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LICHTENFELS

Vor dem Amtsgericht Lichtenfels: Ladendieb kommt in Haft

Auch Polizisten kaufen manchmal ein. In der Freizeit und in zivil. Dann behalten sie ihren geschulten Blick bei. Eben das wurde einem Ladendieb zum Verhängnis. Am Dienstag hatte sich ein 29-jähriger Ex-Landkreisbewohner vor dem Amtsgericht zu verantworten.

Heute lebt der Mann in Thüringen, im Oktober 2018 hingegen wohnte er im östlichen Landkreis. Am 26. Oktober des vergangenen Jahres ging er in einen Burgkunstadter Supermarkt und schaute sich um. Damit erregte er die Aufmerksamkeit eines 34-jährigen Polizisten. „Er hat sich auffällig verhalten und ist um den Kassenbereich herum, ich bin gleich hinterher und hab meinen Dienstausweis raus“, schilderte der Beamte den Moment der Festnahme.

Tatsächlich fand sich im Jackett des Festgehaltenen eine Flasche Schnaps. Mehr noch: 1,49 Gramm Marihuana. Nun war der Mann nicht nur wegen Diebstahls, sondern auch wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln dran.

Seit fünf Jahren sei er nun in Deutschland, so der angeklagte Libyer. Was ihm die Zeit unerträglich gemacht habe, sei, dass „jeder Tag wie der andere“ verlaufen sei. Egal, wo er sich beworben habe, immer sei er abgelehnt worden.

Das habe ihn krank gemacht, und darum nehme er auch seit zwei Jahren Pillen gegen Stress. An dem bewussten Tag, so der 29-Jährige, habe er unter Migräne gelitten. Den Vorwurf des Diebstahls wollte er nicht gelten lassen. Er habe bezahlen wollen.

Vier Vorstrafen wegen Diebstahls

Richter Alexander Zenefels wollte der Sache mit dem Alkohol und den Schmerzpillen nachgehen. Er mutmaßte, der Alkohol und die Tabletten hätten sich in ihrer Wirkung aufheben mögen, aber der Angeklagte versicherte, dass ihm diese Mischung Schmerzen manchmal erträglicher gemacht habe. Auf keinen Fall aber habe er die Flasche in die Jackentasche gesteckt.

„Er hat sich auffällig verhalten und ist um den Kassenbereich herum, ich bin gleich hinterher und hab meinen Dienstausweis raus.“

Polizist im Zeugenstand

Dies widersprach den Angaben des Polizisten. Noch etwas sollte der Aussage des Beamten mehr Gewicht verleihen: das Bundeszentralregister des Festgenommenen. Vier Einträge, viermal wegen Diebstahls. So, wie es aussah, stand der Angeschuldigte während des Vorfalls unter Bewährung. Als das zur Sprache kam, beteuerte der Angeklagte, nicht mehr stehlen zu wollen. Zenefels hielt dem Mann entgegen, dass er das schon einmal vor Gericht zugesichert und dann doch wieder zulangt habe.

Für Staatsanwalt Martin Dippold gab es keinen Diskussionsbedarf, der Fall war in seinen Augen klar: schuldig wegen Diebstahls und unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln. „An und für sich eine Kleinigkeit“, so Dippold mit Blick auf den Wert des Schnapses – 5,49 Euro. Allerdings hatte der Angeklagte unter Bewährung gestanden. Eine sechsmonatige Freiheitsstrafe sei gerechtfertigt, weil die „Rückfallgeschwindigkeit hoch“ war.

Sein Leben hat sich verändert

Rechtsanwalt Christoph Johannsen sprang für seinen Mandanten in die Bresche und verwies darauf, dass dieser nun in anderer Stadt Arbeit gefunden habe, sich also sein Leben durchaus geändert habe. Eine Geldstrafe in Höhe von 3000 Euro würde darum schmerzhaft genug ausfallen. Nach kurzer Verhandlungspause betrat Zenefels wieder den Gerichtssaal und verkündete das Urteil: Vier Monate Haft. Ohne Bewährung.

Von Markus Häggberg

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