LICHTENFELS

Igel Fauchi wohnt zur Zwischenmiete

Igel Fauchi wohnt zur Zwischenmiete
Michaela und Mario Deumlich mit ihrem jüngsten Zögling, dem Igel Fauchi.

Zwischen Königspythons, zwölf Katzen und der Bartagame-Echse lebt glücklich und zufrieden der kleine Igel Fauchi. Natürlich nicht für immer. Spätestens nach Eisheiligen muss Familie Deumlich ihn wieder zurück in die Natur schicken. „Er ist schließlich ein Wildtier“, erklärt Michaela Deumlich.

Anfang letzten Winters barg die Familie einen rund 200 Gramm schweren Igel. Keine Wildtierauffang-Station hatte nach dem heißen Sommer vergangenen Jahres Platz für das kleine Findelkind. Deshalb nahmen Michaela Deumlich und ihr Mann die Igel-Überwinterung selbst in die Hand. „Wir haben zwölf Katzen. Ein Tier mehr oder weniger macht da nicht den Unterschied.“ Jetzt wohnt der stachelige Kerl in einem Hasenkäfig im Gartenhäuschen.

Igel Fauchi wohnt zur Zwischenmiete
Familie Deumlich hat ein Herz für Tiere, speziell auch für Katzen.

Die Hilfe für das kleine Säugetier ist nicht das einzige Tierschutz-Projekt der Familie. Auch die Katzen sind durch Rettungsaktionen in das Haus der Deumlichs gekommen. Befreit wurden sie aus den Händen von Bauern, die sie im Fluss ertränken wollten, oder aus Messie-Haushalten. Ganz schlimm ging es Kater Lumpi. Er fristete sein Leben in einem Meerschweinchenkäfig. Das ist lange her. Seit 15 Jahren wohnt er jetzt bei der Lichtenfelser Familie.

Schwerer Abschied

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Auch eine Bartagame gehört zur Familie.

Kater Samy hat eine chronische Bauchspeicheldrüsen-Infektion und braucht Infusionen. Zum Glück ist die städtische Angestellte gelernte Arzthelferin und kann das selber übernehmen. Katzen bekommen Krankheiten, wenn sie in einem unhygienischen Umfeld leben. Beispielsweise in Messie-Haushalten, in denen oft auch „Animal Horting“ betrieben wird. So nennt man es, wenn man viele Tiere hat, aber sich nicht artgerecht um jedes einzelne kümmern kann. Bei Familie Deumlich sieht es ganz anders aus. Alles ist blitzeblank. Samy scheint sich pudelwohl zu fühlen. „Er ist zwar rappeldürr, aber solange er frisst, herumspringt und schläft muss man ihm nicht einschläfern“, freut sich die Lichtenfelserin.

Anders erging es der misshandelten Katze Ginny. Zur Zeit ihres Auftauchens im Tierheim Lichtenfels war Michaela Deumlich gerade ehrenamtlich dort tätig. Sie wurde wohl einfach aus einem Auto geworfen. Ihr Zustand sei erbärmlich gewesen, beschreibt Michaela Deumlich. „Bevor sie eingeschläfert wurde, habe ich sie dann mit zu mir nach Hause genommen“, erinnert sie sich.

Dort haben sie und ihre Familie der Katze dann noch sechs schöne Jahre bescheren können, bevor sie die Kleine einschläfern mussten. „Das war vor allem für meinen Mann schlimm. ,Meine Prinzessin‘ hat er sie immer genannt“, sagt die Frau und schaut mit traurigem Lächeln auf den Boden.

„Wenn man ein Tier hat, dann muss man den Weg mit ihm bis zum Schluss gehen.“
Michaela Deumlich, Tierschützerin

Es ist immer schwer, sich von einem geliebten Tier zu verabschieden, aber eine würdevolle Bestattung kann helfen. Vier von den Haustieren sind auf dem Tierfriedhof beim Tierheim begraben, ihr kürzlich verstorbener Kater Fredolin wurde in Nürnberg bei einem Bestattungsunternehmen für Tiere eingeäschert. Sein Tod schmerzt Michaela Deumlich noch immer. Jeden Abend wird die Urne mit einer Lichterkette beleuchtet.

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Wie ein Fotomodell schaut der Igel in die Kamera.

„Wenn man ein Tier hat, dann muss man den Weg mit ihm bis zum Schluss gehen“, findet sie. Der gemeinsame Lebensweg hat seinen Preis. 220 Euro zahlt die Tierschützerin für die Verpflegung ihrer Vierbeiner im Monat. Von ihrem Mini-Job-Gehalt im Monat und dem, was ihr Mann, der drei Schichten arbeitet, verdient, bleibt nicht mehr sehr viel übrig. Es kam schon vor, dass sie sich 13 Jahre lang keinen Urlaub leisten konnten. Die vorherigen Jahre war das aber kein Problem mehr. 2018 reisten sie in die Türkei. „In ein tierfreundliches Hotel“, so Michaela Deumlich.

Das war ihr natürlich wichtig. Nur sei das im Reiseprospekt als „tierfreundlich“ angepriesene Hotel nicht ganz das, was sie sich darunter vorgestellt hatte. Das Katzenhaus wurde 2017 abgerissen. „Nur eine kleine, magere und kranke Katze war noch auf dem Gelände“, sagt sie. Eine Katze, die das Glück hatte, die Deutsche zu treffen. Denn die Urlauberin suchte im Internet nach Hilfe. Und sie findet ein deutsches Ehepaar in der Türkei, das dort Straßentiere versorgte.

Angelika Bürger und ihr Mann Lutz von der Kemer Tierhilfe Antalya nehmen sich dem Kätzchen an. Seitdem besteht Kontakt und Freundschaft zwischen den beiden Paaren.

Finanzspritze dank Facebook

Igel Fauchi wohnt zur Zwischenmiete
Ein Dankeschön für ein liebevolles Zuhause.

Von Deutschland aus versuchen die Deumlichs die beiden finanziell zu unterstützen. Und das obwohl das Geld schon beim Katzenfutter knapp wird. Doch die findige Tierschützerin hat deshalb eine Verkaufsseite auf Facebook eingerichtet. Hier macht sie alles Mögliche zu Geld, was sonst weggeworfen werden würde. Von Kinderlätzchen, über Porzellanpuppen bis hin zu Comics verkauft sie dort günstig, was ihr durch Bekannte zugetragen wird. Der Ertrag daraus geht in die „Tierschutzkasse“. Aber auch Zweibeinern hilft sie. Derzeit steht sie zwei jungen Müttern in Schwierigkeiten zur Seite. Gerne nimmt sie Sachspenden an.

Die Liebe zu Lebewesen hat die Mutter schon längst weitergegeben. Ihr achtjähriger Sohn besteht darauf, jeden toten Regenwurm im kleinen Beet zu begraben. Auch ein totes Eichhörnchen wurde schon von der Familie bestattet. Der Große ist jetzt 16 und versucht, sich vegetarisch zu ernähren.

Kein Geld mehr für den Tierschutz

Mit dem Tierzuwachs wird aber in nächster Zeit Schluss sein. Der Kleine möchte wieder gerne in den Urlaub, der Große macht bald den Führerschein. Die finanziellen Mittel werden eben einfach anderweitig benötigt. „Man kann leider nicht jedes Tier retten“, bedauert Michaela Deumlich.

Igel Fauchi wohnt zur Zwischenmiete
Unfassbar: Dieser Stubentiger wurde von seinem Vorbesitzer schwer misshandelt.

Aber man kann helfen soweit es möglich ist. So wie beim Igel Fauchi, der mittlerweile schon 510 Gramm wiegt. Obwohl er anfangs nichts essen wollte. Weder Mehlwürmer noch Katzenfutter. Parasitenfrei ist er im Gegensatz zum Anfang des Winters mittlerweile auch. „Igel sind ja absolute Parasitenkugeln“, meint die Tierschützerin. Den Namen hat ihm übrigens der achtjährige Sohn gegeben. „,Mama, der faucht‘, hat er gesagt. Und ich sagte: Gut, dann heißt er jetzt Fauchi!“