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Standing Ovations bei Benefizkonzert für „Helfen macht Spaß“

Standing Ovation bei Benefizkonzert für „Helfen macht Spaß“
Tenor Malte Müller und Sopranistin Silke Winkler hoben seltene Schätze. In diesem Fall waren es englische Volkslieder, die zu Kunstliedern umgearbeitet wurden. Foto: Markus Häggberg

Das Morgenstern Trio spielt und Tenor Malte Müller applaudiert. Das müsste er nicht tun, jedenfalls nicht um diese Uhrzeit. Es ist Sonntagabend um 18:03 Uhr. Es ist also noch eine Stunde hin bis zum Beginn eines Konzertes des BRK-Kreisverbands, dessen Reingewinn zu gleichen Teilen der OT-Leseraktion „Helfen macht Spaß“ für Bedürftige im Landkreis sowie der HMS-Sonderaktion „Ukraine“ zukommt. Zeit also, den Proben zu „Musik von den britischen Inseln“ beizuwohnen, Pläusche zu führen und Geschichten zu einem ungewöhnlichen kulturellen Ereignis in Erfahrung zu bringen, das ein Motto und einen Sinn hat: „Helfen macht Spaß“. Betrachtungen zu einem herausragenden Benefizkonzert.

Noch ist der Kaisersaal leer. OT-Redakteur Till Mayer, Initiator der Leseraktion „Helfen macht Spaß“ steht noch vor der Tür des Saals und plauscht seinerseits mit dem aus Tradition der Aktion verbundenen Roberto Bauer, der um 19 Uhr die Moderation übernehmen wird. Er hat in bewährter Weise das Konzert organisiert, wie so viel zuvor. Der große Saal, ist beinahe ausverkauft. Dass dem so ist, hat auch mit Malte Müller zu tun. Der Tenor stammt aus Roth. Er hatte da so eine Idee für ein Programm von ungewöhnlicher Seltenheit, für die Hebung eines wieder zu entdeckenden Schatzes.

Denn wer weiß schon, dass beispielsweise Ludwig van Beethoven weit über 100 britische Volkslieder bearbeitete? Müller wusste. Müller sicherte sich einst per Mikrofilm eine New Yorker Kopie der Noten. Er war gut gewappnet, als 2018 die Frage auftauchte, was man Konzertantes für den guten Zweck auf die Bühne bringen könnte.

Ein international gefeiertes Trio

Standing Ovation bei Benefizkonzert für „Helfen macht Spaß“
Das Morgenstern Trio hat sich internationale Meriten erspielt. Am Sonntag brillierte es für "Helfen macht Spaß".

Es ist 18:05 Uhr, das international gefeierte Morgenstern Trio, an diesem Abend bestehend aus Stefan Hempel (Violine), Catherine Klipfel (Klavier) und Anne Yumino Weber (Cello), spricht miteinander. Klipfel meint, man müsse an dieser Stelle „mit dem Fortissimo ein bisschen sparen“ und Hempel bemerkt wenig später, die „Modulation ist ein bisschen merkwürdig“. Dann gehen sich die Musiker, denen sogar die Washington Post beste Kritiken ausstellte, für den großen Auftritt umziehen.

Der Reingewinn ist das, was nach Abzug von allem Maßgeblichen übrig bleibt. Etwas, das man mit gutem Gewissen einstecken darf. Oder hergeben, wie bei „Helfen macht Spaß“. Der Reingewinn für die HMS-Sonderaktion „Ukraine“ wird in Medikamente angelegt. Rentner, die in bitterster Not in Lwiw leben, erhalten sie kostenlos. Von den dortigen Rotkreuz-Schwestern. Zu diesen besteht eine Partnerschaft der Lichtenfelser Rotkreuz-Schwestern der Sozialstation. Man kennt und besucht sich seit vielen, vielen Jahren und an diesem Sonntagabend weiß man auch in Lwiw, dass das Konzert stattfindet. Den Medikamentenfonds des Roten Kreuzes in Lwiw hat Till Mayer bereits vor acht Jahren mit aufgebaut. Viele Spenden kamen bisher auch vom Obermain.

Die Frage, ob es sich besser anfühlt, im Wissen um einen guten Zweck zu singen, bejaht Malte Müller. Doch Sabine Rosenfeld ist die andere Seite der Konzertmedaille, sie sitzt an diesem Abend im Publikum, sie ist die „Chefin“ der Rotkreuz-Schwestern und kennt auch die Situation in Lwiw durch eigene Besuche. Wie fühlt sie sich bei dem Konzert? „Gut, weil ich sage immer, dass wenn du die Leute persönlich kennst, hast du einen ganz anderen Draht.“

Der Draht, den sie ohnehin zum Geschehen hat, besteht in ihrer Liebe zur klassischen Musik. Drei Reihen vor ihr wird ab 19 Uhr die Bad Staffelsteinerin Claudia Trier sitzen. „Doch, ich finde schon, dass es einen Unterschied macht, ob man einfach so eine Konzertkarte kauft, oder damit auch noch einen guten Zweck unterstützt“, findet auch sie.

Auch das Wetter ist „very british“

Blickt man jetzt durch die Fenster des Kaisersaals hinaus, sieht man Nebel aus den Wäldern steigen. Es hat geregnet, die Musik wird „very british“, das Wetter ist es schon. Dass das Konzert darum nicht wie angekündigt auf der Maintalterrasse stattfinden kann, verärgert niemanden wirklich, man hat Vorfreude. Es ist 18.30 Uhr, mehr und mehr Besucher füllen den Saal. Man greift zum Programmheft. Es ist geschmackvoll gestaltet, 40 Seiten stark, Textheft und Künstlerportrait in einem, und es weist Unternehmen, Rotary oder die Horst-Müller-Stiftung als kräftige Unterstützer der Idee „Helfen macht Spaß“ und des vom BRK-Kreisverband Lichtenfels ausgerichteten Konzerts aus.

Standing Ovation bei Benefizkonzert für „Helfen macht Spaß“
Hat sich wieder einmal einen Ruf als hervorragander Konzertorganisator verdient: Roberto Bauer

Als Roberto Bauer die Bühne betritt, weiß er noch nicht, dass er zweieinhalb Stunden später „Zuhause machen Sie sich eine Flasche auf!“, zum Publikum sagen wird, weil der Abend gelungen und der Jubel enorm ist. Und es auch - wie es britisch heißt, zu „standing ovations“ kommt. Das, was Malte Müller und Konzertsängerin Silke Winkler alleine oder im Duett an Schätzen aus rund 30 Liedern heben, ist erstaunlich. Die Melancholie der Lieder, ihre Rhythmik, ihre Melodien, die dramaturgische Ausgestaltung so vieler Momente zwischen historischen Schilderungen und Liebe, zwischen Poesie von Sir Walter Scott und Robert Burns, zwischen Wehmut und Mut, zwischen Akkuratesse und glaubwürdigem Gefühl - all das gelingt unter vom Morgenstern Trio gekonnter Begleitung und klugen, da so dezent wie notwendig druckvollen, Ausphrasierungen. Dass das es so gelingt, spricht für die Qualität der Musiker. Silke Winkler, die selbst schon mit René Kollo arbeitete, erzählt nach dem Konzert etwas kaum glaubliches.

Nur zweimal habe man gemeinsam geprobt, sich dafür so auf halbem Wege unter anderem in Frankfurt mit dem Morgenstern Trio getroffen. Doch eben dieses Trio hat selbst tonmalerisch auch noch einen Sonderteil zu bewältigen.

Mit dem aus der Feder des englischen Komponisten Frank Bridge (1879-1941) stammenden „Phantasie Trio“ huldigte es einem selten erklingenden Werk. Dann ist es 21.33 Uhr, die Menschen erheben sich klatschend. Das Konzert ist aus, die Freude ist dreifach: Sie liegt bei den Künstlern, bei den Gästen und in Bälde bei den Begünstigten.

Standing Ovation bei Benefizkonzert für „Helfen macht Spaß“
Standing Ovations für die Künstler. Foto: Markus Häggberg

Das Konzert wurde ermöglicht durch das Sponsoring der Sparkasse Coburg-Lichtenfels, der Firma Werkzeugbau Siegfried Hofmann und des Rotarier-Clubs Obermain. Unterstützer sind die Koinor-Horst-Müller-Stiftung, Piano Müller (Neuensorg), Druckprofi Lichtenfels und Akkustik Musik Studio Meyer (Lichtenfels).

Von Markus Häggberg

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