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LICHTENFELS

Lichtenfelser Stadtentwicklung wird nachhaltiger

Im Baugebiet in Reundorf entstehen rund 50 neue Einfamilienhäuser. Am Montag stimmte der Stadtrat für die Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes, der seinen Schwerpunkt jedoch künftig auf die Entwicklung der Innentwicklung der Siedlungen legen will. Neue Baugebiete im Außenbereich wie hier sollen künftig vermieden werden. Foto: Sascha Ott

Im Mai beschloss der Stadtrat die Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes, da der bestehende aus den 1980-er Jahren „einem Flickwerk gleicht“, wie es Stadtbaumeister Gerhard Pülz formulierte. Am Montagabend legte das Gremium nun sechs strategische Eckpunkte für das laut Erstem Bürgermeister Andreas Hügerich „richtungsweisende“ Werk fest.

„Wir wollen ökologischer werden, nachhaltiger Bauen und mehr auf die Innentwicklung der Siedlungen setzen!“, stellte Stadtbaumeister Pülz das für das kommenden Jahr geplante Projekt vor. Konkret sollen künftig Ausweisungen von Bauflächen im Außenbereich vermieden werden. „Wir wollen diese nur noch dann forcieren, wenn alle Möglichkeiten zur Innenentwicklung ausgeschöpft sind und langfristige Prognosen eine Zunahme des Siedlungsdrucks erwarten lassen“, sagte Pülz. Zur Innenentwicklung zählte er unter anderem die Revitalisierung von Brachflächen oder die Nutzung von Baulücken.

Im neuen Flächennutzungsplan will die Stadt zur Verbesserung der kleinklimatischen Bedingungen im Stadtgebiet langfristig „Grüne Oasen“ schaffen. Um Ortsbild- oder landschaftsprägende Gebiete sowie Sichtachsen zu kulturellen Bauwerken wie Vierzehnheiligen oder Kloster Banz freizuhalten, will die Stadt diese Flächen dauerhaft unbebaut lassen.

Flächen für regenerative Energien ausweisen

Ferner sollen als Bauflächen ausgewiesene Grundstücke entfallen, wenn diese mittel- bis langfristig nicht bebaut werden können, weil der Eigentümer nicht verkaufen will oder keine Nachfrage herrsche. Schließlich will die Stadt Flächen kennzeichnen, auf denen der Bau von Photovoltaik-, Biogas-, Windkraft- oder Wasserkraftanlagen möglich sei. Außerdem will die Stadt die Bauleitplanung auf den Schutz von Bäumen und Alleen sowie die Aufforstung von Wäldern ausrichten.

„Wir wollen ökologischer werden, nachhaltiger bauen und mehr auf die Innentwicklung der Siedlungen setzen!“
Gerhard Pülz, Stadtbaumeister

Von allen Seiten gab es Lob für die vorgestellten Ziele. Zusätzlich mahnten Roland Lowig und Johannes Oppel (beide WLJ) an, die Dörfer bei der Entwicklung nicht zu vergessen. Kritisch äußerten sie sich auch zu möglichen Windkraftanlagen. Darauf Gerhard Pülz: „Wir wollen den Gottesgarten nicht ,verspargeln‘, aber wir müssen über kleinere Windkraftanlagen nachdenken dürfen.“

Verschiedene Optionen für Interessenten anbieten

Im Flächennutzungsplan legt eine Kommune Wohn- oder Gewerbegebiete wie hier in Schney fest und hat damit ein wichtiges Instrument für die eigene Entwicklung in der Hand. Foto: Sascha Ott

Philipp Molendo (JB) betonte, dass er Lichtenfels durchaus als „Zuwachsgebiet“ sehe, deswegen solle die Stadt auch künftig verschiedene Optionen für Bauwillige anbieten. Robert Gack (CSU) hob die Beteiligung von Stadtrat und Bürgern an der Entwicklung des neuen Flächennutzungsplanes hervor. Ähnlich äußerte sich Arnt-Uwe Schille (SPD) und betonte, die Bürger in den Ortsteilen mit ins Boot zu nehmen.

„Sehr sinnvoll, aber auch sehr ambitioniert“, nannte schließlich Bernhard Christoph (Grüne) das Strategiepapier, das den sich aktuell dramatisch ändernden Rahmenbedingungen durch den Klimawandel Rechnung trage.

Rechnung trägt der Stadtrat auch der Förderinitiative „Innen statt Außen“ des Freistaats. Mit dieser will Ministerpräsident Markus Söder Kommunen beim Flächensparen unterstützen, dazu bei der Revitalisierung innerörtlicher Bausubstanz sowie der Revitalisierung innerörtlicher Brachflächen. Gefördert werden laut Stadtbaumeister Pülz sowohl Kommunen als auch Privatleute. „Die Stadt hat in vergangenen Jahren viel gemacht, um an die Fördertopf ranzukommen“, sagte er.

Erschließungskosten für die Innenstadt entfallen

Bürgermeister Hügerich brachte den Aspekt der Erschließungskosten ins Spiel: „Wenn wir immer weiter nach außen gehen, müssen wir hier eine Infrastruktur aufbauen. Für Vorhaben in der Innenstadt haben wir die Infrastruktur bereits, also sparen wir Ausgaben.“

Kritik gab es von Roland Lowig, der monierte, dass Vorhaben in den Dörfern, die nicht im Dorferneuerungsprogramm beteiligt sein, nicht gefördert würden. „Seit Jahren fordern wir, dass unsere Dörfer ins Programm aufgenommen werden. Passiert ist nichts. Und damit werden wir auch jetzt im Regen stehen gelassen“, schimpfte der Islinger Stadtrat.

Diese Kritik wies Rathauschef Hügerich zurück: „Wir können nicht alle Ortsteile fürs Dorferneuerungsprogramm anmelden.“

Dritter Bürgermeister Winfried Weinbeer (FW/FB) lobte das Programm, mit dem der Freistaat einen Anreiz biete, Baulücken zu schließen. „Mit den Zuschüssen können wir hoffentlich die Grundstückseigentümer überzeugen, ihre Flächen zu verkaufen“, sagte er. Das sah das Gremium auch so und befürwortete einstimmig die Stärkung der Innenentwicklung und die Nutzung der bestehenden Bausubstanz.

Aus dem Stadtrat

Die Stadt erhält eine neue Erschließungsbeitragssatzung (EBS). Damit passte das Gremium die bisherige EBS an das vom Bayerischen Gemeindetag erarbeitete Satzungsmuster zur Erhebung von Erschließungsbeiträgen an.

Einer Empfehlung des Hauptausschusses folgte der Stadtrat bei einer Gegenstimme, als er der Regelung über einen möglichen Teilerlass von 20 Prozent bei Erschließungsgebühren grünes Licht erteilte. Die betrifft Erschließungsanlagen, die vor mindestens 25 Jahren erbaut wurden und deren Beitragspflicht zwischen dem 9. September 2019 und 31. März 2021 entstanden sind oder entsteht.

Eigentlich hätte in der vor 15 Jahren erschlossenen Straße Am Jägersbrunnen in Roth noch ein Wendehammer gebaut werden sollen. Nach Auffassung der Bauverwaltung kann auf diesen jedoch verzichtet werden, weshalb der Stadtrat eine Planungsunterschreitung für den Bebauungsplan 54 beschloss.

Auf Nachfrage von Bernhard Christoph (Grüne) soll die Verwaltung eine möglich NSDAP-Mitgliedschaft von Baptist Hofmann klären. Nach dem einstigen Zweiten Bürgermeister von Lichtenfels, der mit einer weißen Fahne kurz dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Korbstadt an die US-Army übergab und damit vermutlich vor der Zerstörung bewahrte, hatte der Stadtrat kürzlich die „Bürgermeister-Dr.-Baptist-Hofmann-Straße“ benannt.

 

Von Steffen Huber

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