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Sozialer Tag am MGL: Die Berührungsängste abbauen

Sozialer Tag am MGL: Die Berührungsängste abbauen
Die Gymnasiastin Kim Krappmann (re.) unternimmt hier unter den Blicken von Einrichtungsleiter Tilo Stadelmann sowie der Schülerinnen Chiara Kreier, Lucy Backert und Hannah Manke (2. bis 5. v. li.), eine psychomotorische Übung mit einem Klienten (li.). Foto: Alfred Thieret

Schon zum neunten Male organisierten das Meranier-Gymnasium für die Schüler der 8. Jahrgangsstufe einen sozialen Tag, damit die Schüler soziale Institutionen näher kennenlernen können.

Unter der Leitung des MGL-Mittelstufenbetreuers, Studiendirektor Matthias Bergmann, sowie der Sozialpädagogin Tina Müller und der Lehrerin Britta Commandeur von der Sankt-Katharina-Schule sollte den Gymnasiasten ein konkreter Einblick in die sozialen Aufgabenbereiche unserer Gesellschaft gegeben werden, der in der 9. Jahrgangsstufe noch durch eine Entscheidung für ein freiwilliges soziales Schuljahr mit einem wöchentlichen zweistündigen ehrenamtlichen Dienst in einer gemeinnützigen sozialen oder kulturellen Einrichtung vertieft werden könnte. Da sich in der Nähe des Gymnasiums mehrere Einrichtungen des Heilpädagogischen Zentrums der Caritas befinden, bot sich ein Informationsbesuch dort an.

Die etwa 90 teilnehmenden Schüler der drei 8. Klassen des Gymnasiums verteilten sich in kleinen Gruppen auf einzelne Klassen und Gruppen der Sankt -Katharina-Schule, Maximilian-Kolbe-Schule, Tagesstätte Sankt Anna, des Jugendwohnheims Sankt Michael, des Horts Sankt Martin, der Förderstätte Sankt Franziskus, der schulvorbereitenden Einrichtung im Schneidmühlweg und der Werkstätten Sankt Joseph, um mit den Menschen mit Behinderung, von den Vorschulkindern über die Jugendlichen bis zu den Erwachsenen in Kontakt zu kommen, Berührungsängste abzubauen und mit eventuell vorhandenen Vorurteilen aufzuräumen.

Mehrere Gymnasiasten verbrachten einen Vormittag in der erst am 30. November 2018 eingeweihten Förderstätte Sankt Franziskus des Heilpädagogischen Zentrums der Caritas. In dieser Tageseinrichtung werden maximal 28 erwachsene Personen mit schwerer geistiger, körperlicher, psychischer Behinderung oder starken Verhaltensauffälligkeiten, aufgeteilt in vier Gruppen, von zwei Mitarbeitern pro Gruppe tagsüber von Montag bis Freitag betreut.

Rundgang mit dem Leiter

Bei einem Rundgang stellte der Leiter der Förderstätte, Tilo Stadelmann, den vier Achtklässlerinnen des MGL die Einrichtung und die Klienten vor und erklärte deren Tagesablauf. So stehen jeder Gruppe ein großer Aufenthaltsraum mit Tisch, Sofa und Küchenzeile sowie ein angrenzender Ruheraum zur Verfügung. Neben einem festen strukturellen Rahmen, geprägt durch eine Eröffnungsrunde am Morgen, Spiel- und Ruhezeiten, dem Mittagsessen und einer Vesperpause, gebe es auch viele Aktivitäten, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der einzelnen Klienten angepasst sind. So stünden Einzeltherapien auf dem Programm, die von den Heilerziehungspflegern im Hause oder von Physiotherapeuten von außerhalb durchgeführt würden.

Die Achtklässlerinnen Lucy Backert, Hannah Manke, Chiara Kreier und Kim Krappmann zeigten sich sehr interessiert und stellten auch viele Fragen. So wollte Kim Krappmann wissen, ob es den Klienten auf Dauer nicht zuweilen langweilig wird. Innerhalb eines notwendigen strukturierten Rahmens könne man durchaus variieren, stellte Tilo Stadelmann klar. Jede Gruppe entwickle eine gewisse Eigendynamik. So könne man auch einmal das täglich gelieferte Mittagessen abbestellen und selber etwas zubereiten. Je nach Stimmung könne man die Gitarre hervorholen und sich musikalisch betätigen oder die Natur bei einem Spaziergang genießen. Im Sommer würden regelmäßig Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung gemacht, beispielsweise in den Kurpark der Obermain-Therme, zum Wasserspielplatz in Weismain oder zum Oberwallenstadter Baggersee.

Für Abwechslung ist gesorgt

Zudem gebe es ein regelmäßiges Therapieangebot mit Tieren und zwar mit Pferden und Lamas. Verschiedene Interessengruppen für Kino, Reiten oder Ausflüge würden ebenfalls für Abwechslung sorgen. Hannah Manke ging mit der Frage, wie die betreuten Menschen mit ihrer Behinderung umgehen würden, mehr auf die menschliche Seite der Betroffenen ein. Vor allem körperlich behinderte Menschen wüssten natürlich genau um ihre Einschränkung, ob es sich um eine teilweise gelähmte Person nach einem Schlaganfall oder einen stärker behinderten Menschen mit Sprachverlust handelt, erläuterte Stadelmann. Chiara Kreier und Lucy Backert fragten nach dem Bezug der Klienten zu ihren Betreuern, vor allem über die Auswirkung bei einem Wechsel. Stadelmann bejahte zwar einen mehr oder weniger starken Bezug der Klienten zu ihren Betreuern, sie würden sich aber trotzdem relativ schnell an einen neuen Betreuer einstellen.

Schließlich begaben sich die vier Schülerinnen in die verschiedenen Gruppenräume und beschäftigten sich mit den Klienten, indem sie mit ihnen Spiele, hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Laufübungen oder psychomotorische Übungen unternahmen.

Der soziale Tag mit dem Besuch der Achtklässler des Meranier-Gymnasiums war für die Klienten der Förderstätte St. Franziskus ein freudiges und aufregendes Erlebnis, brachte er doch eine willkommene Abwechslung in ihr übliches Tagesgeschehen. Aber auch die Gymnasiasten profitierten davon, indem sie Einblicke in die vielfältigen Aufgaben unserer sozialen Gesellschaft gewinnen konnten.

Von Alfred Thieret

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