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LICHTENFELS

Benefizkonzert für Aktive Bürger: Atmosphärische Dichte in Dezibel

Auch im guten schlechten Geschmack witzig und gekonnt zuhause: der Fanfarenzug Lichtenfels, hier bei einer Backstreet-Boys-Persiflage. Foto: Markus Häggberg

Es war etwas anderes. Und es war spürbar. Es war, als kämen die Leute nicht nur, weil hier ein Eintritt zu einem bekanntermaßen guten Programm frei war. Es fühlte sich vielmehr so an, als ob die Lichtenfelser zu etwas einströmten, zu dem sie Verbundenheit spüren. Y-Not und der Fanfarenzug am Donnerstagabend im Stadtschloss - atmosphärische Dichte in Dezibel und für den guten Zweck.

Herrlich laut

Doch ja, es war laut. Herrlich. Aber Beats wollen laut sein, Bläsersätze hörbar und Rhythmen gehen nie leise ins Blut. „Wir hoffen, dass wir Sie um elf (23 Uhr) verabschieden können“, erklärte Erhard Schlottermüller von den „Aktiven Bürgern“ vor Konzertbeginn an die Menschen gewandt, die den Raum im Stadtschloss schon recht gut füllten. Kurz vor der Bühne aber, so für fünf Meter Distanz, ließen sie Platz. Man weiß bei Y-Not und Fanfarenzug, dass dies die Fläche sein wird, die zum Tanzen gebraucht werden könnte.

„Wir haben Ausgaben,

von denen die Leute

oft nichts wissen.“

Josef Breunlein, Aktive Bürger,

zum Vernstaltungsgrund

Doch worum ging es eigentlich? Die Aktiven Bürger beziehungsweise Bürgerstiftung für Jugend & Familie haben Ausgaben, um ihren Aufgaben nachzukommen. Leselernhelfer, Hausaufgabenbetreuung, Seniorenbetreuung, Betreuung behinderter Menschen oder die Tafeln in Lichtenfelser und Burgkunstadt. „Wir haben Ausgaben, von denen die Leute oft nichts wissen“, wie Josef Breunlein anhand eines Beispiels erklärt: „Auch wenn alle ehrenamtlich arbeiten, müssen ja für sie Versicherungen abgeschlossen sein.“ Darum ein Benefizkonzert, bei dem „Jolande“ gefüttert werden sollte; eine „Spendenschwein“ aus Porzellan mit Schlitz auf dem Rücken. Ziemlich süß, ziemlich groß.

Welthits gekonnt umformatiert

Der Auftakt geriet grandios. Y-Not hatte sofort Draht zum Publikum. Motown-Songs sind sehr hilfreich dabei, erst recht wenn es sich um „Hold on i'm comming“ von Sam & Dave handelt. Markante Bläsersätze, druckvolle Schlagzeugarbeit, präzise Gitarrenphrasierungen - Musik so schweißtreibend wie ehrlich. Y-Not erarbeiten sich ihre Musik neu, formen Welthits gekonnt auf ihr Format um und tun das gut. Zwischen Aretha Franklin und Dusty Springfield, zwischen Classic Soul und Disco. Und wer auf Bee-Gees in den 1970-ern steht, der hat Freude an Patrick Riedls (Keyboard) Stimme.

Doch es sollte im Laufe des Abends noch großformatiger kommen, zumindest in Bezug auf den Auswuchs auf der Bühne. Fanfarenzug, 35 Quadratmeter Bühne, 24 Musiker mit Trommeln und noch mehr Bläsern. Selbst Showeinlagen waren drin, wie immer bei dieser Truppe, in der Komik beheimatet. Rund um Timo Glätzer sollte eine Backstreet-Boys-Nummer entstehen.

Der Sound der Hedimat

Geschmackvolle musikalische Ausgelassenheiten, eine Stimmung erzeugend, die man hätte schneiden mögen. Atmosphärische Dichte, ein von je her von vielen Lichtenfelsern gemochtes Beieinander von Publikum und Künstlern. Der Sound der Heimat - irgendwie.

Ein Bild, das dies am treffendsten beschrieb, mag im Applaus gelegen haben, welcher der Fanfarenzug beim Abgang von der Bühne erhielt, als er, wie durch ein Publikumsspalier gehend, beklatscht wurde.

Ob es irgendwann auch eine dritte Auflage des Benefizkonzerts, bei dem auch die Musikformationen kostenfrei mitwirken, geben wird? Dazu wurde noch nichts verlautet. Wohl aber zu dem, was es eingebracht hat. Die Aktiven Bürger wollen das auf ihrer Webseite demnächst bekannt geben lassen.

Mehr Infos: www.aktive-buerger-lichtenfels.de

Massiver Sound - laut, herzlich, mitreißend.
Der Fanfarenzug beherrscht auch die großen Gesten - hier bei einer Abba-Einleitung. Foto: Markus Häggberg
Auf der Bühne mutieren sie stets zu echten Show-Leuten: Günter Kestel, Eva Rödel und Timo Glätzer. Foto: Markus Häggberg
Wuchtig und gekonnt - Y-Not machen sich seit 20 Jahren einen Namen.
Ein begeisterungsfähiges Publikum feierte bis zum Schluss mit.
Ob Jolande satt geworden ist? Foto: Markus Häggberg

Von Markus Häggberg

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