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LICHTENFELS

Amtsgericht: Helloween- oder Heroin-Party?

Im Amtsgericht in der Kronacher Straße in Lichtenfels wird Recht gesprochen. Foto: Markus Drossel

Es wird ein Nachspiel haben. Terminlich. Das liegt daran, dass ein maßgeblicher Zeuge gerade in Haft sitzt und von seiner Aussage abhängen dürfte, in welchem Licht der Fall einer 30-Jährigen betrachtet werden sollte.

In der am Mittwoch stattgefundenen Schöffengerichtssitzung sah es mehrmals so aus, als ob die wegen eines Drogendelikts angeklagte Frau reichlich flunkerte und Unwahrheiten erzählte.

Laut Anklageschrift hat die gelernte Bürokauffrau wohl im März 2018 einem damals 16 Jahre alten Jungen bei sich daheim fünf Gramm Crystal Speed für 600 Euro verkauft. Obendrein wurde bei der Angeklagten am 29. November 2018 ein Gramm Crystal Speed gefunden. Sie bewahrte es in ihrer Wohnung auf. Zu den Anwürfen erklärte die von Rechtsanwalt Albrecht Freiherr von Imhoff vertreten Frau, dass sie den besagten 16-Jährigen überhaupt nicht kenne. Dann kam es zu einem Missverständnis. Das bei ihr von der Polizei gefundene Crystal Speed entstamme aus einer Halloween-Party, bei der ihr das wohl zugesteckt worden sei, sagte die Frau. Doch nicht wenige im Saal 14 des Amtsgerichts verstanden eher die Worte „Heroin-Party“.

Als geklärt war, dass die Frau doch nur lediglich von einer Halloween-Party sprach, blieben dennoch genug Fragen übrig. „Wer steckt einem denn so was zu - das kostet doch Geld“, bemerkte Richterin Ulrike Barausch nachhakend. Eine Antwort darauf blieb die junge Frau schuldig. Dafür hatte sie Antworten zu weiteren Merkwürdigkeiten. Als die Polizei bei ihr daheim Crystal Speed fand, da fand sie auf ihrem Handy auch die Aufnahme einer Cannabispflanze sowie auch einer Extasy-Pille.

Das Wappen auf der Extasy-Pille

Als die 30-Jährige erklärte, sie habe das Foto darum geschossen, weil sie die Cannabispflanze bei einem Waldspaziergang gefunden habe, tauschten manche im Saal Blicke miteinander. Auch Staatsanwalt Michael Koch nahm der Frau die Erklärung nicht ab und erwiderte, dass er Cannabispflanzen bei Waldspaziergängen nie finde. Noch ein wenig kurioser fiel die Erklärung zur Extasy-Pille aus. Die nämlich ziere ein Wappen, dem die Frau nachgehen wolle und eben darum habe sie auch ein Foto von der Pille geschossen. Im Übrigen habe sie das Crystal-Speed seitdem in ihrem Tampon-Täschchen aufbewahrt und nie verkauft oder angeboten oder verbraucht.

Eigentlich gedachte das Gericht samt Staatsanwaltschaft, dass man ohne die Aussage des 16-Jährigen auskommen könne, zumal dieser derzeit ohnehin im Gefängnis sitzt. Aus diesem wird er zum nächsten Termin am 12. Juni herbeigeholt werden. Dann soll er sich zu dem Geschehen und dem Aussageverhalten eines weiteren Zeugen äußern, der von sich sagt, an einer paranoiden Schizophrenie zu leiden. Doch möglicherweise, auch das stellte das Gericht in Aussicht, könnte es dann bei diesem Fall um unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln erneut zu einem weiteren Termin kommen.

Von Markus Häggberg

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