aktualisiert:

BIRKACH

In Birkach steht die Königin der Blumen im Mittelpunkt

Vorbereitungen für den Rosentag. Klaudia Hellmuth, Heidi Waidhas und Vorsitzende Erika Elflein setzen alles in Bewegung, um den Rosentag an Pfingsten zu einem Erlebnis zu machen. Foto: Tim Birkner

„Rosen tun der Seele gut“, sagt Heidi Waidhas. Sie ist 2. Vorsitzende der Gartenfreunde Birkach. Das Dorf ist weit über die Landkreisgrenze hinaus für seine Rosenvielfalt bekannt. Rund 250 Menschen wohnen hier – und bei der Rosenzählung zum 25. Geburtstag der Gartenfreunde waren in den Vorgärten und zwischen den Häusern, um die Kirche und am Ortseingang 500 Rosen zuhause. Unscheinbar steht zwischen zwei Häusern ein Rosenbusch, der schon über 100 Jahre alt sein muss. Genau festzustellen ist das nicht – vielleicht ranken sich auch deshalb um Rosen so viele Geschichten.

„Rosen sind Frauenpflanzen, sie wirken beruhigend.“
Heidi Waidhas, 2. Vorsitzende der Gartenfreunde

In Birkach geht die Geschichte so: überrascht von ihren eigenen Rosen und der Vielfalt der unterschiedlichen Sorten, haben sich die Birkacher Gartenfreunde ihrer angenommen. Sie verlosen auf ihrer Jahreshauptversammlung jedes Jahr mehrere Rosenstöcke – und nach dem Kreisgartentag 2010 bekam jedes Haus als Dankeschön natürlich eine Rose. So ranken die edlen Blumen in Bäumen und über Terrassen, schmücken Durchgänge, Höfe und Gärten. Und die Bewohner wurden immer geschickter im Umgang mit Rosen und sammelten immer mehr Wissen über sie.

„Im Frühjahr brauchen Rosen Dünger“, sagt Vorsitzende Erika Elflein. Sie ist der Motor des Rosendorfs. Nicht immer weiß sie, warum, aber sie tut, was richtig ist. Jetzt also hat sie die Erde ihrer Rosen und auch derer an den Ortseingängen mit einer Grabgabel gelockert und mit Kompost für die Saison gestärkt. Luft und Durchlüftung auch über der Erde ist den Pflanzen wichtig – und die Gesellschaft, in der sie stehen. Ist der Platz eher sonnig, dann lieben sie Lavendel als Nachbarn. Im Halbschatten eignet sich auch Frauenmantel.

Auf dieser von Rosen überwachsenen Terrasse der Familie Dirauf werden Kinder Rosenmärchen lauschen können. Foto: Tim Birkner

„Rosen sind Frauenpflanzen, sie wirken beruhigend“, weiß Waidhas. Weiß, gelb, rosa oder rot, offene oder gefüllte Blüten, je genauer man hinsieht, desto mehr entdeckt man. „Wenn sie dann noch einen Nutzen haben, dann freue ich mich besonders.“ Rosensirup, Rosengelee, Rosenbowle macht Waidhas aus den duftenden Blüten.

Offene Blüten für die Bienen

Waren früher volle Blüten Elfleins Leidenschaft, so hat sich das gewandelt. Sie hat dazugelernt: „Da kommen die Bienen ja gar nicht rein. Offene Blüten sind viel besser.“ Je mehr Rosen es in Birkach wurden, je fleißiger sie gepflegt und umsorgt wurden, desto mehr fiel auf: Ein härterer Stiel macht Rosen weniger windanfällig. Die Züchter arbeiten heute in diese Richtung.

Wenn Obstbäume anhand ihrer Früchte auch nach Jahrzehnten noch bestimmt werden können, ist das bei Rosen nur schwer möglich. So ist es wichtig, Sorte und Ursprung beim Pflanzen festzuhalten – sonst geht das Wissen verloren. Damit möglichst viele an den Geschichten teilhaben können, wollen die Gartenfreunde für den Rosentag am Pfingstsonntag zusammen mit Kreisgartenfachberater Michael Stromer Tafeln erstellen und bei den jeweiligen Pflanzen anbringen.

Rosenmärchen, Lieder und Geflecht

Wie hier, direkt in der Ortsmitte gegenüber der Marienkirche, blühen und duften Rosen überall in den Birkacher Gärten. Foto: Tim Birkner

In einer von duftenden Blüten überrankten Terrasse wird Kathrin Stromer Kindern Rosenmärchen erzählen. Auch der Gesangverein hat sich anstecken lassen. Er probt bereits Rosenlieder. „Rosen sind stimulierend in Richtung Liebe“, sagt Waidhas. Das spiegelt sich auch in den Liedtexten wider – und strahlt hoffentlich auf viele Besucher ab. Wer etwas von diesem Flair mit nach Hause nehmen möchte, kann sich bei einem Rosenzüchter aus Norddeutschland mit eigenen Pflanzen eindecken. „Wir haben ihn durch Zufall auf dem Rosenmarkt in Eggenbach kennen gelernt“, erzählt Elflein. Es war schwer, an ihn heran zu kommen: „Da standen immer mindestens 15 Frauen um ihn rum.“ Wem das zu viel Gedränge ist, der kann sich bei einem Workshop von Gitti Klitzner seine eigene Rose aus Weidenrinden flechten. Sie eignet sich als Deko und blüht ganzjährig.

Von Tim Birkner

Weitere Artikel