aktualisiert:

LICHTENFELS

Amtsgericht: Drogenkonsum führt direkt hinter Gitter

Prozess um Messerstecherei: Geduldsprobe für den Richter
_

Der jungen Frau stand die Enttäuschung sichtlich ins Gesicht geschrieben. Soeben wurde sie zu einer halbjährigen Freiheitsstrafe verurteilt - das war abzusehen. Jedoch ohne Bewährung - das war für sie offensichtlich nicht unbedingt abzusehen. Am Dienstag kam der Fall der 24-Jährigen vor Gericht, die zum wiederholten Male mit dem Gesetz in Konflikt kam. Der Vorwurf gegen sie lautete auf unerlaubtem Besitz von Betäubungsmitteln.

Diebstahl, vorsätzliches Fahren ohne Fahrerlaubnis, unerlaubter Besitz von Betäubungsmitteln und gemeinschaftliche unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge - die Liste der Verstöße der jungen Frau ist lang genug. Darum wurde sie auch aus der Haft zu ihrer Verhandlung vorgeführt.

„Es ist meines und ich habe mir das besorgt“, erklärte die junge Frau gegenüber Richter Alexander Zenefels gleich vorneweg zu den zwei Gramm Marihuana nebst zwei Gramm Methamphetamin, welche bei ihr am 8. Januar dieses Jahres aufgefunden wurden, als sie sich am Lichtenfelser Bahnhof aufhielt. Doch auf die Frage, wo sie das alles eingekauft habe, gab die 24-Jährig kurz angebunden zurück, das nicht mehr zu wissen. Umso mehr hatte sie etwas zu beteuern: „Mein Ziel ist, eine Therapie zu machen, damit ich meine Sucht in den Griff bekomme.“

Therapie abgebrochen

Schon längere Zeit begleiten Drogen das Leben der jungen Frau und schon einmal hatte sie darum eine Therapie unternommen. Allerdings kam es zu einem Therapieabbruch - wegen Mobbings, wie die Angeklagte erklärte. „Mit Eiern haben sie nach mir geworfen und Zucker in mein Bett gelegt“, meinte die Angeklagte über Teilnehmerinnen ihrer damaligen Therapie. Dass eine Therapie angebracht wäre, versicherte auch Rechtsanwalt Jan Hofer im Namen seiner Mandantin.

Auch Lebensgefährte süchtig

Der Polizist, der die junge Frau am 8. Januar gegen 11.40 Uhr am Lichtenfelser Bahnhof antraf, erinnerte sich noch sehr gut an den Eindruck, den sie damals hinterließ. „Wir haben sie am Bahnhof angesprochen und sie hat sich nervös verhalten, hat an sich rumgenästelt", so der Beamte. Eine Pappschachtel habe die Frau damals mit sich geführt, in der sie neben Drogen allerlei Utensilien aufbewahrte, so zum Beispiel eine Pfeife zum Rauchen, eine Feinwaage und eine unerklärliche Schreckschusspatrone.

Anwalt Hofer versicherte dem Gericht, dass die junge Frau ihren Kontakt zum einstigen Umfeld abgebrochen habe. Allerdings, das stellte sich heraus, mag das nur bedingt zutreffen, ist doch ihr gegenwärtiger Lebensgefährte auch süchtig und ohne Therapieplatz. Im Strafmaß sollten sich alle drei Parteien einig sein. Sechs Monate Haft forderte Staatsanwalt Mario Geyer, allerdings ohne Bewährung.

Hintergrund dessen war, dass das Landgericht Hof schon einst eine zweijährige Freiheitsstrafe gegen die Frau verhängte. „Das ist schon ein ordentliches Ding“, neuerlich aufzufallen, „wenn so ein Damoklesschwert über einem schwebt“, so Geier. Auf sechs Monate plädierte auch Hofer, wenngleich er sich für Bewährung einsetzte. Auf sechs Monate Haft sollte endlich auch Zenefels Urteilsspruch lauten - definitiv ohne Bewährung. „Es ist nicht gesichert, dass ein drogenfreies Umfeld vorliegt“, so der Richter. Ein solches Umfeld aber wäre für eine Bewährung wichtig.

Von Markus Häggberg

Weitere Artikel