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LICHTENFELS

Bund Naturschutz für Biodiversität, gegen Flächenfraß

Andre Maslow, Leiter der Ökologischen Bildungsstätte Mitwitz, referierte über das vom Aussterben bedrohte Rebhuhn (2. v. re.). Für seine 40-jährige treue Mitgliedschaft wurde Horst Söhnge (3. v. re.) mit dem silbernen Abzeichen des BN durch den wiedergewählten Kreisvorsitzenden Anton Reinhardt (re.) geehrt. Claudia Drenda wurde Beisitzerin, Günther Scheler Delegierter, Ute Hauptfleisch Beisitzerin, Elfriede Fischer Schatzmeisterin und Jan Ebert Schriftführer (v. li.). Foto: Anton Reinhardt

„Der Bund Naturschutz wird weiterhin alles tun, um den Erhalt der Biodiversität, also der Vielfalt von Pflanzen, Tieren, Lebensräumen und auch Genen, zu sichern. Einen winzigen, aber nicht unwichtigen Teil tragen auch wir hier, in unserer Heimat am Obermain, dazu bei - mit unserer Grundeinstellung, mit unserem Denken und Handeln.“ Mit diesem Credo leitete BN-Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt seinen Bericht zur Jahreshauptversammlung ein.

Reinhardt stellte die Bedeutung des Bodens besonders heraus. Dazu passe überhaupt nicht, dass wir allein in Bayern pro Tag über 13 Hektar Boden, also etwa 19 Fußballfelder für Straßen, Gewerbe- und Siedlungsgebiete überbauen. Diesen hohen Flächenverbrauch werde der BN weiter anprangern. Als Beispiele nannte der Vorsitzende die Ausweisung weiterer Siedlungsgebiete im Außenbereich der Dörfer und Städte unseres Landkreises und mahnte: „Verdichtetes Bauen sollten Vorrang vor dem Erschließen neuer Areale haben.“

Ähnliches gelte für die Ausweisung neuer Gewerbegebiete: „Es darf nicht sein, dass angesichts von 63,5 Hektar bereits ausgewiesener Gewerbegebiete in unserem Landkreis, manchen Investoren trotzdem gestattet wird, im Außenbereich die Voraussetzungen für neue Gewerbeflächen zu schaffen, wie etwa großer Logistikhallen am Fuße des Vierzehnheiligener Berges.“ Der BN und die Mehrheit der Bürger von Kümmersreuth seien mit dem geplanten neuen Steinbruch der Firma Neupert ebenfalls nicht einverstanden.

Einsatz für Artenvielfalt

Bernhard Christoph, der in Vertretung des Lichtenfelser Bürgermeisters ein Grußwort sprach, meinte: „Wir müssen als Stadt- und Kreisräte mehr für den Erhalt der Artenvielfalt tun. Wir dürfen im wahrsten Sinne des Wortes die Zukunft unserer nachfolgenden Generationen nicht verbauen, indem wir dem Verbrauch freier Landschaft immer weiter zulassen und zu wenig gegen die fortschreitende Klimaerwärmung tun.“ Kontraproduktiv zum Flächensparen seien auch etliche Straßenverkehrsprojekte. Reinhardt sagte: „Wir brauchen zum Beispiel keine neue Straße von Weismain über den Jura zur Autobahn A 70, um eine sogenannte Umgehung für das Kleinziegenfelder Tal zu verwirklichen. Das bestehende überörtliche Straßensystem reicht für den Schwerlastverkehr völlig aus.“

Die Leistungen der Bauern, die sie für eine intakte Umwelt und die Erhaltung unserer Kulturlandschaft erbringen, müssten stärker belohnt werden und sich in einem fairen Preis für landwirtschaftliche Produkte widerspiegeln. Über den Erfolg des Volksbegehrens „Rettet die Bienen - stoppt das Artensterben!“ haben sich die Naturschützer sehr gefreut.

Im Themenfeld Umweltbildung werde der Bund Naturschutz deshalb seine erworbenen naturschutzfachlich wertvollen Grundstücke für Exkursionen gerne bereitstellen, wie etwa ins Schneybachtal oder in Kümmel. Das Naturprojekt mit der Offenen Ganztagsschule (OGS) soll eventuell auch am Meraniergymnasium mit dem Umweltpädagogen Jan Ebert weitergeführt und vertieft werden.

Außerdem werde man gezielte Pflegeeinsätze organisieren, um insbesondere Jugendliche für artenreiche, schützenswerte Strukturen zu sensibilisieren. Desweiteren plane man die Anlage eines Wildkatzen-Lehrpfades im Banzer Wald gemeinsam mit der Herzoglichen Forstverwaltung. Hier sei man auf einem guten Weg. In Sachen Baumschutz werde aus Sicht des Naturschutzes zu wenig getan. Oft würden alte Bäume Opfer voreiliger Fällaktionen an etlichen Stellen des Landkreises.

Gegen die Zerschneidung der Landschaft durch neue Stromtrassen mit riesigen Masten habe der BN beim Besuch von Bundeswirtschaftsminister Altmeier in Redwitz und bei anderen Demonstrationen Flagge gezeigt. Ebenso könne man nicht einfach klaglos hinnehmen, dass manche Leute Altautos, Landmaschinen- und Baufahrzeugwracks einfach in der Landschaft vor sich hinrosten lassen und dabei in Kauf nehmen, dass Schadstoffe in den Erdboden gelangen.

„Leben ohne Plastik“

Mit einem Infostand, dem Film „Leben ohne Plastik“ und dem erneuten Aufruf zum Plastikfasten setzte man Akzente. Erfreulich sei, dass der Bund Naturschutz in der Verfolgung seiner Ziele den Mitgliederstand in der Kreisgruppe auf etwa 900 Mitglieder stabilisieren konnte. Im Kassenbericht brachte Schatzmeisterin Elfriede Fischer zum Ausdruck, dass der BN sich ausschließlich aus Mitglieds- und Förderbeiträgen finanziere. Damit sei die Unabhängigkeit von Parteien und Sponsorfirmen gewährleistet. In den Monaten Juni bis August letzten Jahres ging der Mitarbeiterwechsel im Umweltbüro dank der Hilfsbereitschaft von Sabine Rübensaal und des Engagements des neuen Mitarbeiters Jan Ebert reibungslos vonstatten.

Rettet das Rebhuhn

Andre Maslow, Leiter der Ökologischen Bildungsstätte Mitwitz, referierte anschließend über ein spezielles Bayern-Netz-Natur-Projekt, das die Artenvielfalt in geeigneten Gebietskulissen der drei Landkreise Lichtenfels, Kronach und Coburg verbessern und insbesondere das vom Aussterben bedrohte Rebhuhn erhalten solle. Nähere Auskünfte erteilt die Ökologische Bildungsstätte Mitwitz.

Wahl und Ehrung

Bei der Wahl wurde Anton Reinhardt als BN-Kreisgruppenvorsitzender in seinem Amt einstimmig bestätigt, ebenso Günter Lutz als Stellvertreter, Elfriede Fischer als Schatzmeisterin, Günther Scheler als Delegierter und Ute Hauptfleisch als Beisitzerin. Neu hinzugekommen sind Claudia Drenda und Fred Goller als Beisitzer sowie Jan Ebert als Schriftführer. Für seine 40-jährige treue Mitgliedschaft wurde Horst Söhnge mit dem silbernen Abzeichen des BN, einer Urkunde und einem kleinen Präsent geehrt.

Von Anton Reinhardt

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