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KLOSTER BANZ

So schön klingt ein Happy End auf der Banzer Orgel

Das Banzer Orgelgehäuse stammt aus dem Jahr 1735. Foto: Theresa Ehrl

Pfeife an Pfeife. Das Innenleben der barocken Seuffert-Orgel ist normalerweise undurchdringbar. Ein Finger passt gerade so zwischen die Metallkörper. Im Moment sind sie ausgebaut. Die sogenannten „Läden“, auf denen normalerweise die Orgelpfeifen stehen, sind freigelegt. Eine dicke Staubschicht überzieht sie. Für Pfarrer Hans-Werner Alt ist es klar: Eine Grundreinigung ist bitter nötig.

„Nach 30 Jahren hat sich da einiges an Staub angesammelt“, erklärt Monika Sommer, die Restauratorin der Firma Woehl. Das habe natürlich Auswirkungen auf den Klang. Diese Orgel dürfe nicht vernachlässigt werden, ist Pfarrer Alt wichtig. Seit vielen Jahren setzt er sich für das kostbare Kircheninstrument ein.

„Quasi unbespielbar“

Als er nach Banz kam war die damalige Orgel „quasi unbespielbar“. Denn 1902 war das Original, das 1735 von Johannes Philipp Seuffert, dem Hoforgelbaumeister aus Würzburg, gebaut worden ist, von der herzoglichen Familie der Wittelsbacher durch eine romantische Bittner-Orgel ausgetauscht worden. Der damalige Zeitgeist verlangte nach einer Orgel, auf der man die Stücke der Französischen Romantik spielen konnte.

Das vorhandene Instrument war allerdings mehr auf Bach und Mozart ausgerichtet als auf die Romantiker Mendelssohn und Lefébure-Wély.

„Eine Schande! So eine Orgel für so einen Raum“, schimpft Pfarrer Alt und spielt damit auf die barocke Architektur der Kirche an. Er setzte in den 1980ern seine Bemühungen zuerst daran, die Seuffert-Orgel zu replizieren, bis er erfuhr, dass der Orgelbauer Gerald Woehl in Marburg genau das entgegengesetzte Problem hatte. „Hier gab es ein Gehäuse ohne Seuffert-Orgel, und wir hatten eine Seuffert-Orgel ohne Gehäuse“, lacht die bei Woehl angestellte Restauratorin Monika Sommer.

Es sei reines Glück gewesen, dass die Parteien vor der Zeit des Internets überhaupt voneinander erfahren haben. Noch größeres Glück war es, dass die Orgel wie angegossen in das von Johann Thomas Wagner gefertigte Gehäuse passte, sind sich beide einig. „Es sollte wohl einfach so sein“, vermutet die Restauratorin.

Aus zwei Orgeln eine gebaut

So begann man aus den zwei Teilen wieder eine vollständige barocke Orgel zu bauen. Der nächste Zufall ließ nicht lange auf sich warten. Der Priester fand noch während der Bauphase ein Bild der alten Orgel, so dass diese mit den Originalteilen, die aus Kloster Grafschaft stammen, eins zu eins nachgebaut werden konnte. Und auch den fehlenden Mittelteil und andere mechanische Bestandteile, wie Pfeifen oder Windladen, konnte man so originalgetreu ergänzen.

Das Instrument habe jetzt schon einiges von Deutschland gesehen, meint Sommer: „Von Westfalen über Hessen und nach Franken zurück.“

Die Zeit drängt

Seit diesem Tag sparte der Pfarrer von Banz auf die Reinigung der nun in Banz eingebauten Orgel. Vor fünf Jahren sollte es bereits soweit sein, aber das Geld reichte noch nicht.

Durch Benefizkonzerte und Spenden aus der Gemeinde kamen nicht die benötigten 40 000 Euro zusammen. Von öffentlichen Stellen habe er keinen Cent für die Restauration bekommen. Auch wenn die Arbeiten bereits laufen, noch immer sammelt der engagierte Geistliche, um die letzten Beträge zu sichern.

Aus Altersgründen tritt der Geistliche am 1. September in den Ruhestand. Es musste also schnell gehandelt werden. Denn das Projekt „Orgelreinigung“ soll dann erfolgreich abgeschlossen sein.

Gottesdienst dank Echowerk

Vor vier Wochen wurden die ersten Pfeifen abgeholt, damit der Innenraum des Instruments sauber gemacht werden konnte. Vermisst wird die Orgel momentan nicht. Im Winter hält Alt die Gottesdienste ohnehin in der Krypta, die im Gegensatz zum Hauptraum beheizt ist. Die im Hauptraum stattfindenden Kreuzwege kann der Organist trotzdem begleiten. Der Prinzipal ist bespielbar. Dieser besteht aus den Orgelpfeifen, die man von außen sehen kann.

Es sind die rund 2000 Pfeifen, die dahinter liegen, die ausgebaut wurden. In 14 Tagen könne beim Gottesdienst theoretisch schon wieder das Hauptinstrument eingesetzt werden, meint der Pfarrer, durch das Echowerk seien ja alle Pfeifen doppelt vorhanden. Komplett wäre die Orgel dann aber noch nicht. Das erste Konzert des frisch auf Vordermann gebrachten Instruments wird an Pfingsten stattfinden.

Bis dahin wird noch fein säuberlich geputzt, gestimmt und ausgebessert, sodass man den historisch authentischen und etwas tieferen Klang der Orgel wieder in voller Pracht genießen kann.

Orgelbauerin Monika Sommer und Pfarrer Hans-Werner Alt diskutieren über das Zusammenspiel Orgel und Kirchengebäude. Foto: Theresa Ehrl
Spezialistin Lea Graumann reinigt die hölzernen Orgelpfeifen. Foto: Theresa Ehrl
Ursprünglich erhaltene und ergänzte Orgelpfeifen liegen in Reih und Glied. Foto: Theresa Ehrl
Die originalen Läden von 1744. Auf jedem Loch steht im Betrieb eine Pfeife. Foto: Theresa Ehrl
Die historischen Pfeifen werden repariert, gereinigt und gestimmt. Foto: Theresa Ehrl

Von Theresa Ehrl

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