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LICHTENFELS

Schöffen im Amtsgericht Lichtenfels: Brücke der Justiz zum Bürger

Schöffen im Amtsgericht Lichtenfels: „Brücke der Justiz zum Bürger“
Mit dem Jahreswechsel endete die Tätigkeit dieser Schöffen der Jahre 2014 bis 2018. Mit im Bild die Direktorin des Amtsgerichts Lichtenfels, Ulrike Barausch (vordere Reihe, 3. v. li.). Foto: Gerda Völk

Ein letztes Mal durften sie am Tisch des Richters Platz nehmen, im historischen Sitzungssaal des altehrwürdigen Gerichtsgebäudes, der für manche von ihnen in den vergangenen Jahren oder zehn Jahren zu ihrem „Wohnzimmer“ geworden war. Statt einer Gerichtsverhandlung wartete auf die Laienrichter zur Verabschiedung eine kleine Feierstunde.

Die Direktorin des Amtsgerichts Lichtenfels Ulrike Barausch attestierte den scheidenden Laienrichtern, dass sie ein wichtiges Amt ausgeübt hätten, „eine Brücke der Justiz zum Bürger“. Als gewählte Schöffen hatten sie bei Strafverfahren mitgewirkt, die unterschiedlichsten menschlichen Lebensläufe und Schicksale kennengelernt und miterlebt, wie viele Gesichter die Kriminalität haben kann. Manche Straftäter hätten ihre Verfehlungen reuig gestanden, andere wiederum bis zum Schluss mit zum Teil abenteuerlichen Ausreden trotz erdrückender Beweise jede Schuld von sich gewiesen, erinnerte sich die Direktorin des Amtsgerichts. Andererseits gab es Prozesse, in denen die Beweise für einen Tatnachweis nicht ausreichten, oder in denen sich im Laufe der Verhandlung überraschend die Unschuld eines Angeklagten herausstellte.

„Es geht nicht darum, einen Jugendlichen ins Gefängnis zu schicken, sondern ihn auf dem richtigen Weg zu bringen.“
Edmund Hennig, Schöffe

Urteile würden im Namen des Volkes gesprochen, „und ihre Stimme zählte genauso viel wie die eines Berufsrichters“. Schöffen gewährleisten in der deutschen Rechtsprechung eine unmittelbare Beteiligung des Volkes. Dabei kommt es dem Gesetzgeber nicht darauf an, dass Schöffen die einschlägigen Gesetze in- und auswendig kennen. „Sinn und Zweck ihrer Tätigkeit ist es, das Gerechtigkeitsempfinden als Bürger mit einem gesunden Menschenverstand und einer wachen Auffassungsgabe einzubringen“, sagte Barausch.

Ihre Erfahrung als Laienrichterin möchte Silvia Kaiser nicht missen. „Man hat versucht, auch für die Jugendlichen die richtige Entscheidung zu treffen, damit man ihnen den Weg nicht verbaut.“ Dies bestätigt auch Edmund Hennig. Er wurde noch von Amtsgerichtsdirektor Armin Wagner vereidigt. „Es geht nicht darum, einen Jugendlichen ins Gefängnis zu schicken, sondern ihn auf dem richtigen Weg zu bringen.“ Hennig erinnert sich an den Fall eines Jugendlichen, dessen Strafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, weil er eine Lehre machte. Was aus ihm geworden ist, weiß Hennig nicht. „Ich hoffe, dass er seine Chance genutzt hat.“

Nachdenklich wird auch Roland Lowig. „Manches Schicksal bewegt einen schon.“ Nicht jeder Mensch hat die gleichen günstigen Startbedingungen ins Leben. Lowig ist ein junger Erwachsener in Erinnerung geblieben, der wegen eines Drogendeliktes vor dem Richter stand.

Ehrenamtliche Richter

Schöffen sind ehrenamtliche Richter in Strafsachen, die für eine Amtsperiode von fünf Jahren gewählt werden. Sie kommen bei den Strafkammern und Jugendkammern der Landgerichte sowie bei den Schöffengerichten und Jugendschöffengerichten der Amtsgerichte zum Einsatz.

Den zwölf aus dem Amt scheidenden Schöffen überreichte Ulrike Barausch ein Dankschreiben des Bayerischen Staatsministers der Justiz, Georg Eisenreich.

Von Gerda Völk

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