aktualisiert:

SEßLACH

Von Elise, Smartphones und einer Klaviervirtuosin

Sie hat schon in zahlreichen berühmten Konzerthallen gespielt: Nina Scheidmantel 2016 bei ihrem Konzert in Peking. Foto: Privat

Gelegentlich kann bei Mozart auch ein Mobiltelefon dazwischenfunken. Ein kurzes „Pling“, wenn eine Nachricht einläuft: Hier ein Aufflackern eines kleinen Bildschirms, dann dort eines. „Das Publikum in China ist bisweilen schon etwas unruhiger“, sagt Nina Scheidmantel. 2016 ging sie in China erstmals auf Tournee. Das Konzert in der Zhong-shang Concert Hall in Peking war der Höhepunkt ihrer Konzertreihe in dem asiatischen Riesenreich.

Eine Tournee durch China, das ist für eine junge Pianistin ein Auszeichnung. Für Nina Scheidmantel ist es auch eine Reise zu eigenen Wurzeln. Ihre Mutter stammt aus China. Und sie muss unglaublich stolz gewesen sein, als ihre Tochter in der renommierten Konzerthalle auftrat.

„Musik ist etwas

unbeschreiblich Schönes. Musik soll berühren.“

Nina Scheidmantel, Pianistin

Aufgewachsen ist Nina Scheidmantel in Gemünda bei Seßlach. Ihre ersten Auftritte als Teenager, die hat sie auch im Landkreis Lichtenfels. Beim Musiksommer am Obermain beispielsweise. Nina Scheidmantel beeindruckt schnell ihr Publikum. Sechs Jahre ist sie alt, da nimmt sie schon Klavierunterricht bei einer Professorin. Alla Schatz fördert das Kind. Klein Nina, das zierliche Mädchen mit den dunklen Haaren, hat so ihren Eigenwillen beim Notenlesen. „Am liebsten habe ich immer nach Gehör gespielt“, lacht die 27-Jährige heute. Nina Scheidmantel lernt, nach Noten zu spielen, ihr Gehör weiter zu schulen. Und, dass neben Leidenschaft auch ein unglaubliches Maß an Disziplin notwendig ist, wenn sie Musik leben will.

Mit 15 Jungstudentin

Eine Künstlerin braucht keine Allüren, um erfolgreich zu sein. Beim Interview mit unserer Redaktion hört man von Nina Scheidmantel bescheidene Töne. Foto: Till Mayer

Mit 15 ist sie bereits Jungstudentin an der Hochschule für Musik in Würzburg in der Frühförderklasse bei Professorin Silke-Thora Matthies. Sie gewinnt mehrmals beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ als Solistin und in der Kammermusik. Nina Scheidmantel erhält Stipendien der Hanns-Seidel-Stiftung, des Richard Wagner Verbandes und der Deutschen Johann-Strauß-Gesellschaft. Der Lebenslauf der jungen Frau ist vielverprechend. In Gemünda trifft der Journalist beim Interview in einem eher unscheinbaren Bauernhaus auf eine selbstbewusste, aber dennoch bescheidene und höfliche junge Frau in Jogginghose und mit Sweater. Nina Scheidmantel erzählt von Erfolgen eher in knappen Sätzen. Ins Schwärmen kommt sie, als sie von ihrem Studienjahr 2017/18 in Budapest berichtet. Die dortige Frank Liszt Akademie hat ein gutes Renommee, sicherlich. Aber Nina Scheidmantel genießt etwas, das Musik neben all der eingeforderten Disziplin auch gibt: Freiheit und Leidenschaft. „Was die Menschen dort für ein Gespür für die Musik haben“, schwärmt die 27-Jährige. Erzählt, wie sie stundenlang Konzerten lauscht: auf einem Stehplatz für weniger als drei Euro die Karte. „Immer gab es irgendwo ein wundervolles Konzert. Es gab so viel zu entdecken“, sagt sie: neue Einblicke in Volkstanz und Volksmusik beispielsweise. Nina Scheidmantel schätzt ihre Studienstadt Würzburg. Aber Budapest, das ist eine Kunstmetropole mit Weltrang.

Eine glaubwürdige Künstlerin

Konzentration spiegelt der Klavierlack wieder. Foto: Till Mayer

Vielleicht macht gerade das die junge Frau als Musikerin so glaubwürdig, dass sie lieber von ihrer Studienzeit in Budapest erzählt als von einem Meisterkurs mit dem weltberühmten Pianisten-Star Lang Lang. Der ist natürlich beeindruckend. „Aber er kam mir auf eine gewisse Weise auch ausgebrannt vor. Immer mehr Konzerte, immer mehr Events, das tut ihm nicht gut, befürchte ich. Dieser Zwang, alles mitzunehmen. Andere talentierte Musiker gehen derweil leer aus“, meint die 27-Jährige.

Der Markt für klassische Musik, für Konzertpianisten, kommerzialisiert sich rasant. Das ist Nina Scheidmantel bewusst. Er wird ihr Alltag sein als angehende Berufsmusikerin. Vor allem als Musikerin, die viele weitere Tourneen plant. Das soll bald geschehen, das Studium will sie mit dem Mastertitel noch dieses Jahr beenden.

Adrette junge Pianistinnen sind gefragt. Auf den Bühnen der Konzertsäle gehört die Optik längst zum Gesamtpaket. Star-Pianistinnen spielen mit Highheels, Model-Figur und im kurzen Schwarzen Rachmanows Meisterwerke.

Kostbare Momente

Nina Scheidmantel ist ein bildschöne Frau. Doch dass Konzerte immer mehr zu augengefälligen Events abrutschen, dem kann sie nicht viel abgewinnen. „Das ist kein guter Weg“, sagt sie. „Musik soll berühren.“ Ihre Zuhörer natürlich in erster Linie. Aber auch sie selbst, wenn sie durch ihr Spiel den Weg zu Menschen findet. Für die junge Frau ist das keine dahingesagte Phrase, es ist ein wertvolles Geschenk. Manchmal ist ein kleines Kammerkonzert dann sogar kostbarer für sie als eines in einem riesigen Saal mit blinkenden Mobiltelefonen.

Nina Scheidmantel beim Üben in ihrem Heimatort Gemünda bei Seßlach. Foto: Till Mayer

Oder wenn sie vor alten Menschen spielt. Ihnen mit ihrer Duo-Partnerin Samira Spiegel im Rahmen eines Förderprogramms der Yehudi Menuhin Stiftung wunderbare Momente geben kann. „Musik ist etwas unbeschreiblich Schönes“, sagt Nina Scheidmantel.

Sicherlich, dass sie 2016 in der Carnegie Hall in New York spielte, darauf ist sie zu Recht stolz. Es ist auf den Punkt gebracht wohl der Traum eines jeden Konzertpianisten. Ein wichtiger Punkt im Lebenslauf.

Das klingt so viel spektakulärer als die Weise, die für Nina Scheidmantel prägend war: „Für Elise“. Das kurze rondoartige Stück aus der Feder Beethovens ist weltberühmt, aber steht nicht unbedingt für eine Herausforderung an eine begabte Pianistin. Es war eines der ersten Stücke, die Nina Scheidmantel als Kind spielen konnte. Und übrigens auch pfeifen. Musik ist einfach schön.

Konzerttermine

11. Juli, Würzburg, Abschlusskkonzert, HfM Würzburg, Kammermusiksaal, 14.45 Uhr;

27. September, Salonkonzert, San Francisco, 19 Uhr;

14. Dezember, Dielenabend Enningerloh, Duo Konzert, 20 Uhr.

Weitere Informationen zu Terminen unter: nina-scheidmantel.de.

Von Till Mayer

Weitere Artikel