauslesen und die ewige Frage, „was die Welt im Innersten zusammenhält“, auch für das 21. Jahrhundert stellen.“

„Das Rheingold“

Am Landestheater Coburg beginnt die Saison am Samstag, 29. September, im Großen Haus mit der Aufführung von Richard Wagners Libretto „Das Rheingold“. Mit dem Vorabend des Bühnenfestspiels „Der Ring der Nibelungen“ wagt sich das Theater der Vestestadt nach fast 55 Jahren wieder an eine Aufführung des kompletten „Ring“-Zyklus, der über vier Jahre hinweg um einen Teil wachsen wird.

Theater-Saison mit Klassikern und zeitgenössischer Dramatik
Musikalisch geht es ab Sonntag, 6. Oktober, mit der Operette „Der Vetter aus Dingsda“ zu. Foto: Henning Rosenbusch

„Der Vetter aus Dingsda“

Musikalisch geht es am Sonntag, 6. Oktober, mit der Wiederaufnahme der Operette „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke, weiter. Ein schmissiger Operettenspaß mit Ohrwurmcharakter, Libretto von Hermann Haller und Fritz Oliven, nach einem Lustspiel von Max Kempner-Hochstädt.

„Schweig, Bub!“

Fränkisch geht es am 12. Oktober mit dem Volksstück „Schweig, Bub!“ von Fitzgerald Kusz zu: „Eine Familie feiert die Konfirmation des einzigen Sohnes mit einem Festessen. Zwischen Leberknödelsuppe und Festbraten wird viel geredet und der Alkohol fließt in Strömen. Nach und nach entgleitet die Atmosphäre, Konflikte zwischen den Familienmitgliedern werden hochgespült und die Anwesenden machen aus ihren Herzen keine Mördergrube. Nur Fritz, der Konfirmand, kommt nicht zu Wort.

In seinem Klassiker „Schweig, Bub!“ lässt Fitzgerald Kusz die Feier in valentineskem Ausmaß eskalieren. Ganz in der Tradition des modernen Volkstheaters schaut Kusz seinen Protagonisten aufs Maul und ihre kleinbürgerliche Fassade fällt in sich zusammen. Im Großen Haus eröffnet das Schauspiel die Spielzeit mit der Komödie in einer Inszenierung des Schauspieldirektors Matthias Straub.

„Carmen“

Ein Klassiker steht am Freitag, 18. Oktober, als Wiederaufnahme auf dem Programm des Coburger Musiktheaters. Geboten wird Georges Bizets „Carmen“.

„Ballet Rocks!“

Wer es rockiger mag, dem sei eine Woche später, am Samstag, 26. Oktober, „Ballet Rocks!“ empfohlen. Das ist eine Rock-Revue von Mark McClain mit den rauen Stimmen, harten Rhythmen und Riffs von E-Gitarren der 1950er und 60er Jahre. Rockmusik als Ausdruck eines Lebensgefühls, als Synonym für Freiheit und Selbstbestimmung: wild, sexy und auch ein bisschen romantisch.

Mark McClain, der Direktor des Coburger Balletts, spürt diesem Lebensgefühl nach und begibt sich auf eine Reise durch die Welt der Rockmusik: von den Anfängen mit Elvis Presley, The Beach Boys über Aerosmith, Chicago, Guns N` Roses bis U2, Michael Jackson und Imagine Dragons. Ein Ballettabend voller Witz, Esprit und Lebenslust.

„Sternstunde des Josef Bieder“

Eine liebevolle Hommage ans Theater wird in der Coburger Reithalle am Freitag, 4. Oktober, mit der „Sternstunde des Josef Bieder“ geboten. Es ist eine Paraderolle für einen Schauspieler mit sängerischen Qualitäten. Das Stück von Eberhard Streul handelt vom Chefrequisiteur Bieder, der die Theaterbühne für die nächste Vorstellung einrichten möchte und zu seiner Überraschung einen gefüllten Zuschauerraum vorfindet. Das ist seine Chance. Josef Bieder nutzt die Gunst der Stunde und gibt Innenansichten des Theaters aus der Perspektive eines Requisiteurs zum Besten. Zwar gilt seine Leidenschaft eindeutig dem Musiktheater, aber Schauspiel und Ballett bekommen in seinem spartenübergreifenden Rundumschlag ebenso ihr Fett weg.

„Wunderland“

Ein Songzyklus für drei Sänger und vier Instrumente beschließt die Premierenaufführungen des Landestheaters Coburg im Oktober. Anno Schreiers „Wunderland“ mit Texten von Alexander Jansen nach Lewis Carrols „Alice im Wunderland“ wird in der Reithalle ausgeführt.

Theater-Informationen

ETA Hoffmann Theater Bamberg

E.T.A.-Hoffmann-Platz 1

96047 Bamberg

www.theater.bamberg.de

Tel. (0951) 873030

Telefax: (0951) 873039.

Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn.

Landestheater Coburg

Schloßplatz 6

96450 Coburg

www.landestheater-coburg.de

Tel. (09561) 898900.

Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung können ausschließlich Karten für die bevorstehende Aufführung gekauft werden. Telefonische Bestellung unter Tel. (09561) 898989.

Theater-Saison mit Klassikern und zeitgenössischer Dramatik
Musikalisch geht es ab Sonntag, 6. Oktober, mit der Operette „Der Vetter aus Dingsda“ zu. Foto: Henning Rosenbusch

Von Mathias H. Walther

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