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LICHTENFELS

Mildes Urteil für Lichtenfelser Cannabis–Züchter

Cannabis
Foto: A4045/_Susana Gonzalez (dpa)

Es kommt ausgesprochen selten vor, dass ein Prozessbeteiligter wegen seines Aufzugs gemaßregelt wird. Am Dienstag begann ein Verfahren am Amtsgericht genau damit. Richter Alexander Zenefels sah in einem T-Shirt-Aufdruck die Würde des Gerichts verletzt und ermahnte den Angeklagten, ein anderes anzuziehen.

Grund: „Waschbrett Bauch hatte ich schon steht mir nicht“, stand dort groß und ziemlich falsch aufgedruckt. Der Mann aber hatte keine passendere Kleidung dabei und so hatte er sein T-Shirt so zu drehen, dass der Aufdruck auf seinen Rücken gelangte. Dann hatte Staatsanwalt Matthias Jakob Gelegenheit zum Verlesen der Anklageschrift.

Am 25. Mai 2017 habe der 52-jährige aus dem Landkreis Lichtenfels demnach einen Cannabissamen in Besitz genommen, aufgepäppelt und im Oktober zu einer Höhe von einem Meter herangezogen. Überdies fand sich bei einer Begegnung am 1. November 2018 eine Schreckschusspistole in seinem Besitz - aufgebohrt und mit Munition, also gefährlicher als eine Schreckschusspistole.

Ein Tütchen mit Marihuana-Blüten

Zudem führte der Mann zu einem anderen Zeitpunkt 3,87 Gramm Marihuana mit sich und auch fand sich am 1. Dezember 2017 ein Druckverschlusstütchen mit Marihuanablüten unter der Mülltonne einer Rechtsanwaltskanzlei. Wollte der von Rechtsanwältin Annet Raumschüssel vertretene Mann einst bei der Polizei nicht sagen, von wem er den Cannabissamen erhalten hatte, so äußerte er sich jetzt wohl zu dazu.

In Bezug auf die Waffe hingegen schilderte er sich als mit ihrer Bedienung im Grunde wenig vertraut. „Dass noch eine Patrone drin war, habe ich nicht gewusst“, erklärte er. Von einem gewissen „Specki“ habe er vor zwei Jahren die Waffe erhalten, jener Specki sei mittlerweile aber verstorben. Bei dem Druckverschlusstütchen gab es wenig zu erklären oder zu bezweifeln. „Ein Spurentreffer“, so ein Polizist später im Zeugenstand, habe den früher schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geratenen und dafür geahndeten Mann als denjenigen entlarvt, der die Tüte wohl in Händen hatte. Die aber, so der Angeklagte, habe er nicht unter der Tonne deponieren wollen, sondern lediglich in ihrer Nähe verloren.

Mit Ausnahme eines Zeugen, der verspätet kam, ging die Vorhandlung zügig vonstatten und im Grunde waren die Sachverhalte klar genug. Unklar war hingegen, wie der Mann zu bestrafen war. Der Grund: Er wurde straffällig unter laufender Bewährung. Jakob betonte, dass die Taten „stark an der Grenze zwischen Geldstrafe und Freiheitsstrafe“ zu ahnden seien, eben wegen des Umstands der offenen Bewährung.

Doch da der 52-Jährige in vergangener Zeit seine Lebensumstände einigermaßen sortiert habe, die Taten schon geraume Zeit zurück liegen und es sich in Bezug auf die Drogen um „weiche Drogen“ handelte, plädierte Jakob für 1800 Euro Geldstrafe. Raumschüssel plädierte auf 1500 Euro.

Ein eher mildes Urteil gefällt

Richter Zenefels sollte vergleichsweise milde entscheiden. Wegen Anbau und Besitz von Betäubungsmitteln ohne berechtigten Umgang mit ihnen, wegen fahrlässigem unerlaubtem Besitz einer Schusswaffe und weiterem Besitz von Betäubungsmitteln wurde 1100 Euro Geldstrafe verhängt.

Von Markus Häggberg

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