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LICHTENFELS

Regiomed schreibt Defizite

Für die Nachnutzung des Helmuth-G.-Walther-Klinikums soll nun doch ein Investor gesucht werden. Foto: OT-Archiv

Schon seit Längerem kursieren Gerüchte über eine finanzielle Schieflage des Regiomed-Klinikverbunds und über mögliche Nachlässigkeiten der Aufsichtsgremien. So soll zum Beispiel von vornherein klar gewesen sein, dass die im Bau befindliche Regiomed-Zentralküche in Lichtenfels aufgrund ihrer „Randlage“ im Klinikverbund nur defizitär betrieben werden könne. Auch aus Personalkreisen ist immer öfter über eine extreme Arbeitsbelastung und untragbare Zustände zu hören. So stünden im neuen Lichtenfelser Klinikum teilweise die OP-Säle mangels Personal still. Mittels teuerer Honorarkräfte werde versucht, dieses Defizit an Mitarbeitern auszugleichen. Auch ist weiterhin von gravierenden baulichen Mängeln im Gebäude die Rede. Ferner werden von Patienten immer mehr Stimmen über eine unzureichende medizinische Versorgung im neuen Klinikum laut.

In der Sitzung des Kreisausschusses am Montag nahm Kreisrat Heinz Petterich (FW) nun Medienberichte, in denen auch von überhöhten Honoraren für Berater in Höhe von insgesamt 17,5 Millionen Euro in den Jahren 2013 bis 2018 gesprochen wird, zum Anlass, bei Landrat und Regiomed-Aufsichtsratmitglied Christian Meißner nach dem Stand der Dinge zu fragen. Der Landrat machte daraufhin seinen Ärger darüber deutlich, dass offensichtlich aus nichtöffentlichen Sitzungen der Regiomed-Gremien Informationen an die Presse weitergegeben würden.

„Ich habe mir das Ganze auch einfacher vorgestellt.“

Landrat Christian Meißner zur

Nachnutzung des

Helmut-G.-Walther-Klinikums

Er verwies darauf, dass auch er derzeit aufgrund der laufenden Beratungen zur Verschwiegenheit verpflichtet sei. Er stellte jedoch heraus, dass auch er von den nun diskutierten Defiziten des Verbunds überrascht worden sei. Trotz einer guten wirtschaftlichen Prognose im Herbst vergangenen Jahres sei der Verbund nun unerwartet schnell in ein Millionendefizit gerutscht. Er sei sich aber sicher, „dass wir das Regiomed-Schiff wieder auf Kurs bringen“.

Nun sei ein Kontrollgremium einberufen worden, dessen Bericht derzeit innerhalb des Verbunds diskutiert werden sollte. Dieser sei aber entgegen aller Absprachen vor Abschluss der internen Beratungen in die Öffentlichkeit getragen worden. Er unterstellte einigen Mitgliedern des Strategie- und Kontrollgremiums einen „Verfolgungseifer“. Er verwies darauf, dass die finanzielle Situation vieler Kliniken aktuell angespannt sei und im Klinikum Lichtenfels weiterhin eine hervorragende medizinische Arbeit geleistet werde. Gegenteilige Presseberichte würden dem Ansehen des Klinikums schaden.

Riesiger Schaden für die Einrichtung

Voraussichtlich ab dem Schuljahr 2020/21 soll es am Meranier-Gymnasium auch einen wirtschaftswissenschaftlichen Zweig geben. Foto: Stefan lommatzsch

Er stellte außerdem klar, dass dem ehemaligem Regiomed-Hauptgeschäftsführer Joachim Bovelet nicht gekündigt wurde, sondern seine Tätigkeit im Rahmen eines Aufhebungsvertrags, bei dem keine weiteren Kosten entstanden seien, beendet worden sei. Er verwies darauf, dass sich der Klinikumverbund in den nächsten Tagen zu den Vorwürfen äußern will.

Auch CSU-Fraktionsvorsitzender Peter Schmauser und Frank Novotny (SPD/SB), der dem eingesetzten Kontrollgremium angehört, echauffierten sich über die vorab in die Öffentlichkeit geratenen Informationen. Schmauser nannte dies einen „riesigen Schaden für die Einrichtung“.

Zwei weitere Tagesordnungspunkte der Sitzung befassten sich mit dem Themenkomplex „Klinikum Lichtenfels“. So wurde der Antrag der SPD-Kreistagsfraktion auf Einrichtung von Fahrradstellplätzen im Parkhaus des neuen Klinikums zur Prüfung und möglichen Realisierung an die Krankenhausdirektion weitergeleitet. Der Hintergrund: Da der Landkreis nur mit 25 Prozent am Klinikumverbund beteiligt ist, kann diese Entscheidung nicht vom Landkreis allein getroffen werden. Landrat Meißner signalisierte jedoch seine Zustimmung zu dem Vorhaben und teilte mit, dass neben den Fahrradstellplätzen bereits Ladestationen für Elektrofahrräder und -autos im Parkhaus angedacht seien. Der Antrag der SPD könnte dieses Vorhaben aber beschleunigen, ergänzte er.

Nun wird ein Investor gesucht

Viel war in den vergangenen Jahren über die Nachnutzung des Helmut-G.-Walther Klinikums gesprochen worden. Zumeist war davon die Rede, dass der Regiomed-Klinikverbunds zumindest große Teile des alten Gebäudes für die Krankenpflegeschule und Fortbildung, für eine Abteilung Hospiz- und Palliativmedizin und vor allem Sekretariat und Hörsäle für die Regiomed Medical School beziehen werde. Aber auch über einen Verkauf an Investoren wurde bereits diskutiert. Nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Schieflage bei Regiomed teilte Landrat Christian Meißner nun mit, dass nun doch Investoren für die Nachnutzung des Gebäudes geworben werden sollen. Er verwies darauf, dass der Landkreis den weiteren Unterhalt des Gebäudes auf keinen Fall stemmen könne und machte deutlich, dass die Bausubstanz mit der Zeit auch nicht besser werde.

In einer Kreistagssitzung am 24. Juni soll nun ein Interessensbekundungsverfahren mit anschließender Nutzung durch einen Investoren eingeleitet werden. Er sagte, dass erst in der vergangenen Woche ein Investor sein Interesse bekundet habe. Wichtig sei ihm jedoch, dass das Vorhaben vom Kreistag mitgetragen werde, daher die Sondersitzung im Juni. Der Landrat räumte ein, dass er die Frage der Nachnutzung unterschätzt habe: „Ich habe mir das Ganze auch einfacher vorgestellt.“ Frank Novotny begrüßte den Vorschlag mit den Worten: „In der heißen Phase, in der sich Regiomed derzeit befindet, dürfen wir damit nicht länger warten.“

 

Von Stefan Lommatzsch

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