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LICHTENFELS

Joanna Denks Zirkusauftritt in Lichtenfels ist ein Heimspiel

Silvano Schmidt und seine Frau Joanna Denk mit ihren Kindern Cayenne (9 Jahre), Teggiano (5) und Diego (8)- Savanna, gerade sieben Monate alt, hält gerade im Nachbarzimmer ein Nickerchen. Foto: Till Mayer

Auf dem Schützenplatz fing alles an. Genauer am Rand der Ponyreitbahn. Vor gut einem Jahrzehnt war das. Und Joanna Denk ein Teenager, die in dem Schaustellerbetrieb ihrer Eltern arbeitete. Silvano Schmidt gastiert mit dem „Circus Show Robini“ in Sonneberg. Sein Besuch auf dem Lichtenfelser Schützenfest hat Folgen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, lacht Joanna Denk. Und Silvano Schmidt, 33 Jahre, blickt bei diesen Worten im großen Wohnwagen ganz stolz auf seine Frau.

Vor dem Wagen steht die Zirkuswelt. Das große Zelt mit der Manege. Ein kleineres als Stall für die Tiere samt eingezäuntem Auslauf, die Wohnwägen der Familien. Ein halbes Dutzend Kamele blickt interessiert den Besucher an, ein Zwergpony döst in der Sommerhitze.

Im Familien-Wagen türmen sich auf einem Tisch Geschenke. Teggiano feiert seinen „Fünften“. Das Hauptpräsent ist ein ferngesteuerter Mini-Maserati, der schon über den Asphalt des Schützenplatzes surrt.

Am Obermain aufgewachsen

Mutter Joanna Denk ist in Ebensfeld aufgewachsen, ging in Lichtenfels zur Berufsschule. Die Eltern stammen aus einer Schaustellerfamilie, die sesshaft wurde.

Geburtstagsparty läuft, Teggiano wird fünf. Foto: Till Mayer

Heute besitzen ihre Eltern einen Reitstall in Schwürbitz, die Großmutter lebt in Lichtenfels. „Kommen wir mit dem Zirkus nach Lichtenfels, ist schon viel Heimat dabei“, sagt die junge Frau.

Eine Entscheidung für das Leben fällte sie schon mit 19 Jahren. „Bei uns Schaustellern ist es nicht so üblich, dass man erst einmal viel ausprobiert, bevor geheiratet wird. Da geht es strenger zu“, erklärt der 33-Jährige.

„Wir bieten eine Show,

die greifbar ist. So ganz anders als auf dem Smartphone oder im

Fernsehen. “

Silvano Schmidt, Zirkus-Chef

Joanna Denk weiß damals schon, welch wichtigen Entschluss sie fasst. Heute hat das Paar bereits vier Kinder. Savanna, sieben Monate alt, ist das jüngste. Cayenne mit neun Jahren die Älteste. Bis auf das Neugeborene helfen die Kinder auch schon im Zirkus mit. „Ohne Zwang natürlich. Es muss ihnen Spaß machen. Teggiano kann mit seinen fünf Jahren mittlerweile sogar Kunststücke auf dem Zwergpony und tritt damit auf“, sagt sein stolzer Vater. Den gibt es übrigens als Clown in der Manege zu erleben, seine Frau bei der Western-Show und als Schneemann Olaf.

Die kleine Savanna ist der jüngste Sproß der traditionsreichen Schaustellerfamilie. Foto: Till Mayer

Der Zirkus ist mehr als nur ein Beruf

Der Zirkus ist für die Familie das Leben, nicht nur ein Beruf, eine Arbeitsstelle. Das Unterwegssein wird geliebt, auch wenn es Kraft kostet. Es ist nicht so, dass die 29-Jährige nicht auch einem eigenen Haus etwas abgewinnen könnte. Der Alltag in einem Wagen, auch wenn er sehr geräumig ist, hat klare Grenzen und Einschränkungen. Trotz gemütlichen Sofas und Ölkamin. Jedes Mal gilt es bei einer neuen Station für das Grundlegendste zu sorgen: Strom und Wasser.

„Beides wird immer teurer. Dank der Schützen können wir in Lichtenfels günstig Strom nehmen. Hätten wir ihn beim Stromanbieter beziehen müssen, wären die Anschlussgebühren zu hoch für uns gewesen, ein Vielfaches, an dem was wir verbrauchen“, so Silvano Schmidt.

Zirkusleben bedeutet immer auf den Cent zu kalkulieren. Das ist nicht einfach. Der „Circus Show Robini“ ernährt schließlich 25 Menschen und viele Tiere. Zirkusse sind nicht als Kulturbetriebe anerkannt, erhalten deshalb keine entsprechende Förderung. „Was wir dagegen einhalten müssen, sind mehr und mehr Auflagen“, erklärt Silvano Schmidt. Viele kleine Zirkusse gaben in den vergangene Jahrzehnten auf. „Circus Show Robini“ hat überlebt. Weil er ein eigenes Show-Rezept hat, auf Qualität setzt und die drei involvierten Familien bereit sind, zu investieren. So erklärt es der 33-Jährige. „Ein Urlaub vom Zirkusleben, der ist dabei natürlich nicht drin“, schiebt Joanna Denk hinterher.

Ein Bad in der Strahlen der Spätsommer-Sonne. Tierschutz wird in der Zirkus-Show groß geschrieben. Foto: Till Mayer

Die Zeiten der Zirkus-Elefanten sind vorüber

Mangelnder Tierschutz war ein wichtiges Thema, der viele Zirkus-Betriebe in Verruf brachte. „Als Kind hatten wir Elefanten und sogar ein Nilpferd, das wäre heute aufgrund der Kosten und Vorschriften gar nicht mehr möglich. Aber mit unseren Kamelen, dem Lama, Ziegen, Hunden und den putzigen Zwergponys bieten wir auch ein Programm, dass sich sehen lassen kann. Und unseren Tieren geht es gut“, meint der 33-Jährige und deutet auf den Auslauf. Ein Gütesiegel für Zirkusse, denen Tierschutz besonders wichtig ist, dass würde Silvano Schmidt gut finden.

„Als Anerkennung würde es dann zum Beispiel eine staatliche Förderung geben. Und mehr Sicherheit für unsere Einnahmen.“

Vor dem Zelt streift gerade eine junge Frau das Schneemann Olaf-Kostüm über und wackelt mit eigentümlicher Eleganz über den Platz. Silvano Schmidt muss da noch immer Schmunzeln. „Das ist das Schöne, was wir mitgeben können.

Schneeman Olaf ist mit seinem besten Freund unterwegs. Foto: Till Mayer

Wir bieten eine Show, die greifbar ist. So ganz anders als auf dem Smartphone oder im Fernsehen. Menschen und Tiere strengen sich an und zeigen tolle Kunststücke. So etwas ist wichtig für Kinder. Das etwas richtig echt ist“, meint der 33-Jährige. Darauf, das sieht man, ist er stolz.

Warum Zirkusleute Optimisten sind

Seine Frau ebenfalls. Ihre Kinder sind schon in der achten Generation Zirkusleute. Die Eltern hoffen, dass diese nicht die letzte in der Familiengeschichte wird. Dass sich ihre Tochter bei der Entscheidung in vielen Jahren vermutlich noch größeren Herausforderungen gegenübersieht, das weiß das Paar. „Aber wenn man sich anstrengt und hart arbeitet, dann geht alles“, sagt Silvano Schmidt, der weiß, dass der Zirkus vor allem eines braucht: Optimisten.

"Auch Kamele lieben Leckerlis", weiß Silvano Schmidt. Foto: Till Mayer

Die Vorstellungen in Lichtenfels auf dem Schützenplatz: bis 1. September täglich um 17 Uhr und am Sonntag um 14 Uhr. Sonntag ist Familientag. Nächste Station ist Oberlangenstadt: vom 6. bis 8. September auch hier 17 Uhr; außer Sonntag um 14 Uhr.

Von Till Mayer

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