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LICHTENFELS

Falsche Spur gelegt und vor Gericht gelandet

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Mit einem höchst eigenwilligen Anruf bekam es die Polizeiinspektion Lichtenfels am 4. November des vergangenen Jahres zu tun. Ein 24-jähriger Arbeiter aus dem Landkreises meldete zweimal einen Unfall, der gar nicht passiert. Am Dienstag hatte er dafür im Amtsgericht die Konsequenzen zu tragen.

Als die Verhandlung vorüber war, schien der Angeklagte gelöster. Minuten zuvor durchlebte er aber die Peinlichkeit, sich anhören zu müssen, wie er mit leicht verstellter Stimme bei der Polizei anrief. Zwei Telefonmitschnitte waren Beweismittel und wurden den Prozessbeteiligten vorgespielt. Auf ihnen vollbrachte der 24-Jährige Leistungen, die nicht nur kriminell waren, sondern die Richter Alexander Zenefels als „Dilettantismus“ bezeichnete.

„Müller“ aus dem Asylbewerberheim

Gegen 23 Uhr klingelte er bei der Polizei an und behauptete, ein Radfahrer sei in einem Unfall bei Weidnitz zu Schaden gekommen. Als der Beamte sich nach den Personalien des Anrufers erkundigte, gab dieser sich einen fremdländischen Akzent. „Er hat Platz…Kopf kaputt.“ Auf die Frage nach seinem Wohnort nannte er ein Asylbewerberheim, auf die Frage nach seinem Namen aber machte er mit der Antwort „Müller“ den Beamten endgültig stutzig.

Insgesamt zwei Anrufe setzte der Angeklagte in jener Nacht ab, band somit Polizei- und Rettungskräfte, die nach dem vermeintlichen Verunfallten suchten und somit bei einem wirklich eintretenden Unfall gebunden gewesen wären. Seine Handlung sei ohnehin „unüberlegt, nicht nachgedacht“ gewesen, bemerkte der von Rechtsanwältin Anett Raumschüssel vertretene Mann zu dem Gehörten.

Abstreiten konnte er das Gehörte nicht. „Da kann ich nichts dagegen sprechen, das gebe ich zu.“ An der Frage nach dem Motiv für seine Taten biss sich das Gericht die Zähne aus. Ein wirkliches Motiv konnte auch der Angeklagte nicht nennen, lediglich dass es ihm damals gesundheitlich nicht gut gegangen sei und er daheim Streit gehabt habe. Dazu sei der Alkohol gekommen. Der Mann bestätigte auf Nachfrage sein Alkoholproblem. So stehe ihm demnächst sogar ein Entzug bevor und er stehe in Kontakt mit dem Blauen Kreuz, einer Einrichtung, die Alkoholkranken Hilfe bietet.

Starke Alkoholprobleme

Nüchtern erfolgten seine damaligen Anrufe auch nicht, der Mann stand unter 1,7 Promille. Und dennoch sei der Mann „bei klarem Verstand“ gewesen, wie ein als Zeuge auftretender Polizist versicherte. Auf die Schliche kam ihm die Polizei nämlich schnell, ließen sich die Anruf doch zurückverfolgen. So fuhr man seine Adresse an. Zwar hatte der 24-Jährige zu diesem Zeitpunkt vorsorglich bei seinem Handy die Löschung der Anrufliste vorgenommen, aber als seitens der Polizeiinspektion die Rückruf gedrückt wurde, klingelte sein Handy. Der Fall war gelöst.

„Er ist Alkoholiker und hat aber sein Leben umgestellt“, beteuerte Anett Raumschüssel, die in ihrem Plädoyer eine Geldstrafe als ausreichend bezeichnete. Eine nähere Betrachtung des Lebens des Arbeiters, ergab, dass dieser drei Einträge im Führungszeugnis stehen hat. Einen wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Als Zenefels mehr über die Hintergründe dieses Geschehens wissen wollte, bekam er die Auskunft, wonach sich der Angeklagte einst mit Gedanken trug, sich das Leben nehmen zu wollen.

Als die Polizisten ihn davon abhielten, habe er sich „körperlich gewehrt“. Der Eindruck, den der Angeklagte während der Verhandlung machte, war ein ruhiger und einsichtiger. „Auf keinen Fall“ werde er sein Tun wiederholen. Diese Einsicht sollte ihm auch Staatsanwalt Dominik Heike zugute halten, aber eine Freiheitsstrafe für unerlässlich erachten. „Ihre Entschuldigung ist ein Zeichen, das ich zur Kenntnis nehme“, so Heike. Auf drei Monate Haft zur Bewährung nebst 80 Stunden Arbeitsauflage und Bewährungshelfer plädierte er. Das Urteil sollte auf Geldstrafe lauten: 2700 Euro.

Von Markus Häggberg

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