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LICHTENFELS

Aus dem Lichtenfelser Gerichtsaal direkt in Haft

Prozess gegen Vater, der Sohn zu Tode geprügelt haben soll
Der Verurteilte wurde aus dem Gerichtssaal direkt zurück ins Gefängnis gebracht. Foto: Friso Gentsch (dpa)

Fünf Monate Haft lautete das Urteil für einen 31-jährigen Angeklagte vor dem Lichtenfelser Amtsgericht am zweiten Verhandlungstag. Allerdings verhängte Richter Alexander Zenefels diese Strafe nicht wegen des Vorwurfs der sexuellen Nötigung, sondern wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Aus dem Gerichtssaal wurde der Verurteilte zurück ins Gefängnis gebracht.

Von der Anklage blieb nicht ganz so viel übrig, wie es zu Prozessbeginn den Anschein hatte. Doch genug, um für den 31-Jährigen eine neue Gesamtstrafe zu bilden. In Fußfesseln wurde er am Donnerstag vorgeführt und ebenso wie am ersten Prozesstag wirkte er unbeteiligt.

Die Staatsanwaltschaft warf ihm eine sexuelle Belästigung am 2. Juni 2018 gegen 1 Uhr in Burgkunstadt. Mit derben Worten habe er zwei damals 14-jährige Schülerinnen massiv sexuell belästigt. Alkohol soll dabei ebenfalls im Spiel gewesen sein. Einem gemeinsamen Freund, der dazu kam, habe der Angeklagte so heftig in den Bauch geboxt, dass dieser zusammenbrach.

Auffällig an dem Strafverfahren war, dass die Vorwürfe gegen den Angeklagten zunehmend entkräftet wurde, dafür aber neue Straftatbestände auftauchten. So entlastete eine 17-jährige Zeugin den Angeklagten am ersten Prozesstag, durch die Aussage, dass möglicherweise dessen Freund die unflätigen Bemerkungen gemacht habe. Mit dem Angeklagten habe sie kaum geredet. Massive Vorwürfe erhob das Opfer des Faustschlags.

Zu einer Wende kam es am zweiten Verhandlungstag, weil eine Frau, die zu Prozessbeginn unter den Zuschauern saß, womöglich versucht hatte, Einfluss auf das Aussageverhalten einer Zeugin zu nehmen. Die 15-Jährige, eines der mutmaßlichen Opfer, berichtete davon, dass 45-jährige Frau sogar „bei uns an der Tür geklingelt hat.“ Daraufhin drohte Staatsanwalt Daniel Killinger, zu untersuchen, ob es sich bei dem Verhalten der Frau um Zeugenbeeinflussung handeln könnte.

Ins Visier des Staatsanwalts geriet auch ein 34-jähriger Freund des Angeklagten, der diesen zum Tatzeitpunkt begleitete. Er sagte aus, die Mittvierzigerin sei die Freundin des Angeklagten. Er habe sie sogar für einen Besuch ins Gefängnis gefahren. Er habe sich zwar im Vorfeld der Verhandlung „viele Gedanken gemacht", könne aber nicht viel sagen, erklärte der Zeuge. Nach seiner Erinnerung gab es am Abend des Vorfalls „irgendwann Streit wegen irgendwas – dann sind wir alle auseinander gegangen".

Vorwurf der sexuellen Nötigung von zwei 14-Jährigen nicht zu beweisen

Der Verdacht der sexuellen Nötigung gegen den Angeklagten war auch deshalb nicht zu erhärten, weil die 15-jährige Zeugin nicht mit Sicherheit sagen, wer ihr Bein begrapscht hatte. Für Staatsanwalt Killinger blieb somit nur der Vorwurf der Körperverletzung.

Aber er machte deutlich, wie wenig er davon hält, „wenn zwei Über-Dreißigjährige sich mit zwei 14-Jährigen nachts um 1 Uhr auf dem Volksfestplatz rumtreiben - und das auch noch mit Alkohol." Er forderte sieben Monate Haft ohne Bewährung für den Angeklagten, da dieser „keine festen Strukturen" habe und eine „hohe Rückfallgeschwindigkeit" drohe. Dies stehe auch im Zusammenhang mit seinem Alkoholproblem.

Von Markus Häggberg

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