aktualisiert:

KLOSTERLANGHEIM

Höchst amüsanter Ehezwist im Ökonomiehof

Ihre Fingerspitzen berühren sich. Gelingt es Therapeut Harald (Michael A. Tomis/Mi.) damit, die Ehe von Joana (Stefanie Rüdell) und Valentin (Jan Burdinski) zu retten? Foto: Stephan Stöckel

„Meine Großmutter war eine Kratzbürste und Beißziege“, entfuhr es Gretel in den höchsten Tönen. Kasperls ernüchterndes Kontra folgte auf dem Fuße: „Ich stamme aus einer Gefrierbeutel- und Waschlappendynastie.“ Schallendes Gelächter durchflutete den malerischen Ökonomiehof, in dem sich am Freitagabend ein ganz besonderes „Kasperltheater“ abgespielt hatte. Es war Teil eines höchst amüsanten Ehezwistes, zu dem der Fränkische Theatersommer und die Heimatfreunde Klosterlangheim eingeladen hatten.

Gebannt verfolgen die rund 100 Zuschauer das Geschehen auf der Bühne. Foto: Stephan Stöckel

Die rund 100 Zuschauer wurden mitgenommen auf einen kurzweiligen Ausflug vor die Tore einer Therapiepraxis. Dort wurden sie zu Zaungästen einer turbulenten und vor allem wendungsreichen Sitzung, in der am Ende die Grenze zwischen Therapeut und Therapierten immer mehr verwischte…

Intendant und Regisseur Jan Burdinski vom Fränkischen Theatersommer hatte ein originelles Kammerspiel aus der Feder des österreichischen Autors Daniel Glattauer auf die Bühne gezaubert, das Geist und Seele erfreute und den erwartungsvollen Titel „Die Wunderübung“ trug.

Heimatfreunde kredenzen Gaumenfreuden

Und die Heimatfreunde? Sie warteten mit liebevoll zubereiteten Gaumenfreuden wie „Rode Beede Salod“, „Bradworschd Salod“, „Weißä Käs“ oder „Gerupfdä“ auf, die sie fränkische Tapas tauften. Tapas sind in Spanien kleine Gerichte. „Was die Südländer können, das können wir auch“, sagte Ulrike Rübensaal-Heinze nicht ohne Stolz.

Was die Spanier können, können wir auch: Manuela Schaller und Ulrike Rübensaal-Heinze (re.) servieren fränkische Tapas. Foto: Stephan Stöckel

Serviert wurden die kleinen Gerichte im Glas und auf einem von der Klosterlangheimer Holzwerkstatt Gehringer hergestelltem Brotzeitbrettla. Bekanntlich isst das Auge mit. Die Therapeutensitzung wiederum stillte den Hunger der Theaterfans nach geistiger Erbauung und guter Laune. Jan Burdinski und Stefanie Rüdel verkörperten das inbrünstig streitende Ehepaar Dorek, das sich nichts, aber auch gar nichts schenkte. Selbst auf die Frage des Therapeuten (Michael A. Tomis) nach dem Beruf, stichelte Valentin: „Histerikerin, ähm Historikerin.“

Spitzzüngige Kommentare fliegen wie Ping-Pong-Bälle

Das eingangs erwähnte „Kasperltheater“ bot den Kontrahenten die willkommene Gelegenheit, in die Rolle des jeweils anderen zu schlüpfen. Mit breiter Schulter und markigen Sprüchen, die Gretelpuppe in der Hand, mimte Burdinski die resolute Hausfrau, während für Stefanie Rüdel – gesenkten Hauptes und mit Kasper in der Hand – nur die Rolle des unterwürfigen Ehemannes übrig blieb. Beim Zuschauer machte es sofort klick – hier steht jemand unter den Pantoffeln eines anderen.

Wie Ping-Pong-Bälle flogen die spitzzüngigen Kommentare hin und her. Den Streithähnen stand ein ums andere Mal die Zornesröte im Gesicht. Ihrer Aussprache mangelte es dabei nicht an Lautstärke. Nach der Pause, die Publikum und Akteuren eine wohltuende Verschnaufpause gegönnt hatte, schwang das Pendel in die andere Richtung. Es führte die Zuschauer beinahe in die Irre.

Nun standen nicht mehr die Doreks im Mittelpunkt des Geschehens. Vielmehr durchlebte der Therapeut Harald eine Ehekrise. Seine Frau hat mit ihm schluss gemacht. Überbracht wurde die Nachricht – wie könnte es im 21. Jahrhundert auch anders sein – per i-Phone. „Das ist brutal“, kommentierte nüchtern Valentin Dorek. Bei dieser Bemerkung blieb es nicht. Das Paar fühlte ihm immer mehr auf den Zahn.

Plötzlich durchlebt der Therapeut eine Ehekrise

Michael E. Tönnis spielte den ins Mark Getroffenen mit einer Vehemenz, dass man als Zuschauer zunächst gar nicht bemerkte, dass alles nur gespielt und Teil eines Therapiekonzeptes war. „Ich bin endgültig der Verlierer“, konstatierte Harald sichtlich deprimiert.

Noch zwei weitere Aufführungen im Landkreis

Dass es in dem Stück auch Gewinner gibt und am Ende jemand sein wahres Ego hervorblitzen lässt, das erfahren die Zuschauer bei zwei weiteren Wunderübungen, zu denen der Fränkische Theatersommer im Landkreis Lichtenfels einlädt. Am Donnerstag, 20. Juni, therapiert Harald ab 19 Uhr im Bad Staffelsteiner Brückentheater und am Donnerstag, 3. Oktober, um 19.30 Uhr in der Burgkunstadter Rathaushalle.

Von Stephan Stöckel

Weitere Artikel