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LICHTENFELS

"Keine Häufung bei den Kündigungen"

Der bayerisch-thüringische Klinikverbund Regiomed mit Sitz in Coburg baut an der Krappenrother Straße in Lichtenfels eine Großküche. Dafür mussten nun zusätzliche Finanzen bereit gestellt werden. Foto: Markus Drossel

Lichtenfels Angesichts der finanziellen Probleme bei Regiomed vergeht derzeit keine Woche, in der nicht neue Spekulationen über die Zukunft des Klinikverbunds die Runde machen. Wir haben erneut beim Geschäftsführer der bayerischen Regiomed-Kliniken Robert Wieland nachgefragt. Diesmal, wie es mit dem Bau der Großküche in Lichtenfels weitergeht und ob es bereits Stellenstreichungen im Lichtenfelser Klinikum gegeben hat.

OT: Angeblich hat es im Lichtenfelser Klinikum bereits Entlassungen beim Pflegepersonal und bei den Technikern gegeben, zumindest seien Zeitarbeitsverträge nicht verlängert worden. Ist dies korrekt? Wenn ja, in welchem Umfang und zu welchen Konditionen geschah dies? Sind weitere Stellenstreichungen geplant?

Robert Wieland: Am Regiomed-Klinikum Lichtenfels gab es von Januar bis Juli 2019 keine über das übliche Maß hinausgehende Häufung an Kündigungen, weder in der Pflege noch in der Technik. In dieser Zeit gab es in der Pflege lediglich eine Probezeitkündigung wegen fachlicher Defizite, die nicht im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens stand. Weitere Trennungen während der Probezeit betrafen patientenferne Bereiche wie zum Beispiel die Verwaltung. Die Technik war nicht betroffen.

Wie in der Vergangenheit auch, werden natürlich permanent Probezeitbeurteilungen vorgenommen und die Notwendigkeit der Übernahme von Mitarbeitern mit befristen Arbeitsverträgen individuell beurteilt und entschieden. Dies sind übliche Prozesse, die wir zur Aufrechterhaltung einer qualitativ hochwertigen Patientenversorgung regelhaft durchführen und die ebenso in allen Kliniken permanent vorkommen.

Das Klinikum Lichtenfels ist aufgrund der wirtschaftlichen Situation gezwungen, genau wie alle Einrichtungen im Verbund, Optimierungspotenziale umzusetzen, um durch strukturelle Veränderungen Effizienzreserven zu heben und gleichzeitig eine nachhaltige, optimale und patientenorientierte Versorgung zu gewährleisten.

Regiomed: „Keine Häufung bei den Kündigungen“
Der Eindruck täuscht, die Bauarbeiten gehen weiter.

Am Klinikum Lichtenfels existiert eine im Vergleich hohe Personalkostenquote zum Durchschnitt der anderen Regiomed-Einrichtungen und auch eine höhere Quote als im deutschlandweiten Vergleich. Hier ist es unsere Aufgabe, sowohl die medizinischen Leistungen am Klinikum Lichtenfels weiterzuentwickeln, als auch kleinteilige Organisationsstrukturen und patientenbezogene Prozessabläufe in der Zukunft zu optimieren. Dabei werden wir auch künftig auf hochqualifizierte Fachkräfte in unseren Einrichtungen setzen. Das neue strategische Konzept zur Medizinentwicklung wird bei den Strukturanpassungen von besonderer Bedeutung sein.

Auf der Basis dieser Erkenntnisse und Entwicklungen kann es natürlich in der Zukunft zu Organisations- und Personalanpassungen kommen. Über die medizinischen Bereiche hinaus ist dies insbesondere in den Bereichen gegeben, die nicht unmittelbar an der Patientenversorgung beteiligt sind. Hier findet eine derzeit sehr konsequente Stellenbewirtschaftung statt. Es existiert derzeit ein Einstellungsstopp. Nicht alle Mitarbeiter mit Zeitarbeitsverträgen können so auch in der Zukunft übernommen werden. Gerade deshalb sind manche Verträge auch befristet. Nicht alle Austritte werden nachbesetzt.

In den ärztlichen und pflegerischen Bereichen setzt das Klinikum Lichtenfels auf eine hohe Mitarbeiterbindung und neue Versorgungskonzepte, um den Bedarf an ausgezeichneten Fachkräften für einen qualifizierten Behandlungsprozess nachhaltig zu sichern. Hier benötigen wir kompetente Fachkräfte, die direkt und motiviert an der Patientenversorgung arbeiten und kommunikativ mit unseren einweisenden Ärzten und Partnern zusammenarbeiten.

Dem Vernehmen nach wurde erst jetzt festgestellt, dass für den Betrieb der Großküche in Lichtenfels eine eigene Trafostation benötigt wird, da es sonst Probleme mit der Stromversorgung in Wallenstadt geben könne. Der Energieversorger habe darauf bereits vor längerem hingewiesen, nun könne die Trafostation erst im nächsten Jahr gebaut werden. Ist dies korrekt und welche Konsequenzen hat das?

Wieland: Dass der Betrieb der Großküche die Aufstellung einer eigenen Trafostation notwendig macht, war bereits bei Projektbeginn abzusehen und findet sich auch in den Planungen wieder. Planung, Auslegung und Lieferung der Trafostation für den Betrieb der zentralen Großküche wurden direkt mit dem Netzbetreiber Bayernwerk abgestimmt. Aktuell gibt es eine herstellerseitige Verzögerung des Liefertermins. Wir gehen davon aus, dass die Trafostation bis spätestens Anfang Oktober geliefert und verbaut werden kann. Dies sorgt für Verzögerungen bei der Inbetriebnahme der Küche. Die Großküche soll gemäß dem geplanten Konzept im ersten Quartal 2020 in Betrieb genommen werden.

Es gibt keine Planungen, die Großküche zu verkaufen!

„Es gibt keine Planungen,

die Großküche zu verkaufen!“

Robert Wieland Regiomed-Geschäftsführer

Ist es richtig, dass die Gesellschafter für den Bau der Großküche fünf Millionen Euro zuschießen müssen? Welchen Anteil trägt der Landkreis Lichtenfels? Sind Finanzierung und Betrieb der Großküche damit gesichert, und kann diese wie geplant in Betrieb genommen werden?

Wieland: Der Bau der Großküche in Lichtenfels wird von den Regiomed-Kliniken finanziert. Speziell für den Bau der Großküche müssen die Gesellschafter keine Zuschüsse einbringen. Insgesamt besteht jedoch aufgrund der Ergebnisentwicklung des Verbundes ein Finanzierungsbedarf (Überbrückungsfinanzierung) sowie in der Zukunft die Notwendigkeit einer Eigenkapitalerhöhung zur Stärkung der Finanzkraft von Regiomed. Hier mussten die vier kommunalen Gesellschafter, die Landkreise Sonneberg, Hildburghausen, Lichtenfels und die Stadt Coburg, unterstützen. Der Kreistag in Lichtenfels und die Stadt Coburg haben zumindest rechtlich dafür den Weg bereits freigemacht und so genannte Betrauungsakte beschlossen. In Hildburghausen soll das am 14. August und im Sonneberger Kreistag am 29. August geschehen. Vom Zweckverband Coburg wurden bereits sieben Millionen Euro als Kassenkredit zur Verfügung gestellt.

Regiomed: „Keine Häufung bei den Kündigungen“
Robert Wieland. Foto: Regiomed

Die Fragen stellte

Stefan Lommatzsch

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