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BAD STAFFELSTEIN

Kreisverband für Gartenbau: Anwälte der Natur in den Dörfern

Vorstellung der neuen Ortsvorsitzenden und Verabschiedung ihrer Vorgänger mit Kreisvorsitzendem Christian Meißner (5. v. re.) und Kreisfachberater Michael Stromer (re.). Foto: Gerda Völk

Auch am Obermain werden Steingärten immer beliebter. Statt artenreicher Pflanzungen herrscht in manchen Vorgarten nur noch ein monotones Dauergrau. Deshalb hat der Kreisverband für Gartenbau und Landespflege auf seiner Hauptversammlung einen Antrag von Ausschussmitglied Sylvia Heib zu einer Kampagne gegen „Steinwüsten“ ohne große Diskussionen einstimmig angenommen. In ihrem Antrag schlägt Heib konkrete Maßnahmen zur Förderung der Artenvielfalt von Flora und Fauna vor. Inzwischen haben auch mehrere Städte in der Bundesrepublik der Vorgartengestaltung mit Schotter den Kampf angesagt, wie ein Mitglied aus der Versammlung mitteilte.

In einigen Vereinen des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege Lichtenfels stiegen die Mitgliederzahlen, bei anderen stehen Vereinsauflösungen im Raum. Kreisvorsitzender Landrat Christian Meißner hatte in der Peter-J.-Moll-Halle über beides zu berichten. „Lassen Sie uns zusammen nicht nachlassen, Gartenbauvereine attraktiv zu halten oder wieder attraktiv zu machen“, forderte Meißner seine Zuhörer auf. Das große Interesse am Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zeige, dass die Haus- und Hofthemen der Gartenbauvereine die Bevölkerung bewegen. Gartenbauvereine stehen traditionell für Vielfalt, Naturnähe, Regionalität und Nachhaltigkeit.

Spitzenreiter in der Keltersaison: Mainroth mit 18 000 Litern Saft

Das Jahr 2018 war gärtnerisch betrachtet sehr geprägt vom nassen Frühjahr, dem ab April eine Phase der Trockenheit folgte. Im Gegensatz zu 2017 fiel die Obsternte im vergangenen Jahr sehr gut aus. Das Saftmobil des Kreisverbandes startete drei Wochen früher in die Keltersaison. Zwischen Ende August und Ende Oktober wurde an 34 Tagen rund 58 000 Liter Saft abgefüllt. Unangefochtener Spitzenreiter war heuer Mainroth. Dort wurden an elf Terminen gut 30 Tonnen Obst zu rund 18 000 Litern Saft verarbeitet.

Die Jugendgruppe „Wald- und Wiesenbande“ aus Mainroth sicherte sich den ersten Platz im Wettbewerb des Bayerischen Landesverbands. Foto: Gerda Völk

Der Bayerische Landesverband für Gartenbau und Landespflege hatte im vergangenen Jahr erstmals einen eigenen Jugendgruppen-Wettbewerb unter dem Motto „Streuobst-Vielfalt: Beiß rein“ ausgelobt. An dem Wettbewerb beteiligten sich auch zwei Jugendgruppen aus dem Kreisverband, die „Grashüpfer“ aus Burkheim und die „Wald- und Wiesenbande“ aus Mainroth. Beide Gruppen hatten sich das ganze Jahr über mit Obst beschäftigt, hatten Bäume gepflanzt und geschnitten, Obst geerntet und verarbeitet sowie weitere Aktionen veranstaltet. Die „Wald- und Wiesenbande“ aus Mainroth sicherte sich den ersten Platz und damit auch eine Teilnahme an der Abschlussveranstaltung des Landesverbands am 30. Juni auf der Landesgartenschau in Wassertrüdingen. Steffi Hollfelder aus Oberbrunn wird künftig den Kreisverband bei den Delegiertenversammlungen auf Bezirks- Und Landesebene vertreten.

Mit dem Ehrenkrug des Kreisverbandes wurde Hans Hofmann aus Unnersdorf ausgezeichnet. Hofmann war 1976 Gründungsvorsitzender des Obst- und Gartenbauvereins in Unnersdorf. Ein Amt, das er bis 2017, also 41 Jahre innehatte. „In dieser Zeit haben Sie die Gestaltung und Entwicklung der Ortschaft maßgeblich geprägt“, würdigte Meißner. Er erinnerte an die vielen Pflanz- und Pflegeeinsätze, die Hofmann an vorderster Front ausgeführt hat.

„Wir müssen die Natur schützen. Halten Sie unsere Aufgabe hoch.“
Hans Hofmann, ausgezeichnet mit dem Ehrenkrug des Kreisverbands

Besonders hervorzuheben sei die aufwendige Pflege des Banzer Höhenwegs. Ebenso die vielen Baumaßnahmen, die unter der Leitung des Geehrten vorgenommen wurden, wie beispielsweise der Bau des Brunnenplatzes in Unnersdorf. Im Kreisverband war Hofmann der Spezialist für Trockenmauern. Darüber hinaus war er Mitglied im Ausschuss und von 2003 bis 2007 Schriftführer. „Mit großer Ruhe, aber auch mit großer Zuverlässigkeit haben Sie Ihre Ämter versehen“, unterstrich Meißner. Er habe es gerne gemacht, sagte Hofmann. „Wir müssen die Natur schützen. Halten Sie unsere Aufgabe hoch“, riet er den Anwesenden im Saal. Ein guter Brauch der Jahreshauptversammlungen ist es, die neuen Vorsitzenden der Ortsvereine vorzustellen und ihre Vorgänger zu verabschieden. Die aktuell jüngste Vorsitzende dürfte die 20-jährige Julia Klemenz sein, die vor knapp einem Jahr den Vorstand in Geutenreuth übernommen hatte. Meißner dankte allen neuen Vorsitzenden, dass sie den Mumm hatten, in ihren Ortsvereinen Verantwortung zu übernehmen.

Für seine Verdienste im Obst- und Gartenbauverein Unnersdorf erhielt Hans Hofmann (re.) den Ehrenkrug des Kreisverbandes. Mit im Bild sind Kreisvorsitzender Christian Meißner (li.) und Kreisfachberater Michael Stromer (Mi.). Foto: Gerda Völk

Michael Stromer stellte das Jahresprogramm 2019 vor. Zu den Besonderheiten zählte der Kreisfachberater den Rosentag (9. Juni) in Birkach, der in diesem Jahr den „Tag der offenen Gartentür“ ablöst. Der Kreisentscheid „Unser Dorf hat Zukunft…“ (20. bis 26. Mai) wird gekoppelt mit einem Themenwettbewerb auf Kreisebene unter dem Motto „Blumenschmuck“. Der Familientag des Kreisverbandes (22. Juni) findet heuer in Mönchkröttendorf von 13 bis 17 Uhr statt. Die Jahresfahrt führt vom 19. bis 22. September auf die Schwäbische Alb.

Nachhaltigkeit ist ein Thema für Gartenbauvereine

„Nachhaltigkeit ist auch ein Thema für die Gartenbauvereine“, stellte Stromer fest. Und das Thema wird immer wichtiger. Im Gegensatz zu früher, als Ordnung und Sauberkeit noch als Synonym für Fortschritt galt, verstehen sich die Gartenbauvereine heute als Anwälte der Natur in ihren Dörfern. Über diesen kulturellen Auftrag hinaus sehen sie sich auch auf lokaler Ebene in der Verantwortung. „Wir müssen unsere Landwirte, Obstbauern, Bäcker und Metzger unterstützen, dass sie von ihren Erzeugnissen leben können“, erklärte Stromer. Er konnte sich gut eine Reaktivierung der alten Sandsteinkeller vorstellen, beispielsweise für die Lagerung von regionalen Obst.

Der neue Vorstand

Die neuen Vorsitzenden sind Thomas Pietschmann aus Buch am Forst (Vorgänger Gerhard Angermüller), Alexandra Hümmer aus Eggenbach (Beate Sebald), Julia Klemenz aus Geutenreuth (Dora Motschenbacher), Marion Trunk aus Grundfeld (Maria Will), Hermine Lorber aus Oberküps (Alexa Weidner), Uwe Holewa aus Trainau (Holger Stumpf), Sabine Wolfram aus Unterzettlitz (Martin Leicht) und Gerd Fischer aus Weismain (Helga Selent). Den Gartenpflegerausweis erhielten Rita Hussendörfer aus Altenkunstadt und Berthilla Büttner aus Kösten.
 

Von Gerda Völk

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