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LICHTENFELS

Amtsgericht: Am Ende steht die Haftzelle

Gerichtsverhandlung mit Ungereimtheiten über eine Prothese
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Hustend betrat der Angeklagte den Saal 14 im Amtsgericht. Soeben hatte er sich ein Attest vom Hausarzt besorgt, welches besagte, dass er einen grippalen Infekt habe. Mehrmals sollte der Angeklagte signalisieren, an diesem Mittwoch nicht der eigenen Verhandlung beiwohnen zu wollen. „Mein Kopf explodiert und ich habe Halsschmerzen“, so der 40-Jährige. Zweieinhalb Stunden später hatte er größeres Ungemach.

„Na jetzt, wo Sie ja schon mal hier sind“, erklärte Richterin Ulrike Barausch augenzwinkernd an den 40-Jährigen gewandt ihre Bereitschaft, das Verfahren dennoch führen zu wollen. Auch darum, weil es eine Schöffengerichtssitzung war und eine Zeugin eine zweistündige Anreise hinter sich gebracht hatte.

Der Sachverhalt selbst war überschaubar und der Angeklagte auch gesprächsbereit und geständig. Am 25. Juni 2017, so hielt ihm Staatsanwalt Michael Koch in seiner Anklageverlesung vor, habe er bei einem anderweitig staatsanwaltschaftlich verfolgten Mann 20 Gramm Methamphetamin bestellt. Zudem soll er am 1. Juli selbigen Jahres weitere 20 Gramm in Auftrag gegeben. Ziel sei es gewesen, die Drogen gewinnbringend zu verkaufen, wobei der Grammpreis bei 80 Euro gelegen habe.“

Wer war Bezugsquelle

Im Grunde war die Sache geklärt. „Es ist ja ein übersichtlicher Sachverhalt“, bemerkte hierzu auch Richterin Barausch. Dennoch trug der Angeklagte zu einer Klärung bei. Denn, so der Mann, es habe sich nicht um zwei einzelne Übergaben gehandelt, sondern beide Bestellungen sollen am 2. Juli 2017 in Empfang genommen worden sein. Zu seiner Bezugsquelle gab der Lichtenfelser an, dass er sie während seiner Haftzeit kennengelernt habe. Dieser Mann habe ihn ermutigt, mit ihm Geschäfte zu machen. Zur Güte der Ware, die dann ankam und zum Wachbleiben dient, bemerkte der Lichtenfelser: „Die Qualität war schlecht, man hat geschlafen.“

Was die Beweislast gegen den Angeklagten erdrückend machte, war auch ein von der Polizei abgehörtes Telefonat zwischen diesem und seiner Bezugsquelle. In diesem, verlesen von der zur Zeugenaussage angereisten Polizeihauptmeisterin, wurde zwar verklausuliert von Methamphetamin gesprochen, aber eindeutig von Verkaufsabsichten. Ein Vorleben mit Verfehlungen konnte der 40-Jährige vorweisen. Hafterfahren ist er auch, denn er verbrachte insgesamt siebeneinhalb Jahre in Gefängnissen. Auf 13 beläuft sich die Anzahl seiner Einträge im Bundeszentralregister. Bei diesem Fall wog besonders schwer, dass es neben Körperverletzungsdelikten auch von Verfehlungen im Umgang mit Betäubungsmitteln sprach.

„Spürbare Haftstrafe“

Eben das sollte es Staatsanwalt Michael Koch schwer machen, Bewährung in Betracht zu ziehen. Er forderte zwei Jahre und vier Monate Haft. Ganz anders wertete Rechtsanwalt Peter Christ den Sachverhalt und brachte zur Sprache, dass sein Mandant und Familienvater gute Jobaussichten hätte. Um eine Haftstrafe käme man freilich nicht umhin, jedoch bat Christ, diese im „Bewährungsbereich“ zu belassen. Knapp 40 Minuten lang beriet sich das Gericht und kam zu dem Schluss, dass es mit einem Jahr und einem Monat Haft sein Bewenden haben sollte.

Barausch stellte in der Urteilsbegründung klar, dass man nur habe mit einer „spürbaren Freiheitsstrafe reagieren“ können.

Von Markus Häggberg

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