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LICHTENFELS

Erasmus und Veit grüßen vom Gnadenaltar in Vierzehnheiligen

Erasmus und Veit grüßen vom Gnadenaltar in Vierzehnheiligen
Der Hl. Vitus und Nothelfer in Vierzehnheiligen. Foto: Hertel

In diesem Monat stehen zwei weitere Heilige, die Nothelfer St. Vitus und St. Erasmus des bekannten Wallfahrtsortes im Mittelpunkt der Serie „14 x Vierzehnheiligen“.

Am 2. Mai wurde in der katholischen Kirche des heiligen Erasmus von Antiochia bedacht. Erasmus war der Legende zufolge um 300 Bischof von Antiochia dem heutigen Antakya. Er verbarg sich in der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian sieben Jahre lang im Libanongebirge, um die Verfolgung durch inständiges Gebet abzuwenden. Ein Rabe brachte ihm Nahrung bis er auf Geheiß eines Engels zurückkehrte. Vor Gericht gestellt und ins Gefängnis geworfen wurden die furchtbaren Martern mit brennendem Pech und Schwefel angewendet, die er unverletzt überstand.

Heller Himmel trotz eines Gewitters

In einer anderen Geschichte soll Erasmus während eines Gewitters gepredigt haben. Aber über ihn und seine Gefährten blieb der Himmel hell, obwohl ringsherum Blitze zuckten. Vielleicht deshalb die Bauernregel: „An Erasmus viel Donner verkündet drüben Sommer.“ Über seinen Tod gibt es zwei Versionen. Zum einem soll er die zweite Marter nicht überlebt haben. In einer anderen soll er nach segensreicher Arbeit hochbetagt friedlich eingeschlafen sein. Man ruft ihn bei Krämpfen, Koliken und Magenleiden an. Ebenso bei Geburts- und Unterleibsschmerzen. Seit dem 14. Jahrhundert wird Erasmus als einer der 14 Nothelfer verehrt.

Der Namenstag des heiligen Vitus, der bei uns mehr als Hl. Veit bekannt ist, gedenken wir am 15. Juni. Er lebte in der gleichen Epoche wie Erasmus und erlitt um 304 unter Kaiser Diokletian als 12-Jähriger den Martyrertod. Es ist der Schutzpatron vieler Berufsgruppen, so der Apotheker, Gastwirte, Bierbrauer und Winzer. Er wird angerufen, um Krämpfe, Epilepsie, Tollwut, Schlangenbiss und den Veitstanz zu heilen. Er ist nicht nur der Schutzheilige für Anfallskranke, er ist auch für Blasenleiden zuständig. Früher betete manche Großmutter am Obermain mit ihrem noch bettnässenden Enkel das folgende Nachtgebet:

„Heiliger Sankt Veit,

weck mich bei der Zeit.

nicht zu früh und nicht zu spät,

damit nichts ins Bett reingeht.“

Als Nothelfer in der Frankenhymne

In der Frankenhymne „Wohl auf, die Luft geht frisch und rein...“ wurde der Nothelfer in der vierten Strophe verewigt: „Zum heil'gen Veit von Staffelstein komm ich empor gestiegen.“ Der Text entstammt einem Gedicht Joseph Victor von Scheffels aus dem Jahre 1859. Allerding gibt es keinen heiligen Veit von Staffelstein, wohl aber in der Nachbarschaft auf dem Ansberg, mehr bekannt als Veitsberg. Vielleicht hat Victor von Scheffels beim Dichten der Strophe an den Hl. Vitus in Vierzehnheiligen gedacht.

Seit Ende April ist Wallfahrtszeit und diese hat einen großen Stellenwert für Vierzehnheiligen. Auf dessen Homepage steht: Das Ziel einer Wallfahrt ist Gott zu begegnen. So ist gerade der Weg zu einem Heiligtum sehr wichtig, wenn nicht entscheidend. Denn auf diesem Weg sollen wir unsere Seele finden und sie mitkommen lassen.

Im 21. Jahrhundert lassen sich immer mehr Menschen von der Wallfahrt anstecken und brechen auf. Ob Einzelpilger oder große Wallfahrtsgruppen. Deshalb ziehen auch immer mehr Wallfahrten nach Vierzehnheiligen.

Am 26. April wurde das Wallfahrtsjahr eröffnet. Es werden in diesem Jahr fast 180 Fußwallfahrten erwartet, manche mit mehreren hundert Pilgern. In langen Fußmärschen wallen sie zum Heiligtum Frankens. Sie kommen aus der Rhön und dem Grabfeldgau, aus dem Haßgau und dem Jura, aus dem thüringischen Eisfeld und natürluch aus der Obermainregion. Wer will, bekommt ein Wallfahrtbildchen; diesmal mit dem Jahresspruch: Lauft nur; ich werde euch tragen, euch hinführen bis ans Ziel.

Anekdoten von zahlreichen Pilgern

Viele Anektoden von den Pilgern gäbe es zu erzählen. Eine Frau vom Obermain erzählte dem Autor dieser Zeilen, dass sie sich an den vielen Wallfahrten gerne erinnere, so die schönen alten Wallfahrtslieder. Und die Vierzehnheilgengebete, bei denen der Vorbeter Schwierigkeiten mit den Aussprache so mancher Heiliger hatte. Da wurde in der Wallfahrtsgruppe oft gelacht.

Nur wenige wissen heute, dass am Anfang des 19. Jahrhunderts die Wallfahrten zum Teil verboten waren. Die Säkularisation war die Ursache. Bereits im April 1803 wurden mehrtägige Wallfahrten verboten, weil sie die Menschen von ihren Alltagspflichten abhielten. Ab 1804 war eine Prozession nur noch an fünf Tagen im Jahr gestattet, und auch dann nur zur nächstgelegenen Pfarrkirche. Diese sollten sich auf den Vormittag beschränken. Die Ortsvorsteher wurden angehalten, das „bey der Rückkehr niemand in den Wirtshäusern oder Schenken zurückbleibe“. Damit waren Wallfahrten zu entfernten Orten, wie nach Vierzehnheiligen und Gößweinstein, praktisch verboten. Am Frankenlied kommen auch die Wallfahren vor. So steht in der 3. Strophe: Wallfahrer ziehen durch das Tal mit fliegenden Standarten.

Väddsamoll Väddseheiling

dswaaheiling

ich mouch

mich ja weide

niä drübe

aufräing

obe wosi

o su an

gnaadnodd

fe a bo

broudwöschd

velanga

des is

a sünd

di dsen

himml schreid

dreiheiling

wos dsäsd mich

denn o aane due

ve an schdond

non annen

du hosd doch

scho dahamm

des gelumb

alles dsamm

ge no

dein vorre

und blouch

den a weng

Erasmus und Veit grüßen vom Gnadenaltar in Vierzehnheiligen
Im Bischofsgewand der heilige Erasmus von Antiochia am Gnadenaltar.

Von Andreas Motschmann

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