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LICHTENFELS

Vereinsgründung: Für alle mit Lust am Gestalten

Noch sitzt Florian Sünkel beim Nähen im stillen Kämmerchen. Wenn es nach ihm geht, soll sich das bald ändern. Foto: Annette Körber

Wenn Florian Sünkel etwas macht, soll es Hand und Fuß haben. Er nimmt ein pinkfarbenes Täschchen mit gelbem Reißverschluss in die Hand und zeigt auf einen kleinen Fehler an der Naht. Einem Laien wird der nie auffallen. „Aber so etwas ärgert mich“, erklärt der 35-Jährige. Das Täschchen, ein Geschenk für eine Bekannte, darf so bleiben. Bei größeren Fehlern aber trennt er schon mal ganze Näharbeiten wieder auf und beginnt von vorn.

Vor zwei Jahren hat der junge Mann aus Seubelsdorf das Nähen für sich entdeckt – durch einen Zufall: „Ich wollte wieder anfangen zu joggen. Da habe ich bemerkt, dass ich keine Sporthose mit Reißverschluss an den Hosentaschen habe. Und den braucht man ja schon, für den Autoschlüssel zum Beispiel.“ Kurz entschlossen lieh er sich bei einer Bekannten eine Nähmaschine und setzte die Reißverschlüsse selbst ein. Das brachte ihn auf den Geschmack. Er holte die alte Nähmaschine seiner Mutter wieder hervor, tauschte eine Platine aus und brachte das Gerät so wieder zum Laufen. Seitdem sind Kissen entstanden, Pullover, T-Shirts, auch mal ein Babystrampler, wenn eine Bekannte Nachwuchs bekommt. „Aber kein klassischer, sondern so im Superman-Look, schwarz und mit dem Logo“, beschreibt Florian Sünkel und lächelt.

Die Bekannte, die ihm anfangs ausgeholfen hat, will nun auch dabei sein, wenn Sünkel seinen Verein „Gestaltungsraum“ gründet, einen Verein für alle, die kreativ tätig sind oder werden wollen. Wer gerne strickt oder stickt, ist hier ebenso willkommen wie diejenigen, die gerne an der Nähmaschine oder Töpferscheibe sitzen. Raus aus dem stillen Kämmerchen, heißt die Devise: Zusammen macht's mehr Spaß. Hier sollen sich Gleichgesinnte austauschen und gegenseitig Tipps geben, aber auch Neugierige einfach mal reinschnuppern und Handarbeitstechniken ausprobieren können.

Grundlagen aus der Schulzeit

Florian Sünkel hat sich das meiste selbst beigebracht. Die Grundlagen stammen noch aus der Schulzeit, in der im Handarbeitsunterricht Nähen auf dem Lehrplan stand. „Stricken auch, aber das hat die Oma gemacht“, erzählt er. Das Arbeiten mit Nadel und Wolle liegt ihm nicht, da passiert zu wenig. Für ihn, der sich sehr für technische Abläufe interessiert und daheim kleinere Reparaturen selbst ausführt, muss es schon „was mit Strom“ sein. Auf jeden Fall hat er sich noch an einiges erinnert, was er im Handarbeitsunterricht gelernt hat: „wie man den Faden einfädelt, dass man verriegelt, bevor man loslegt ...“ Den Rest eignete er sich über Youtube-Videos an, in denen alles Schritt für Schritt erklärt wird.

Auf den ersten Blick kann man sich Florian Sünkel eher nicht an einer Nähmaschine vorstellen. Er ist groß, von kräftiger Statur. Dass er Babystrampler fertigt, überrascht erst mal. Ein Mann mit einer Passion für Nadel und Faden? Nein, er hat keine negativen Reaktionen erlebt, sagt er: „Das ist doch alles viel offener heute.“ Kollegen sehen eher das Praktische am Hobby und fragen auch mal, ob er beim Annähen eines Knopfs behilflich sein könne.

Es ist ein Hobby, das durchaus fordert, nicht nur, wenn man so perfektionistisch veranlagt ist wie der 35-Jährige. „Man braucht Vorstellungsvermögen, muss dreidimensional denken können“, erklärt er. Für ihn der perfekte Ausgleich zu seiner Arbeit bei einem Startup in Eisfeld, wo er sich um die Gewinnung von Fach- und Führungskräften kümmert.

„Wir wollen für alle offen sein, jeder kann kommen, auch zum Schnuppern.“
Florian Sünkel über seinen geplanten Verein „Gestaltungsraum“

Sünkel ist in Lichtenfels geboren, aber in Sonnefeld aufgewachsen. Vor sechs Jahren zog er zurück in die Korbstadt. Bei einer 50-Stunden-Woche bleibt dem Pendler nicht viel Zeit zum Aufbau von privaten Kontakten. „Ich habe mir die Vereinsliste angeschaut, aber da war nichts dabei, was mich persönlich interessiert hätte“, sagt er. Also hat er beschlossen, einen eigenen Verein zu gründen. Einen Facebook-Auftritt gibt es bereits – zu finden unter www.facebook.com. Ein professionell gestalteter Aushang mit Abreißzetteln für schwarze Bretter sowie Flyer sind fertig und werden wohl dieses Wochenende verteilt. Auch eine Vereinssatzung hat Sünkel bereits entworfen. Auch hier gilt: Wenn er etwas anpackt, dann hat das Hand und Fuß.

Der nächste Schritt ist deshalb nun eine erste Versammlung am 1. Februar um 18 Uhr im „Dümpfelschöpfer“, zu der der junge Mann alle einlädt, die gerne kreativ tätig sind. So will er ermitteln, ob Interesse an einer Vereinsgründung besteht. Dieser zweite Schritt soll dann folgen. Für einen eingetragenen, gemeinnützigen Verein, so hofft Sünkel, könnte er dann auch eine Förderung beantragen oder leichter Spenden akquirieren. Denn allein über den Mitgliedsbeitrag wird sich kaum finanzieren lassen, was für ihn das Wichtigste wäre: Der Lichtenfelser will für die Treffen der Mitglieder einen Raum mieten, möglichst in der Innenstadt, um auch ein bisschen zu ihrer Belebung beizutragen. Er hält es für wichtig, einen Treffpunkt zu haben, der nicht nur zeitweise zur Verfügung steht. Schon deshalb, weil es bei so manchem Hobby zu aufwändig wäre, alles, was man dafür braucht, jedes Mal mitzubringen. Etwa bei seinem eigenen, müsste er doch Nähmaschine, Schnittmuster, Stoffe, Garn, Stoffschere und Schneidunterlage mitschleppen.

Kein billiges Hobby

Den Mitgliedsbeitrag will er für gemeinschaftliche Anschaffungen nutzen, einen Drucker für Schnittmuster etwa, eine Stoffschere, etwas Garn, auch ein paar Nähmaschinen. „Nähen ist kein billiges Hobby. Allein für die Grundausstattung kommen schnell ein paar hundert Euro zusammen“, erklärt Sünkel. Er will im „Gestaltungsraum“ deshalb die Möglichkeit schaffen, Handarbeitstechniken erst mal auszuprobieren, bevor man sich in Unkosten stürzt.

Ein gemeinnütziger Verein kann leichter Spenden generieren, das stimmt. Aber er muss auch etwas zum Wohl der Gemeinschaft beitragen. Damit hat der 35-Jährige kein Problem: „Wir wollen für alle offen sein, jeder kann kommen, auch zum Schnuppern“, sagt er. Vorstellen könnte er sich auch Projekte zur Integration von Asylbewerbern, Kurse in Schulen und Kindertagesstätten und generationenverbindende Aktionen: „Ideen sind unendlich da. Jetzt muss man sehen, was möglich ist.“

Ein erstes Treffen findet am Freitag, 1. Februar, um 18 Uhr in der Gaststätte „Dümpfelschöpfer“ in Lichtenfels statt. Für eine bessere Planung freut sich Florian Sünkel über eine kurze Rückmeldung Interessierter über info@graum.net oder via Facebook über www.facebook.com.

Von Annette Körber

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